Kommentar über die K-Frage Söder kann Laschet nicht ausbremsen

Die Ungeduld in der CDU/CSU wächst. Die K-Frage, so fordern viele, muss endlich entschieden werden. Doch so gut Markus Söder auch da steht, Armin Laschet hat es weiter in der Hand, meint Hans-Ulrich Brandt.
07.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Söder kann Laschet nicht ausbremsen
Von Hans-Ulrich Brandt

Die Sache muss endlich entschieden werden. Möglichst schnell. Aber wie? In der CDU/CSU reißt immer mehr Abgeordneten der Geduldsfaden. Sie fordern ein Ende der leidigen Hängepartie in der K-Frage. Ostern ist vorbei, bis Pfingsten mögen sie nicht mehr warten. Verständlicherweise, denn in der Union rumort es. Erst die lange Vakanz in der Chefetage der CDU, jetzt die sich belauernden Kanzlerkandidaten Armin Laschet und Markus Söder.

Um den Showdown der beiden Kontrahenten zu beenden, wird eine Abstimmung in der Bundestagsfraktion ins Spiel gebracht – bis hin zu einem zeitlich kaum mehr möglichen Mitgliederentscheid. Selbst ein Kompromisskandidat wurde plötzlich von einigen Unionsabgeordneten noch aus dem Hut gezaubert: Fraktionschef Ralph Brinkhaus. Eine Personalie, die zeigt, wie groß die Not inzwischen ist. Der öffentlich ausgetragene Kandidatenwettbewerb nutzt den beiden Schwesterparteien nicht, er belastet sie. Die Umfragewerte zeigen es: Die Union ist ins Rutschen gekommen. Es braucht jetzt einen, der sich gegen diesen Trend stemmt. Es braucht einen Kanzlerkandidaten, hinter dem sich CDU und CSU geschlossen versammeln können. Aber gibt es den überhaupt?

Lange Zeit war das Angela Merkel, seit dem 22. November 2005 regiert sie. Doch mit dem Ende ihres Parteivorsitzes hat sich in der CDU ein Machtvakuum aufgetan, das auch nach zweieinhalb Jahren nicht geschlossen werden konnte. In der K-Frage setzt sich das fort. Erschwerend kommt hinzu, dass der Zweikampf zwischen Laschet und Söder massiv am Selbstbewusstsein der Christdemokraten kratzt. Sie nennen sich zwar Schwesterparteien, aber wenn es um die Kanzlerkandidatur geht, lässt die Große der Kleinen ungern den Vortritt. Ausnahmen wie 1980, als Franz Josef Strauß gegen Helmut Schmidt antrat, oder 2002 Edmund Stoiber gegen Gerhard Schröder, bestätigen nur die Regel. Beide Christsozialen verloren im Übrigen die Wahl.

Angela Merkel tat das nicht. CDU und CSU blieben unter ihrer Ägide Regierungsparteien, und über die K-Frage musste auch nicht diskutiert werden. 2002 hatte sie dem damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Stoiber noch den Vortritt gelassen – beim legendären Frühstück am 11. Januar im Hause Stoiber in Wolfratshausen. Nicht ganz freiwillig, wie vermutet wird, denn Stoiber lag in Umfragen vor Merkel. Auch hatte er großen Rückhalt in Teilen der CDU. Bei einer Kampfabstimmung in der Fraktion hätte sie es schwer gehabt.

Könnte das eine Blaupause für die jetzigen Kontrahenten sein? Ist es vorstellbar, dass Armin Laschet am Frühstückstisch von Markus Söder dem Franken die Kandidatur überlässt? Wohl schon deshalb nicht, weil Söder, trotz seiner enormen Medienpräsenz, sein Privatleben strikt schützt. Sein Frühstückstisch in Nürnberg wird also nicht Geschichte schreiben. Ansonsten aber ähnelt Laschets Ausgangslage der von Merkel im Jahr 2002 sehr. Auch er liegt in den Umfragen hinten. Und wie Stoiber kann auch Söder auf Unterstützung aus den Reihen der CDU hoffen. Würde Laschet ähnlich rational handeln, wie Angela Merkel damals bei Stoiber daheim – er müsste Söder den Vortritt lassen. Es muss ja nicht beim Frühstück sein.

Doch Laschet kämpft. Und er hat einen Trumpf: Als Chef der größeren Unionspartei hat er nun mal den ersten Zugriff auf die Kanzlerkandidatur. Ausbremsen kann Söder ihn also nicht, das könnte nur das Parteipräsidium – oder ein vernichtendes Votum in der Fraktion. Am Sonntag trifft sich die Fraktionsspitze. Eingeladen sind auch Laschet, Söder und die Kanzlerin. Gut möglich, dass dort die Würfel fallen.

Noch länger zu warten, wäre fahrlässig – die aufgebrachte Stimmung in der Fraktion zeigt es. Sprechen auch Umfragen, Popularitätswerte und Auftreten weiterhin eindeutig für Söder, so heißt das längst nicht, dass Laschet chancenlos ist. „Wir werden nach dem Kriterium entscheiden, wer die größten Aussichten hat, in ganz Deutschland die Wahl zu gewinnen“, betonte der CDU-Chef am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Wohlgemerkt: in „ganz“ Deutschland. Und den Beweis sind CSU-Kandidaten bisher schuldig geblieben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+