Pandemie

Corona-Impfung: Alle Infos zu Impfstoffen, Impfzentren und (Neben-)Wirkungen

In Deutschland ist die Impfkampagne für den Kampf gegen die Corona-Pandemie gestartet. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu den Impfungen.
19.03.2021, 12:49
Lesedauer: 8 Min
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Von Bastian Angenendt (mit dpa)
Corona-Impfung: Alle Infos zu Impfstoffen, Impfzentren und (Neben-)Wirkungen

Ein Arzt hält eine Spritze, die den Impfstoff von Moderna gegen Covid-19 enthält. Überall in Deutschlandlaufen derzeit Corona-Impungen.

Rolf Vennenbernd
  • Seit Ende des vergangenen Jahres wird in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft
  • Das Land Bremen kommt mit der Immunisierung im Vergleich mit anderen Bundesländern schnell voran
  • Impfungen mit dem Impfstoff von Astra-Zeneca sind in Deutschland nach zwischenzeitlichem Impf-Stopp wieder angelaufen
  • Hier finden Sie die wichtigsten Infos über die Corona-Impfung

Die Impfungen gegen das Coronavirus sind bundesweit angelaufen. Eine 101 Jahre alte Seniorin aus Berlin bekam am 27. Dezember 2020 als erste Deutsche eine Impfung. Die beispiellose Impfkampagne startete kurz vor dem Jahreswechsel bundesweit.

Zuerst sollen Menschen über 80 Jahre sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal immunisiert werden. Dazu werden vor allem mobile Impfteams unterwegs sein. Die bundesweit mehr als 400 Impfzentren werden seit Ende 2020 nach und nach in Betrieb genommen.

Drei Impfzentren sind im Land Bremen in Betrieb: je eins in Bremen-Stadt, Bremen-Nord und Bremerhaven. Das Impfzentrum an der Bürgerweide soll täglich mehr als 10.000 Dosen verimpfen können.

Kurzzeitig wurde die Impfkampagne durch einen Impf-Stopp für das Vakzin von Astra-Zeneca ausgebremst. Das Paul-Ehrlich-Institut hatte den Schritt für Deutschland empfohlen, nachdem auch in anderen Staaten ähnliche Verfügungen verhängt worden waren. Zuvor waren bei vereinzelten Geimpften Thrombosen (Blutgerinnseln) in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung registriert worden.

Am 18. März hob die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) den Impf-Stopp auf. Die EMA erneuerte darin ihre Haltung, dass der Nutzen des Impfstoffs die Risiken übersteigt. Seit 19. März darf in Deutschland das Vakzin von Astra-Zeneca wieder verimpft werden.

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Corona-Impfung: Merkel will jedem Deutschen vor dem Herbst ein Impfangebot machen

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte das Ziel, allen Bürgern bis zum Ende des Sommers am 21. September ein Impfangebot zu machen. Laut Bundesgesundheitsministerium wird im Laufe des Jahres immer mehr Impfstoff zur Verfügung stehen. Nach 18,3 Millionen Dosen im ersten Quartal könnten laut aktueller Schätzung im zweiten Quartal 77,1 Millionen und im dritten Quartal 126,6 Millionen Dosen verschiedener Hersteller folgen. Im vierten Quartal könnten es 100,2 Millionen Dosen sein.

Die Schätzung bezieht sich auf Verträge und geplante Vereinbarungen sowie voraussichtliche Zulassungstermine einiger Impfstoffe. Das Ministerium betonte, dass die Prognosen immer mit Unsicherheiten behaftet und Änderungen nicht ungewöhnlich seien.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen und um die Corona-Impfungen:

Wo wird der Corona-Impfstoff injiziert?

Gespritzt wird jeweils in den Oberarm-Muskel. Der Wirkstoff könne für einige Stunden im Muskel bleiben und der Körper habe so Zeit, ihn zu erkennen und darauf zu reagieren, erklärt der Rostocker Virologe Andreas Podbielski.

Wie oft wird geimpft?

Alle drei in Deutschland zugelassenen Impfstoffe erfordern zwei Wirkstoffgaben. Beim Vakzin von Biontech/Pfizer bekommt der Patient im Abstand von etwa drei Wochen jeweils eine Dosis, beim Produkt von Moderna sind es rund vier, bei Astra-Zeneca mindestens vier Wochen.

Bei beiden Impfungen sollte stets dasselbe Präparat zum Einsatz kommen: „Eine begonnene Impfserie muss mit dem gleichen Impfstoff abgeschlossen werden, auch wenn zwischenzeitlich weitere Impfstoffe zugelassen worden sind“, heißt es beim Robert Koch-Institut (RKI). Bei einem Wechsel des Präparats könne die volle Wirksamkeit derzeit nicht gewährleistet werden, teilte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit. Es gebe noch keine entsprechenden Untersuchungen.

