Limit soll zunehmend auch auf Hauptstraßen gelten / ADAC: Völlig falscher Ansatz Tempo 30: Bremen tritt aufs Gas

Tempo 30 bei Nacht – dort, wo die Straßen breit und zu der Zeit in der Regel auch leer sind. Es gibt Städte, die probieren das gerade aus. Andere warten die Ergebnisse solcher Versuche ab. Das Ziel ist, für die Anwohner den Lärm zu mindern. Bremen hat damit bereits Erfahrungen gesammelt und überlegt nun, weitere Hauptverkehrsstraßen mit Tempo 30 zu belegen – begrenzt auf die Nachtzeit, auf einzelne Abschnitte oder ohne jede Einschränkung.
11.12.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Tempo 30: Bremen tritt aufs Gas
Von Jürgen Hinrichs

Tempo 30 bei Nacht – dort, wo die Straßen breit und zu der Zeit in der Regel auch leer sind. Es gibt Städte, die probieren das gerade aus. Andere warten die Ergebnisse solcher Versuche ab. Das Ziel ist, für die Anwohner den Lärm zu mindern. Bremen hat damit bereits Erfahrungen gesammelt und überlegt nun, weitere Hauptverkehrsstraßen mit Tempo 30 zu belegen – begrenzt auf die Nachtzeit, auf einzelne Abschnitte oder ohne jede Einschränkung.

Göttingen macht es, Essen auch, Hamburg ein bisschen, und Hannover überlegt noch: Tempo 30 bei Nacht. Die Geschwindigkeit drosseln, wenn die Menschen an Hauptverkehrsstraßen ihre Ruhe haben wollen. Noch sind es Modellprojekte, die zunächst einmal Aufschluss darüber geben sollen, wie groß der Effekt ist. Andere Städte, Leverkusen zum Beispiel oder Frankfurt, wollen sich an den Ergebnissen orientieren. Und Bremen? Winkt ab. „Wir sind schon viel weiter“, sagt Jens Tittmann, Sprecher des Umwelt-, Bau- und Verkehrsressorts von Senator Joachim Lohse (Grüne). Erstens sei Tempo 30 bei Nacht auf ausgewählten Hauptverkehrsstraßen in Bremen längst Praxis. Und zweitens werde gerade geprüft, ob zusätzliche Zonen hinzukommen könnten – zumeist für die volle Tageszeit.

Einen neuen Schwerpunkt, der darauf zielt, speziell nachts den Autolärm zu reduzieren, plant die Stadt demnach nicht. Anders als Göttingen zum Beispiel. Dort dürfen die Autofahrer seit November zwischen 22 und 6 Uhr auf zunächst acht Hauptverkehrsstraßen nur noch maximal 30 Kilometer pro Stunde fahren. Das Projekt ist Teil eines „Lärmaktionsplans“, der vom Rat beschlossen wurde.

Einen Lärmaktionsplan gibt es auch in Bremen. Er stammt aus dem Jahr 2009 und wird gerade überarbeitet, um den neuen Vorgaben der EU gerecht zu werden. Im Sommer hatte Umweltsenator Lohse in diesem Zusammenhang einige Tempo-30-Projekte vorgestellt: Runter vom Gas zum Beispiel am Rembertiring, allerdings nur nachts, ganztags dagegen in der Kornstraße zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Kirchweg.

Im Anhang des neuen Verkehrsentwicklungsplans für Bremen ist eine Tabelle mit weiteren Hauptverkehrsstraßen enthalten, die für Tempo 30 vorgesehen sind. Die Verkehrsbehörde weist allerdings darauf hin, dass es sich um eine vorläufige Liste handele und zunächst nur geprüft werde.

Mit einzelnen Abschnitten dabei ist unter den insgesamt 24 Vorschlägen die Kornstraße in der Neustadt, die Martinistraße in der City, der Utbremer Ring in Walle, die Theodor-Heuss-Allee an der Bürgerweide, die Bürgermeister-Spitta-Allee in der Vahr, allerdings nur nachts, die Oberneulander Landstraße, die Habenhauser Landstraße, die Burger Heerstraße, die H.-H.-Meier-Allee und der Arsterdamm.

Maßgeblich vorangetrieben werden die Tempo-30-Pläne von den Grünen im rot-grünen Bremer Senat. „Zunächst geht es um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, aber natürlich auch um die Reduzierung von Lärm“, erklärt der Grünen-Landesvorsitzende Ralph Saxe. Tempo 30 wünscht er sich als Regelgeschwindigkeit auf allen Straßen der Stadt. „In den Wohngebieten haben wir das oft schon geschafft.“ Und auf den Hauptverkehrsstraßen werde das jetzt verstärkt in Angriff genommen, mit Rücksicht freilich auf die Wirtschaftsverkehre. Saxe: „Die Ausnahme wird dann Tempo 50 sein und nicht mehr Tempo 30.“

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) findet diesen Ansatz völlig falsch. „Ein System, das sich bewährt hat, soll ohne Grund verändert werden“, kritisiert Nils Linge, Sprecher des ADAC Weser-Ems. Hauptverkehrsstraßen seien dazu da, den Verkehr schnell abfließen zu lassen. „Tempo 30 kann in Wohngebieten oder auf Nebenstraßen sinnvoll sein“, konzediert Linge, „woanders ist es das aber sicher nicht.“ Kommentar Seite 2·Grafik Seite 11

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