Kongress des Chaos Computer Clubs Europas Hackerszene trifft sich in Leipzig

Rund 15.000 Menschen hacken, programmieren und tauschen sich in den kommenden Tagen in Leipzig aus. Im Mittelpunkt der größten europäischen Hackervereinigung stehen Themen wie IT-Sicherheit oder selbstfahrende Autos.
26.12.2017, 19:27
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Europas Hackerszene trifft sich in Leipzig
Von Melanie Reinsch

Für den Chaos Computer Club (CCC) ist das 34. Jahrestreffen zwischen Weihnachten und Neujahr eine besondere Herausforderung: Fünf Jahre gastierte die größte europäische Hackervereinigung im Congress Centrum Hamburg – aus dem CCH-Schild wurde kurzum, wenn auch nur temporär, ein CCC-Schild.

Dieses Jahr findet das Hackertreffen unter dem Motto „tuwat“ mit IT-Spezialisten, Computerfreaks, Bürgerrechtlern, Datenschützern, Netzaktivisten und Digitalnomaden zum ersten Mal in der Leipziger Messe statt, weil das CCH in der Hansestadt für fast 200 Millionen Euro modernisiert wird. Die Veranstalter wollen „Messehallen-Feeling“ vermeiden und sich wohlfühlen. Vor allem die akustischen Eigenschaften der Halle und die unterschiedlichen Schallquellen stellten die Veranstalter vor Herausforderungen. „Lasst die fetten Lautsprecher zuhause. Hackt Silent-Disco-Modelle und Alternativen zusammen. Seid kreativ in der Schallvermeidung“, baten sie die Besucher vorab.

IT-Sicherheit und künstliche Intelligenz stehen im Fokus

Schließlich werden hier zwischen Mittwoch und Sonnabend rund 15.000 Menschen leben, wohnen, hacken, programmieren, lernen, zuhören, sprechen, sich austauschen und vernetzen. Sie Szene kommt nicht zum Schlendern und Berieseln vorbei. Über 100 Vorträge wird es geben. „Aber der größte Teil des Chaos Communication Congress entsteht erst durch die Besucher: Wir sind ein Selbst- und Mitmachcongress. Es gibt einen ständigen Wechsel zwischen Mitwirkenden und Besuchern“, erklärte CCC-Sprecher Linus Neumann.

In den Panels und Workshops geht es unter anderem um IT-Sicherheit, Gesellschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft, um selbstfahrende Autos, Geheimdienste, Künstliche Intelligenz (KI), digitale Bildung an Schulen, um Gefahren beim Mobilebanking durch Apps, um die Schließung der linken Webseite Indymedia linksunten oder um Roboter. Man blickt in Nachbarländer, auf andere Kontinente und sogar ins All. Natürlich gibt es auch netzpolitische Jahresrückblicke und Vorschauen – auch mit Hinblick auf die neue Regierung.

Markus Beckedahl und Hans-Christian Ströbele dabei

Unter anderem lässt der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele die jüngsten Geheimdienstskandale Revue passieren und Netzpolitik.org-Chefredakteur Markus Beckedahl gibt einen Ausblick auf die größten Debatten in der kommenden Legislatur – von Plattform-Regulierung über KI-Regulierung bis hin zur Frage der Produkthaftung.

Der Chaos Computer Club versteht sich selbst als Vermittler „im Spannungsfeld zwischen technischer und sozialer Entwicklungen“. Er macht zum Beispiel auf Sicherheitslücken aufmerksam. Prominentes Beispiel aus diesem Jahr: Der PC-Wahl-Hack kurz vor der Bundestagswahl im September, als der CCCeklatante Sicherheitslücken in der Wahlsoftware entdeckte. Es fehlten Verschlüsselungen und wirksame Authentifizierungen. Der CCC stellte dem Software-Hersteller öffentlich eine Quellcode-Spende zur Verfügung, um die Schwachstellen beseitigen zu können.

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Vor wenigen Wochen kritisierten sie mit einer extra ins Leben gerufenen Homepage den Einsatz sogenannter Staatstrojaner in Hessen und machten auf die Gefahren aufmerksam. „IT-Sicherheit steht im Fokus“, sagt Neumann. Man beobachte zudem große Schritte von einer bloßen Überwachung des Staates hin zu einer Kontrolle. Auch das werde in den vier Tagen immer wieder Thema in Leipzig sein.

Seit 1984 hält der 1986 von Computer Aktivist Wau Holland gegründete Verein regelmäßig seine Jahrestreffen ab. Seine Wurzeln gehen bis ins Jahr 1981 zurück. Damals trafen sich Hacker und selbstbezeichnete „Komputerfrieks“, die die Möglichkeiten der gerade aufkommenden elektronischen Datennetze erkannt hatten, und gründeten den Verein. Heute hat er mehr als 5500 Mitglieder. Bis heute ist der CCC seinem Kerngedanken treu geblieben: Die Transparenz staatlichen Handels in den Vordergrund zu stellen.

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