Warten auf den Impfstoff Große Unterschiede bei Corona-Impfquoten der Bundesländer

Die Impfquoten in den Bundesländern sind ein regelrechter Flickenteppich. Das schnelle Vorankommen hängt vor allem an der Verfügbarkeit des Impfstoffs. Wie weit Bremen und Niedersachsen sind.
04.01.2021, 22:02
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Große Unterschiede bei Corona-Impfquoten der Bundesländer
Von Sabine Doll

Wie viel Impfstoff steht derzeit in Bremen zur Verfügung – und wann sollen die nächsten Lieferungen mit Vakzinen eintreffen?

Das Land Bremen hat zuletzt am 30. Dezember 4875 Dosen des Biontech-Impfstoffs erhalten, die erste Lieferung in derselben Größenordnung stand zum Impfstart am 27. Dezember zur Verfügung. „Am 8. Januar sollen wir die nächste Lieferung in diesem Umfang erhalten, danach wieder am 18. oder 19. Januar“, sagt der Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann. „Wann dann wieder etwas kommt, wissen wir derzeit nicht.“ Ein Fünftel geht jeweils an Bremerhaven. Bislang werde je eine Dose für die zweite Impfung, die nach 21 Tagen erfolgen soll, reserviert.

Wie ist die Lage in Niedersachsen?

Die Corona-Impfungen in Niedersachsen sollen in dieser Woche aufs ganze Land ausgeweitet werden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums haben im Laufe des Montags alle 50 Impfzentren den Corona- Impfstoff erhalten. Ein Ministeriumssprecher ging davon aus, dass die rund 50.700 ausgelieferten Dosen im Laufe der Woche verbraucht werden. Stand Sonntag waren 21 der 45 Landkreise und kreisfreien Städte mit Impfstoff beliefert worden, jedes der belieferten Impfzentren erhielt demnach mindestens 975 Dosen. Bis Ende März soll Niedersachsen rund eine Million Dosen bekommen. Damit könnten etwa 500.000 der knapp acht Millionen Niedersachsen geimpft werden.

In Bremer Pflegeeinrichtungen werden auch Beschäftigte geimpft, die ihren Wohnsitz in Niedersachsen haben. Wird dafür mehr Impfstoff geliefert?

„Die Impfstoff-Lieferungen an die Länder richten sich nach dem Bevölkerungsanteil, insofern ist das tatsächlich ein Thema mit dem wir uns beschäftigen“, sagt Behördensprecher Fuhrmann. Seit Dezember gebe es bereits mit Niedersachsen Gespräche über einen entsprechenden Ausgleich. „Im besten Falle sollte dieser in Form von Impfstoff geleistet werden.“

Wie sind die teils großen Unterschiede bei den Impfquoten der Bundesländer zu erklären?

Laut dem Sprecher der Bremer Behörde liegt das unter anderem am Impf-Management: „Mecklenburg-Vorpommern etwa verimpft alles, in Bremen wird jeweils eine Impfdose für die Zweit-Impfung reserviert, das macht sich quantitativ bemerkbar.“ Außerdem werde die Priorisierung regional unterschiedlich umgesetzt. Während in manchen Ländern vor allem Bewohner in Pflegeeinrichtungen den höchsten Anteil stellten, seien es in anderen etwa Mitarbeiter in Gesundheitsberufen. Der zeitliche Aufwand in Pflegeheimen sei größer als etwa in Kliniken. Die Zahlen des Robert Koch-Instituts seien zudem nicht vollständig: Technische Probleme bei der Übertragung führten zu Unschärfen und einer verzögerten Übermittlung. „Nach unserem Stand waren es in Bremen am Montag mehr als 2300 Impfungen“, betont Fuhrmann.

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Laut der EU-Zulassung können von dem Covid-Impfstoff Comirnaty nur fünf Impfdosen aus einem Fläschchen entnommen werden. Die Ampullen geben nach der Aufbereitung aber mehr her. Wie wird damit umgegangen?

„Eine sechste Impfdosis pro Ampulle ist problemlos möglich. Seit dem 1. Januar wird diese sechste Dosis in Bremen verimpft, ansonsten würde sie als Überschuss entsorgt. Bei dem knappen Impfstoff wäre dies Verschwendung“, sagt der Bremer Behördensprecher. Zu 4875 Impfdosen kommen demnach zusätzliche 975 Dosen und damit 20 Prozent mehr Impfungen.

Wann wird mit weiteren Impfstoffen gerechnet?