Welche Nebenwirkungen gibt es bei Corona-Impfungen?

Dem RKI zufolge waren Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Schüttelfrost die nach den bisherigen Impfungen am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen. Im Allgemeinen waren diese aber schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit wieder ab. Berichte über schwere unerwünschte Folgen gibt es bei allen drei Vakzinen bisher nicht.

Die Ständige Impfkommission beim RKI empfiehlt die Impfung auch für Menschen mit Immunschwäche - also zum Beispiel bei HIV-Infektionen, Krebserkrankungen oder nach Organtransplantationen. „Wenngleich Personen mit geschwächtem Immunsystem möglicherweise nicht so gut auf den Impfstoff ansprechen, bestehen keine besonderen Sicherheitsbedenken“, heißt es auch bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA. „Immungeschwächte Personen können trotzdem geimpft werden, da bei ihnen möglicherweise ein höheres Risiko durch Covid-19 besteht.“

Schützen die Impfstoffe auch vor Mutationen des Coronavirus Sars-CoV-2?

Das ist noch nicht abschließend geklärt, allerdings sind die Hersteller Moderna und Biontech/Pfizer zuversichtlich. Erste Tests deuten darauf hin, dass ihre Impfstoffe auch vor den beiden zunächst in Großbritannien und Südafrika nachgewiesenen Mutanten schützen. Allerdings stellten die Unternehmen auch fest, dass Geimpfte gegen die Variante aus Südafrika offenbar eine schwächere Immunantwort aufbauen.

Die Hersteller beobachten die Entwicklung sehr genau. Man könne den Impfstoff gegebenenfalls anpassen, teilten Pfizer und Biontech mit. Moderna will unter anderem die Wirkung einer zusätzlichen Auffrischungsdosis testen.


Diese Corona-Impfstoffe sind bereits im Einsatz

Biontech/Pfizer: Das Präparat der Mainzer Firma Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer war der erste in der EU zugelassene Corona-Impfstoff. Am 21. Dezember 2020 gab die EU-Kommission grünes Licht. In den Tests bis zur Zulassung zeigte der Impfstoff eine extrem hohe Wirksamkeit von 95 Prozent. Das bedeutet, dass unter den Probanden der geimpften Gruppe 95 Prozent weniger Erkrankungen auftraten als unter denen der Kontrollgruppe.

Dieser Impfstoff steht dem Land Bremen seit dem 27. Dezember zur Verfügung. Mit dem Mittel werden in Bremen bislang vorwiegend Pflegeheimbewohner, Pflegekräfte und über 80-Jährige geimpft.

Deutschland hat sich rund 94 Millionen Dosen des Impfstoffs gesichert. Der Hersteller teilte mit, er könne im zweiten Quartal möglicherweise bis zu 75 Millionen zusätzliche Dosen seines Vakzins an die Europäische Union ausliefern. Zudem arbeite man der Erhöhung der Lieferungen ab der Woche vom 15. Februar, um die vertraglich festgelegte volle Liefermenge an Impfstoffdosen im ersten Quartal sicherzustellen, hieß es.

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Das Präparat ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff. „m“ steht für messenger (Bote), „RNA“ für Ribonucleic acid (Deutsch: Ribonukleinsäure). Die mRNA ist die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers und gelangt mit Hilfe winziger Fetttröpfchen in die Körperzellen. Diese stellen dann das Virusprotein her, gegen das der Körper seine Immunantwort entwickelt.

Der Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden, vor der Verwendung muss er aufgetaut werden. In speziell entwickelten Versandboxen kann das Präparat bei diesen Temperaturen bis zu 15 Tage transportiert werden. Im Kühlschrank ist eine Lagerung bis zu fünf Tage möglich. Wie aus aktualisierten Handlungsempfehlungen von Biontech hervorgeht, kann der Impfstoff auch schon als fertige Dosis in der Spritze bis zu sechs Stunden bei 2 bis 8 Grad transportiert werden. Das hätten neue Daten zur Stabilität des Impfstoffes ergeben.


Moderna: Als zweites in der EU zugelassenes Mittel folgte am 6. Januar das Vakzin des US-Herstellers, ebenfalls ein mRNA-Impfstoff. 50 Millionen Dosen hat Deutschland bisher bestellt, mit 94 Prozent hat das Mittel von Moderna eine ähnlich hohe Wirksamkeit wie das von Biontech.

Kleiner Vorteil gegenüber dem Impfstoff von Biontech/Pfizer: Die Lagerung kann bei minus 20 Grad Celsius erfolgen. Der Moderna-Impfstoff ist 30 Tage bei Kühlschranktemperatur und zwölf Stunden bei Raumtemperatur stabil.

Seit dem 12. Januar wird mit dem Impfstoff auch im Land Bremen geimpft. Er wird bislang medizinischem Personal und anderen Beschäftigten in Kliniken verabreicht.

