Fragen und Antworten zur Organisation Logistik einer Massenimpfung

Ab 14. Dezember soll das Impfzentrum arbeitsfähig sein, doch der Impfstoff kommt wohl nicht vor Januar. Auch zahlreiche Detailfragen sind offen, etwa ob Einpendler sich auch in Bremen impfen lassen können.
08.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Logistik einer Massenimpfung
Von Timo Thalmann

Derzeit entsteht auf der Bürgerweide das zentrale Corona-Impfzentrum. Von außen ist wenig sichtbar und auch in der Halle ist noch nicht viel passiert. Das wird sich bis zum kommenden Montag aber ändern: Ab dann soll das Zentrum bereit sein, es fehlt nur noch der Impfstoff, der sich aktuell im europäischen Zulassungsverfahren befindet. Im Hintergrund wird unterdessen an der Logistik für die Impfstoff-Lieferungen und -Lagerung gearbeitet sowie an den Prioritäten, wer zuerst geimpft werden darf. In beiden Fällen ist ein sensibler Umgang mit dem neuen Medikament gefordert.

Wie wird der Impfstoff gelagert und geliefert?

Der erste, voraussichtlich am 28. Dezember zugelassene Impfstoff von Biontech muss laut Gesundheitsressort bei minus 72 Grad gelagert werden. Er werde in diesem Zustand aber nicht genutzt und verabreicht, sondern zuvor unter normalen Kühlschrankbedingungen aufgetaut. Das dauert laut Behörde etwa vier bis fünf Stunden. Geliefert werde die Substanz auch nicht in Kanülen als gebrauchsfertige Impfmenge, sondern in Groß-Gebinden. Der aufgetaute Impfstoff sei unter normaler Kühlung bis zu 48 Stunden nutzbar. Vor der Applikation müsse er mit Kochsalzlösung verdünnt werden – zeitnah vor der Impfung, weil der Impfstoff in dieser Form nur kurz haltbar sei.

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Wie viel Impfstoff bekommt Bremen?

Die Impfstoffe werden über Verträge der Europäischen Union mit den Herstellern erworben und dann an die Mitgliedsländer verteilt. Wie viel von den jeweils verfügbaren Mengen an die einzelnen Länder gehen, ist abhängig von der Bevölkerungszahl. Genauso funktioniert es auch innerhalb Deutschlands: Der Bund liefert den Impfstoff an die Bundesländer, abhängig von deren Einwohnerzahl. Damit wird knapp ein Prozent der bundesdeutschen Menge nach Bremen kommen.

Wo wird der Impfstoff gelagert?

Bremen hat dem Bund laut Gesundheitsressort ein Zentrallager als Zustelladresse mitgeteilt. Auch eine Notstromversorgung werde es geben. In dieses Zentrallager sollen auch die übrigen notwendigen Materialien geliefert werden. Dazu zählen zum Beispiel Impfbestecke und Schutzkleidung. Sobald der Impfstoff dort eingetroffen ist, liegt alles Weitere in der Verantwortung des Landes. Wo dieses Zentrallager ist und wie viel Impfstoff dort genau gelagert werden kann, gibt das Gesundheitsamt nicht bekannt. Es gebe „ausreichend Platz“, heißt es lediglich.

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Wie viele Impfzentren wird es in Bremen geben?

Das Land plant zwei Impfzentren: Für Bremen zentral in Halle 7 auf dem Messegelände an der Bürgerweide, für Bremerhaven in der dortigen Stadthalle. An beiden Standorten sind außerdem laut Gesundheitsressort mehrere mobile Impfteams vorgesehen, die vor allem Pflegeheime besuchen. Hauptgrund für solch zentrale Impfzentren sind die Lagerbedingungen des Impfstoffes. In Halle 7 in Bremen wird es laut Messe-Chef Hans-Peter Schneider ein Kühlaggregat geben, das eine Lagerung bis minus 72 Grad garantiert.

Wie funktioniert das Impfzentrum?

Schneider spricht von einer Einbahnstraße: Über einen Empfang sollen die Patienten durch mehrere Stationen zu den Impfboxen geschleust werden, wo sie dann die Spritze erhalten. Auf gut 2000 der insgesamt 5000 Quadratmeter großen Halle 7 in Bremen werden, so der Plan, 100 Feldbetten stehen, um jedem frisch Geimpften noch eine halbe Stunde Aufenthalt zur Beobachtung zu geben, bevor er die Halle verlassen darf. Die Betten werden vom Sozialressort besorgt.

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Wie wird das Impfzentrum gesichert sein?

Für Zentrallager und Impfzentrum soll es laut Messechef Schneider ein Sicherheitskonzept geben, das derzeit in Abstimmung mit der Polizei erarbeitet wird. Auszugehen ist von einer Bewachung des Impfstoffes rund um die Uhr. Gewalttätige Übergriffe möglicher Impfgegner, wie auch Störungen innerhalb des Impfzentrums durch Einzelne, die sich ohne Berechtigung impfen lassen wollen, sind dabei Teil der Überlegungen.

Wer kann sich in Bremen impfen lassen?

Prinzipiell gilt das Wohnortprinzip: Nur wer in Bremen lebt, wird sich auch in der Hansestadt impfen lassen können. Das Gesundheitsressort würde bei dem Personal von Pflegeeinrichtungen und Kliniken allerdings gern von dieser Regelung abweichen, um Einrichtungen komplett durchimpfen zu können. Da insgesamt bis zu 50 Prozent der Angestellten im Umland wohnen, führt das Ressort derzeit Gespräche mit Niedersachsen über einen Ausgleich, denn die anfänglich zur Verfügung stehenden, vermutlich noch knapp bemessenen Impfdosen sind rein nach Wohnbevölkerung zugeteilt. Bei der Frage, wer zuerst geimpft wird, wird sich Bremen laut Gesundheitsressortsprecher Lukas Fuhrmann ausschließlich an die Empfehlungen der ständigen Impfkommission halten.

Was ändert sich bei den Corona-Regeln für diejenigen, die geimpft sind?

Nichts. Eine Impfung verhindert die Ansteckung oder mildert einen Krankheitsverlauf, aber jeder Geimpfte kann weiterhin Corona übertragen. Erst wenn nennenswerte Teile der Bevölkerung geimpft sind, können die Beschränkungen für alle aufgehoben werden. Bereits im Frühjahr 2020 hatte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) allen Ideen eines Immunitätsausweises, der zu Sonderrechten führt, eine Absage erteilt.

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