Als nächster Kandidat für die EU-Zulassung steht der Impfstoff von Moderna an, damit wird an diesem Mittwoch gerechnet. Der Vorteil dieses Impfstoffs: Er muss zwar auch auf minus 20 Grad Celsius heruntergekühlt werden, kann laut Hersteller aber im Gegensatz zu dem Biontech-Vakzin bis zu 30 Tage in Kühlschränken gelagert werden. Damit könnten – theoretisch – auch niedergelassene Ärzte in die Impfung einsteigen. „Praktisch wird das für die nächsten Wochen aber keine Rolle spielen“, so Fuhrmann. „Weder bei uns noch in den anderen Ländern. Bei den knappen Impfstoff-Kapazitäten rechnen wir nicht damit, dass wir vor Februar mit den Impfungen in Pflegeeinrichtungen durch sind.“ Danach sei medizinisches Personal aus den Kliniken an der Reihe, danach über 80-Jährige, die nicht im Pflegeheim lebten. Die Zulassung des Astra-Zeneca-Impfstoffs noch im Januar gilt laut der europäischen Zulassungsbehörde EMA als „unwahrscheinlich“, wie es vor einigen Tagen hieß.

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Wie erfahren die über 80-Jährigen, die nicht in Pflegeheimen leben, und später andere Impfberechtigte, wann und wo sie geimpft werden?

Das ist in den Ländern unterschiedlich geregelt. In Bremen werden die über 80-Jährigen laut dem Behördensprecher über das Einwohnermeldeamt identifiziert, sie erhalten per Post einen individuellen Code. Per Telefon können sie dann unter der Nummer 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes einen Termin im Impfzentrum ausmachen, dabei müssen sie den Code angeben – dieser wird im Impfzentrum mit den persönlichen Daten abgeglichen, so Fuhrmann. Auch online soll die Terminvergabe möglich sein. Derzeit ist all dies aber noch nicht scharf geschaltet, die Behörde will informieren, wenn die Impfungen in diese Phase gehen.

Wie kommen mobil eingeschränkte und alte Menschen zu den Impfzentren?

Auch dies wird in den Ländern und Kommunen unterschiedlich angegangen, teilweise gibt es dazu auch noch gar keine Aussagen. Bremen ist laut Fuhrmann aktuell mit Hilfsorganisationen über Fahrdienste für diese Gruppen im Gespräch. Die Bremer FDP-Fraktion fordert, dem Beispiel Berlins zu folgen, wo hochbetagte Menschen kostenlos mit dem Taxi ins Impfzentrum fahren könnten. „Bremen sollte prüfen, wenn das nicht schon vorgesehen ist, Taxis für Menschen über 80 und Mobilitätseingeschränkte zu zahlen, die zum Impfen kommen sollen“, so der gesundheitspolitische Sprecher, Magnus Buhlert. Zwei Drittel der Corona-Toten seien über 80 Jahre alt. Dies ließe sich bei der Terminvereinbarung mitklären. Zudem wäre dies auch eine Unterstützung für das Taxigewerbe.

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Wie weit ist Niedersachsen bei der Terminvergabe?

Sobald die Impfungen in den Pflegeheimen abgeschlossen sind, sollen alle anderen Personen aus der ersten Impfgruppe informiert werden, dass sie an der Reihe sind. „Dann können Sie, wenn Sie 80 Jahre alt oder älter sind, einen Impftermin vereinbaren. Wann genau das sein wird, steht noch nicht final fest“, heißt es auf der Homepage des Ministeriums. Eine Telefon-Hotline mit der Nummer 0800-9988665 ist montags bis sonnabends in der Zeit von 8 bis 20 Uhr freigeschaltet – aktuell werden dort aber nur allgemeine Fragen zum Impfen beantwortet. Im Januar soll eine Onlineplattform zur Verfügung stehen, über die man sich anmelden kann. Dies werde aber erst möglich sein, wenn Niedersachsen mehr Impfstoff erhalte.

Was gilt für jüngere Menschen, die schwere Vorerkrankungen haben – benötigen sie für die Anmeldung ein ärztliches Attest als Nachweis?

„Das genaue Verfahren dazu ist noch nicht geklärt. Eine Benachrichtigung per Post ist definitiv schwierig“, so Fuhrmann.

Kann die zweite Spritze auch mit einem anderen Impfstoff verabreicht werden, damit bei einer eingeschränkten Verfügbarkeit trotzdem weiter geimpft werden kann?

Aus der Bremer Gesundheitsbehörde kommt ein klares Nein. Was einen Impfstoff-Mix betreffe, gebe es keine wissenschaftlichen Studien. „Daher ist das absolut kein Thema“, so Fuhrmann. Laut Medienberichten wird diese Option derzeit in Großbritannien diskutiert.

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