Meeressäuger landen irrtümlich in der für sie viel zu flachen und nahrungsarmen Nordsee Acht tote Pottwale im Wattenmeer

Dithmarschen. Im Wattenmeer vor dem Kaiser-Wilhelm-Koog in Dithmarschen sind acht Pottwale gestrandet. Es handelt sich um junge Bullen von neun bis zwölf Metern Länge, teilte der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.
02.02.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Acht tote Pottwale im Wattenmeer
Von Jörn Hüttmann

Im Wattenmeer vor dem Kaiser-Wilhelm-Koog in Dithmarschen sind acht Pottwale gestrandet. Es handelt sich um junge Bullen von neun bis zwölf Metern Länge, teilte der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) am Montag mit. Die Behörde hatte bereits am Sonntag eine erste Meldung erhalten. Aufgrund der Tide konnten die Mitarbeiter aber erst am Montag mit einem Raupenfahrzeug zu den Tieren gelangen. Zu dem Zeitpunkt lag einer der Pottwale noch im Sterben, die anderen waren schon tot.

Laut Hendrik Brunckhorst, Sprecher des LKN.SH, befanden sich die Tiere höchstwahrscheinlich auf einer langen Reise in den Nordatlantik. „Wir gehen davon aus, dass die Jungbullen normalerweise in den Gewässern rund um die Azoren leben.“ Die Männchen dieser Population verbringen den Winter im Nordatlantik. Auf ihren Wanderungen gelangen einzelne Tiere irrtümlich in die für sie zu flache und nahrungsarme Nordsee. Mit ihrem akustischen Orientierungssinn können sie sich dort schlecht orientieren. „Das ist nicht ihr Lebensraum. Manche finden zurück und manche eben nicht“, so Brunckhorst. Wenn die schweren Tiere ins Flachwasser geraten und auf dem Grund liegen, kann das Gewicht ihres Körpers ihre Blutgefäße und die Lunge abdrücken, sodass die Tiere an Herz-Kreislauf-Versagen sterben.

Von einer besorgniserregenden Entwicklung will Brunckhorst allerdings nicht sprechen. „Außergewöhnlich ist das schon, aber es passt ins Bild.“ So seien seit 1990 insgesamt 82 Pottwale in der Nordsee gestrandet. „Und weltweit wird die Population auf 300000 bis 1 000 000 Tiere geschätzt.“ Alle Wale liegen dicht beieinander in der nicht zugänglichen Zone 1 des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, etwa fünf Kilometer südlich des Hafens Friedrichskoog und zwei Kilometer vor dem Deich. Trotz absehbar erhöhter Wasserstände und stürmischer Winde wird am Dienstag mit der Bergung der toten Tiere von Land aus begonnen werden. Was mit den toten Tieren passiert, sei allerdings noch nicht geklärt. „Wir müssen abwarten, ob es Interessenten gibt“, sagte Brunckhorst.

Erst vor drei Wochen waren zwölf Pottwale im Wattenmeer tot aufgefunden worden, drei davon in Schleswig-Holstein. Seit den 1990er-Jahren strandeten damit 82 Pottwale an der Wattenmeerküste Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande.

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