Astra-Zeneca: Mit 70 Prozent Wirksamkeit etwas weniger zuverlässig ist der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers, der Ende Januar in der EU zugelassen wurde. Er gilt als preiswert und besonders geeignet für Massenimpfungen, weil er nicht so stark gekühlt werden muss wie etwa das Biontech-Vakzin.

Unklarheit herrschte zu Beginn der Impfungen mit Astra-Zeneca darüber, wie wirksam der Impfstoff bei älteren Menschen ist. Die am Robert Koch-Institut angesiedelte Ständige Impfkommission hatte den Astra-Zeneca-Impfstoff in Deutschland zunächst nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen. Zur Beurteilung der Impfeffektivität ab 65 Jahren lägen bisher keine ausreichenden Daten vor, hieß es.

Das Land Bremen verfügt seit Anfang Februar über einige Tausend Dosen des Impfstoffs, er kam vor allem für Impfungen von unter 65-Jährigen zum Einsatz. In Bremen wurden knapp 19.000 Dosen von Astra-Zeneca verimpft, ehe in Deutschland der Impf-Stopp für das Vakzin verhängt wurde.

Astra-Zeneca hatte nach einer Analyse von Impfdaten erneut Sorgen über die Sicherheit seines Corona-Impfstoffes zurückgewiesen. Eine sorgfältige Analyse der Sicherheitsdaten von mehr als 17 Millionen Geimpften in der EU und Großbritannien habe keine Belege für ein höheres Risiko für Lungenembolien, tiefen Venenthrombosen und Thrombozytopenie geliefert

Astra-Zenecas Produkt mit dem Wirkstoff AZD1222 ist kein mRNA-Impfstoff, sondern beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen. Es enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Auch hier bilden die Zellen mit Hilfe der Bauanleitung das Protein und der Körper entwickelt eine Immunantwort dagegen.


Diese Corona-Impfstoffe werden noch getestet

Curevac: Das Tübinger Biotech-Unternehmen forscht an einem Mittel, für das im Dezember die zulassungsrelevante klinische Phase-III-Studie begann. Mit Ergebnissen rechnet Curevac bis Ende März. Die Bundesregierung hat bis zu 73 Millionen Dosen des Vakzins bestellt.

Curevac kooperiert mit dem Pharmakonzern Bayer, der zunächst nur bei Zulassungsarbeiten und anderen Dienstleistungen helfen sollte, nun aber auch die Produktion des Curevac-Impfstoffes plant.

Johnson&Johnson: Der US-Hersteller startete die entscheidende Phase der klinischen Tests bereits im September 2020. Die Besonderheit des Mittels ist, dass nur eine Dosis ausreichend Schutz bieten soll. Deutschland soll 37,25 Millionen Dosen erhalten. In den USA wurde die Notfallzulassung bereits erteilt, in der EU wird diese Mitte März erwartet.

Einer Studie zufolge bietet das Vakzin vier Wochen nach der Verabreichung einen 66-prozentigen Schutz vor mittleren und schweren Krankheitsverläufen und einen 85-prozentigen Schutz gegen schwerere Erkrankungen. Auch soll es mit hoher Wirksamkeit vor schweren Krankheitsverläufen nach Infektionen mit den Corona-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika schützen.

Das Johnson-&-Johnson-Präparat muss nicht tiefgefroren gelagert werden. Nach Unternehmensangaben ist der Impfstoff mindestens drei Monate lang bei Temperaturen zwischen zwei und acht Grad haltbar. Bei dem Vakzin handelt es sich wie bei Astra-Zeneca um einen Vektorimpfstoff.

Sanofi/GSK: Schon im September 2020 hatte die EU-Kommission einen Vertrag mit den Pharmakonzernen aus Frankreich und Großbritannien geschlossen. Doch bei der Entwicklung des Impfstoffs gab es Rückschläge. Die Hersteller erwarten nun eine frühestmögliche Verfügbarkeit im vierten Quartal 2021. Sollte das Mittel zugelassen werden, könnten die EU-Staaten bis zu 300 Millionen Dosen aufkaufen.

Valneva: Mitte Januar schloss die EU-Kommission Sondierungsgespräche mit dem französischen Biotech-Unternehmen ab. Der geplante Vertrag sieht den Kauf von bis zu 60 Millionen Dosen vor. Nach Angaben der EU-Kommission entwickelt Valneva einen «klassischen» Impfstoff mit inaktivierten Viren.

Novavax: Mit einer Wirksamkeit von 90 Prozent macht zudem der Impfstoff-Kandidat dieses US-Herstellers Hoffnung. Der US-Pharmakonzern Baxter kündigte Mitte Januar an, das noch nicht zugelassene Vakzin von Novavax solle unter anderem in der Baxter-Niederlassung in Halle (NRW) hergestellt werden. Auch Biontech und Pfizer wollen ihren Impfstoff künftig in Halle produzieren.

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