Ludwig Leinhos wird erster Cyber-Inspekteur der Bundeswehr Chef der neuen Truppe

Berlin. Nein, einen Hoodie trägt er nicht. Ludwig Leinhos kommt in der üblichen Uniform eines Offiziers der Luftwaffe zum Dienst, ohne Kapuzenpulli.
19.10.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Thomas Kröter

Berlin. Nein, einen Hoodie trägt er nicht. Ludwig Leinhos kommt in der üblichen Uniform eines Offiziers der Luftwaffe zum Dienst, ohne Kapuzenpulli. Auch eine ­besondere Vorliebe des Zwei-Sterne-Generals für Clubmate, das Lieblingsgetränk der Computernerds, ist nicht aktenkundig. Aber es gehört durchaus zu seinen Aufgaben, ­derlei aus militärischer Sicht schräge Vögel für die Truppe zu gewinnen, die er von ­April 2017 an befehligen soll. Der 60-jährige ­Diplomingenieur für Elektrotechnik wird der erste Inspekteur eines neuen Organisationsbereichs der Bundeswehr – des Kommandos Cyber- und Informationsraum. Der ­Bereich bündelt bestehende Kompetenzen vom Nachrichtenwesen bis zur Klimatologie. In der Endstufe soll er 13 500 Dienstposten umfassen.

Die neue Truppe ist ein Lieblingskind von Verteidigungs-­ministerin Ursula von der Leyen. Dazu kommen noch eine Cyber-Abteilung im Ministerium, für ­deren Leitung sie einen Thyssen-Manager abgeworben hat, sowie ein Forschungszentrum an der Bundeswehr-Universität in München. Als operativer Kern von Leinhos’ Cyber-Soldaten kann die rund 80-köpfige Einheit „Computer Netzwerk Operationen“ mit Sitz in Rheinbach bei Bonn gelten. Sie machte Schlagzeilen, weil sie das afghanische Mobilfunknetz gehackt haben soll, um an Informationen über die Entführung einer deutschen Entwicklungshelferin zu gelangen. Eine Bestätigung aus dem Verteidigungsministerium gibt es dafür nicht. Offiziell wird auch bestritten, dass die Bundeswehr für derlei offensive Operationen ausbilde. „Die Hauptaufgabe ist der Schutz des IT-Systems der Bundeswehr“, sagt General Leinhos kurz. Dazu gebe es technische Möglichkeiten. Aber auch die Nutzer in der Truppe müssten für die Gefahren sensibilisiert werden, die ihnen von außen drohten. Bei der Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten gebe es einen Wettlauf mit möglichen ­Angreifern: „Je mehr man auf der Abwehrseite macht, umso findiger werden auch die Angreifer.“ Diese reichten von normalen ­Hackern, die aus Spaß versuchten, in komplizierte Systeme einzudringen, bis hin zu Terroristen und anderen Staaten.

Wenn es um die Frage geht, ob es bereits Cyberattacken auf die Bundeswehr gegeben habe, wird der General noch zurückhaltender. „Jeder, der Informationstechnik nutzt, wird attackiert“, sagt er. Die meisten Angriffe würden durch Schutzmechanismen abgefangen. Aber es gebe auch ernst zu nehmende Angriffe, die weitergehende Aktionen erforderten. Mehr gibt er nicht preis.

Leinhos war nach zahlreichen Verwendungen unter anderem bei der Nato zuletzt bei der Streitkräftebasis in Bonn stationiert. Er hat von Anfang an den Aufbaustab für die Cyber-Truppe geleitet. Nun gilt es unter anderem, neue „Karrierepfade“ zu entwickeln und bürokratisch durchzusetzen. Denn auch wenn die Cyberkrieger der Bundeswehr keine Hoodies tragen, sie werden wegen ihrer Spezialkenntnisse gebraucht und müssen damit in der Hierarchie aufsteigen können – und nicht wie ihr Chef zuerst die übliche Universallaufbahn absolvieren.

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