Kommentar über Söder und Laschet

Der Forsche und der Findige

Im Rennen um die Kanzlerkandidatur der Union scheint CSU-Chef Markus Söder die Nase vorn zu haben, doch Armin Laschets Absetzstrategie von Merkel könnte am Ende erfolgreicher sein, meint Joerg Helge Wagner.
21.02.2021, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Der Forsche und der Findige
Von Joerg Helge Wagner

Das Meinungsforschungsinstitut Civey fragt schon ungeduldig, ob sich die Union zu viel Zeit lässt mit der Kür ihres Kanzlerkandidaten. Das ist zumindest eine bessere Frage als jene, wen die Bürger denn gerne hätten. Bekanntlich entscheiden das nämlich am Ende genau zwei Menschen: Armin Laschet und Markus Söder, die Vorsitzenden der Schwesterparteien CDU und CSU. Die eine hat fast 400.000 Mitglieder bundesweit, die andere rund 140.000 ausschließlich in Bayern. Aber auch das hat wenig zu sagen, denn die große CDU braucht auch die Stimmen in Bayern für einen überzeugenden Sieg bei der Bundestagswahl im September – und damit für den Zugriff aufs Kanzleramt. Das gilt erst recht angesichts der Grünen, die in Umfragen stabil an die 20 Prozent erreichen.

Laschet und Söder werden sich also zwischen Ostern und Pfingsten „unter vier Augen“ auf einen Vorschlag an ihre Parteien verständigen. Einen Vorschlag, den diese nicht ablehnen können, wenn sie ihre Vorsitzenden nicht irreparabel beschädigen wollen. Der forsche Söder nutzte den politischen Aschermittwoch nun für eine viel kommentierte Ansage: „Merkel-Stimmen gibt’s nur mit Merkel-Politik.“ Das zielt natürlich auf Laschet, der sich gerade in der Corona-Politik vom strikten Lockdown-Kurs der Kanzlerin absetzt – freilich mit dem Problem, dass er als mächtigster Landesfürst diesen Kurs bislang wenigstens halbherzig mitgesteuert hat. Das sorgt erst einmal für Häme.

Trotzdem könnte Laschets riskante Absetzstrategie am Ende erfolgreich sein, denn noch viel ungeduldiger als die Kandidatenkür der Union erwartet das Wahlvolk eine Normalisierung seiner Lebensumstände. Das gilt nicht nur, aber natürlich auch für die Fans von Friedrich Merz. So könnte Söder seine Kanzlerinnentreue in der Corona-Politik noch auf die Füße fallen, zumal seine harte Linie in Bayern wenig erfolgreich ist. Und „Merkel-Stimmen“ verteilt die urbane bürgerliche Mitte eher für eine klare Abgrenzung zur AfD und Offenheit gegenüber den Grünen – Merkmale, für die Söder nicht immer stand. Doch Laschet muss auch ihm ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann.

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