Terrorismus Chronologie: Die Morde des NSU und die Ermittlungspannen

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) konnte sich knapp 14 Jahre lang im Untergrund versteckt halten. Wie haben Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe das geschafft? Eine Chronologie.
31.01.2013, 23:11
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Knapp 14 Jahre lang konnte sich die Zwickauer Zelle der mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe im Untergrund halten. Die Morde des NSU blieben viele Jahre unentdeckt. Im Zentrum der Kritik geriet vor allem der Verfassungsschutz. Eine Chronologie der Verbrechen und Pannen.

26. Januar 1998: Nach einer Razzia in ihrer Bombenwerkstatt in Jena tauchen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe unter. Sie beschließen, aus dem Untergrund mit Gewalt für ihr politisches Ziel zu kämpfen - ein nationalsozialistisches System in Deutschland.

18. Dezember 1998: Mit einem Überfall auf einen Supermarkt versuchen Mundlos und Böhnhardt, das Geldproblem der Gruppe zu beheben.

April 1999: Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe ziehen in eine eigene Wohnung in Chemnitz.

6. und 27. Oktober 1999: Überfälle auf zwei Postfilialen in Chemnitz.

9. September 2000: Die Mordserie beginnt. Die Terroristen erschießen in Nürnberg den Blumenhändler Enver Simsek.

19. Januar 2001: In einem iranischen Lebensmittelladen in Köln explodiert eine Bombe. Die Tochter des Inhabers wird schwer verletzt. Die Tat wird Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zur Last gelegt.

Frühjahr 2001: Die Gruppe zieht in eine neue Wohnung in Zwickau.

13. Juni 2001: Mord an dem Schneider Abdurrahim Özüdogru in Nürnberg.

27. Juni 2001: Mord an dem Hamburger Gemüsehändler Süleyman Tasköprü.

5. Juli 2001: Überfall auf eine Postfiliale in Zwickau.

29. August 2001: Mord an dem Gemüsehändler Habil Kilic in München.

25. September 2002: Sparkassen-Überfall in Zwickau

25. Februar 2004: In Rostock Mord am Imbiss-Verkäufer Mehmet Turgut.

15. September 2003: Das Ermittlungsverfahren wegen des Bombenbaus wird wegen Verjährung beendet, die Fahndung eingestellt.

23. September 2003: Sparkassen-Überfall in Chemnitz

25. Februar 2004: In Rostock Mord am Imbiss-Verkäufer Mehmet Turgut.

14. und 18. Mai 2004: Überfälle auf zwei Sparkassen in Chemnitz

9. Juni 2004: Die Terroristen zünden eine Nagelbombe in Köln-Mülheim. 22 Menschen werden verletzt, einige lebensgefährlich.

9. Juni 2005: Mord an dem Imbiss-Inhaber Ismail Yasar in Nürnberg.

15. Juni 2005: Mord an dem Schlüsseldienst-Inhaber Theodoros Boulgarides in München.

22. November 2005: Erfolgloser Sparkassen-Überfall in Chemnitz

4. April 2006: Mord an dem Kioskbesitzer Mehmet Kubasik in Dortmund.

6. April 2006: Mord an Halit Yozgat, Besitzer eines Internet-Cafés in Kassel, in dem sich zur Tatzeit ein Verfassungsschützer aufhält.

25. April 2007: Die Täter erschießen in Heilbronn die Polizistin Michèle Kiesewetter. Ihr Kollege wird schwer verletzt.

Dezember 2007: Die Täter erstellen die DVD mit dem «Paulchen Panther»-Bekennervideo.

März 2008: Das Trio zieht in die Frühlingsstraße in Zwickau - das letzte Domizil der Gruppe.

7. September 2011: Überfall auf eine Sparkasse in Arnstadt.

4. November 2011: Sparkassen-Überfall in Eisenach. Böhnhardt und Mundlos verstecken sich in einem Wohnmobil. Als die Polizei sie entdeckt, erschießen sie sich. Als Zschäpe davon erfährt, zündet sie die gemeinsame Wohnung in Zwickau an.

8. November 2011: Zschäpe stellt sich in Jena der Polizei.

11. November 2011: Im Polizistenmord von Heilbronn übernimmt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen. Der Fall stehe vermutlich in Zusammenhang mit den Morden an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft zwischen 2000 und 2006.

13. November 2011: Die Bundesanwaltschaft geht erstmals von Rechtsterrorismus aus. Der Bundesgerichtshof erlässt Haftbefehl gegen Zschäpe. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) fordert vom Verfassungsschutz einen Tag später in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung dringend Aufklärung.

18. Dezember: Die Thüringer Verfassungsschützer räumen erstmals ein, dass über einen Mittelsmann Geld an die untergetauchten Zwickauer Neonazis fließen sollte, um an deren Tarnidentitäten zu kommen. Der Plan scheiterte, Politiker sprechen von "Dilettantismus".

14. Januar 2012: Die Bundesanwaltschaft sieht ihren Verdacht bestätigt, dass Zschäpe die Terrorvereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) mitgründete und sich bis zum Ende an ihr beteiligte.

27. Januar 2012: Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages nimmt seine Arbeit auf.

15. Mai 2012: Fehler der Thüringer Behörden haben nach Ansicht einer unabhängigen Kommission unter Vorsitz des ehemaligen Bundesrichters Gerhard Schäfer das Untertauchen des Neonazi-Trios begünstigt. In seinem Abschlussbericht kritisiert das Gremium vor allem den Verfassungsschutz, aber auch Fehler bei Staatsanwaltschaft und Polizei.

22. Juni 2012: Die Parlamentarische Kontrollkommission des sächsischen Landtags bescheinigt dem Verfassungsschutz des Freistaates erhebliche Defizite bei der Fahndung nach dem Neonazi-Trio. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Thüringer Verfassungsschutz sei mangelhaft gewesen.

28. Juni 2012: Bei den Ermittlungen unterlief dem Verfassungsschutz eine weitere gravierende Panne: In der Behörde wurden Akten vernichtet, nachdem das Trio aus Zwickau bereits mehrere Tage aufgeflogen war.

2. Juli 2012: Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm räumt nach den schweren Ermittlungspannen seinen Posten. Er bittet Innenminister Friedrich (CSU) um seine Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand.

8. November 2012: Die Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen Zschäpe.

31. Januar 2013: Das Oberlandesgericht lässt die Anklage gegen Zschäpe wegen Mittäterschaft an den zehn Morden des NSU sowie gegen vier mutmaßliche Unterstützer und Helfer der Gruppe zu.

06. Mai 2013: Der Mammut-Prozess beginnt mit drei Wochen Verzögerung in München.

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