Alle für Montag geplanten Termine abgesagt Bremen stoppt Impfung mit Astra-Zeneca

Bremen setzt Impfungen mit dem Impfstoff von Astra-Zeneca aus. Alle für Montag geplanten Termine sind abgesagt worden. Wie es am Dienstag weitergeht, soll kurzfristig entschieden werden.
15.03.2021, 15:39
Lesedauer: 4 Min
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In Bremen wird der Impfstoff von Astra-Zeneca bis auf weiteres nicht mehr verimpft. Alle für Montag geplanten Termine sind abgesagt worden, teilte das Gesundheitsressort am Montagnachmittag mit. Wie es am Dienstag weitergeht, werde kurzfristig entschieden. Auch in Bremerhaven wird ab sofort kein Astra-Zeneca mehr verimpft. Bremen und Bremerhaven reagieren damit auf eine aktuelle Empfehlung des Paul-Ehrlich-Institutes (PEI). Vorausgegangen waren Meldungen von Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung mit dem Präparat.

„Nach neuen Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung in Deutschland und Europa, hält das PEI weitere Untersuchungen für notwendig“, so der Sprecher. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA werde entscheiden, ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffes auswirken.

In Bremen bisher rund 19.000 Dosen verimpft

Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard spricht von einem "herben Rückschlag" für den Fortgang der Impfungen. "Es muss jetzt umgehend aufgeklärt werden, ob es einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Thrombosen gibt. Wir haben in Bremen selbstverständlich sofort alle Impfungen mit Astra-Zeneca gestoppt."

In Bremen wurden bislang knapp 19.000 Dosen von Astra-Zeneca verimpft. "Bislang sind keine unerwarteten Impfreaktionen im zeitlichen Zusammenhang mit Astra-Zeneca-Impfungen aufgetreten", so Bernhard. Bremen werde versuchen, die bereits vereinbarten Termine mit Astra-Zeneca auf den Impfstoff BionTech umzusetzen. "Ob das auf Grund freier Kapazitäten möglich ist, wird noch ermittelt."

Bisher 150 Impfungen täglich in Bremerhaven

In Bremerhaven haben rund 1.800 Bürgerinnen und Bürger bereits Impftermine für den Impfstoff Astra-Zeneca im Bremerhavener Impfzentrum erhalten. Erhaltene Termine für Astra-Zeneca dürfen nicht wahrgenommen werden, teilt der Leiter der Projektgruppe Impfen Jens Cordes mit. In den nächsten Tagen werde geprüft, ob die verfallenen Impftermine mit dem Impfstoff BionTech ausgeglichen werden können. Die nächsten Zweitimpfungen mit dem betroffenen Impfstoff seien in Bremerhaven erst im April geplant. "Die Stadt Bremerhaven wird die Betroffenen in den kommenden Tagen über das weitere Vorgehen informieren."

Pro Tag fanden zuletzt rund 150 Impfungen mit dem Astra-Zeneca Impfstoff in Bremerhaven statt. „Personen, welche bereits eine Erst- oder Zweitimpfung mit dem Astra-Zeneca Impfstoff erhalten haben und seit mehreren Tagen über Unwohlsein, primär starke und anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen klagen, sollten sich unverzüglich in ärztlicher Behandlung begeben“, so der ärztliche Leiter des Impfzentrums, Michael Holznagel.

Zuvor hatten auch die Niederlande Impfungen mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astra-Zeneca für zwei Wochen ausgesetzt. Dies geschehe auf der Grundlage „neuer Informationen“, hatte Gesundheitsminister Hugo de Jonge am späten Sonntagabend mitgeteilt. Dabei bezog er sich auf sechs Fälle möglicher Nebenwirkungen in Dänemark und Norwegen an diesem Wochenende. Nach „Wir müssen immer auf Nummer sicher gehen“, sagte der Minister. „Daher ist es klug, nun auf die Pausetaste zu drücken.“

Die EMA erklärte allerdings, dass es keine auffällige Häufung von Thrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gebe. Der Nutzen der Verabreichung des Astra-Zeneca-Mittels sei größer als die Risiken.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat den Impfstopp für das Präparat von Astra-Zeneca als „großen Fehler“ bezeichnet. „Das schafft nur große Verunsicherung und Misstrauen in einer Situation, in der es auf jede Impfung ankommt“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“ (Dienstag). Besser sei eine Prüfung bei laufenden Impfungen. „Ich kenne keine Analysen, die ein Aussetzen rechtfertigen würden“, sagte der SPD-Politiker und Epidemiologe. „Das Risiko einer Thrombose läge „in der Größenordnung von 1 zu 100 000 oder weniger“ und scheine im Vergleich zu Ungeimpften nicht erhöht zu sein.

Italien hatte Impfungen bereits ausgesetzt

Ausgesetzt worden waren die Impfungen mit dem Vakzin vorübergehend auch in Italien. Dort war eine geimpfte Lehrkraft in der Region Piemont gestorben. Man handle aus „extremer Vorsicht“, bis man herausfinde, ob die Impfung mit dem Tod in Verbindung stehe, sagte der Gesundheitsbeauftragte der Region, Luigi Genesio Icardi, laut einer Mitteilung vom Sonntag. Am Abend waren die Impfungen wieder aufgenommen worden. Generell hält die italienische Regierung an der Impfung mit Astra-Zeneca fest.

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Auch Großbritannien nutzt den Astra-Zeneca-Impfstoff weiter. „Wir prüfen die Berichte genau, aber angesichts der großen Anzahl verabreichter Dosen und der Häufigkeit, mit der Blutgerinnsel auf natürliche Weise auftreten können, deuten die verfügbaren Beweise nicht darauf hin, dass der Impfstoff die Ursache ist“, sagte Phil Bryan von der britischen Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA) einer Mitteilung zufolge.

Zuletzt hatte die irische Impfkommission sich für einen vorübergehenden Stopp der Impfungen mit dem Präparat ausgesprochen, das der britisch-schwedische Konzern Astra-Zeneca gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt hat. Es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Astra-Zeneca weist Sorgen zurück

Astra-Zeneca hatte nach einer Analyse von Impfdaten erneut Sorgen über die Sicherheit seines Corona-Impfstoffes zurückgewiesen. Eine sorgfältige Analyse der Sicherheitsdaten von mehr als 17 Millionen Geimpften in der EU und Großbritannien habe keine Belege für ein höheres Risiko für Lungenembolien, tiefen Venenthrombosen und Thrombozytopenie geliefert, wie der Konzern am Sonntag in London mitteilte. Damit bezieht sich das Unternehmen nun auf noch mehr Datensätze. Am Freitag hatte Astra-Zeneca sich bereits ebenso geäußert und dabei auf 10 Millionen Datensätze verwiesen.

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++ Dieser Artikel wurde aktualisiert um 18.10 Uhr. ++

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