Der "Fifa"-Konkurrent für PS4 im Test „eFootball PES 2020“: Die perfekte Fußball-Simulation?

„Fifa“ gegen „Pro Evolution Soccer“: Es ist das ewige Duell bei den Fußball-Simulationen. Wie gut ist der neuste Ableger von Konami? Wir haben „eFootball PES 2020“ für die Playstation 4 getestet.
17.09.2019, 02:00
Lesedauer: 7 Min
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„eFootball PES 2020“: Die perfekte Fußball-Simulation?
Von Marlo Mintel

Paukenschlag in der Eredivisie: Der niederländische Rekordmeister Ajax Amsterdam hat Lothar Matthäus als neuen Cheftrainer verpflichtet. Auf einer Pressekonferenz stellt sich der 58-Jährige der Presse vor. „Ich kann gar nicht in Worte fassen, was es mir bedeutet, einen solchen Weltklasseverein trainieren zu können“, sagt Matthäus. „Was den Fußball betrifft, ist dies zweifellos der größte Moment meines Lebens.“ Spektakulären Fußball wolle er mit seiner Mannschaft spielen. Darauf dürfen sich die Ajax-Fans künftig freuen - zumindest in der virtuellen Welt, im Meister-Liga-Modus von „eFootball PES 2020“.

Mit seinem neuesten Ableger möchte Entwickler Konami Konkurrent „Fifa“ erneut den Kampf ansagen. Seit Jahren streiten sich beide um die Vorherrschaft bei den Fußball-Simulationen. Während „Fifa“ offiziell am 27. September erscheint, ist der Kontrahent bereits für PC, PS4 und Xbox One auf dem Markt.

Mit dem Namen „eFootball PES 2020“ will der japanische Publisher wohl den engen Bezug zur eSport-Szene demonstrieren. Um dies zu untermauern, haben die Macher dem Spiel mit „Match Day“ einen neuen Teamspieler-Modus verpasst. Worum geht’s? Der Modus soll den Derby-Charakter stärker hervorheben. So steht wöchentlich eine besondere Partie, wie AC gegen Inter Mailand, im Mittelpunkt. Nun liegt es am Spieler, für welche Seite er sich entscheidet. Danach tritt er online mit dieser Mannschaft in Gruppenpartien gegen andere Spieler an, um Punkte für sein Lager zu sammeln. Am Ende jeder Partie werden die Punkte zusammengezählt, die auf das Teamkonto wandern. Abschließend wird der jeweils beste Spieler beider Teams ausgewählt, um im großen Finale anzutreten, das jede Woche per Livestream innerhalb von „eFootball PES 2020“ übertragen wird.

Aber nicht nur als Onlinespiel will Konami mit seiner Simulation punkten. Für eingefleischte Offline-PES-Fans steht etwa der beliebte, eingangs erwähnte Meister-Liga-Modus parat, den das japanische Entwicklerteam eigenen Angaben zufolge „neu überarbeitet“ hat. In dem beliebten Modus, der sich optisch in einem ansprechenden Glanz präsentiert, sind wir Cheftrainer und Manager eines Vereins in Personalunion. Zu Beginn erstellen wir einen Traineravatar. Zur Auswahl stehen auch Ikonen wie Bebeto, Roberto Carlos, Diego Maradona, Johan Cruyff oder eben Lothar Matthäus.

Im Verlauf unserer Meister-Liga-Saison ist Matthäus in mehreren Zwischensequenzen wie zu Beginn unserer Tätigkeit bei Ajax Amsterdam zu sehen, wenn Stars wie Donny van de Beek und Hakim Ziyech uns freundlich auf der Geschäftsstelle begrüßen. Wie es sich für einen Verantwortlichen gehört, dürfen wir auch Entscheidungen treffen. So beantworten wir beispielsweise auf Pressekonferenzen vor wichtigen Partien Fragen von Journalisten oder legen Saisonziele des Vereins fest. Die allesamt unvertonten Sequenzen versetzen aber nicht in Euphorie.

Es geht auf den Platz

Ganz anders sieht es beim Gameplay aus. Direkte Steuerung, realistische Ballphysik: Auf dem grünen Rasen überzeugt „PES“ in gewohnter Stärke. Auffällig ist das im Vergleich zum Vorgänger gedrosselte Spieltempo. Ein geordneter Spielaufbau ist wichtiger denn je in Konamis Fußball-Simulation. Es bieten sich zum Beispiel schnelle Seitenverlagerungen an, um Räume zu schaffen und auf den entscheidenden Pass in die Schnittstelle zu warten. Apropos passen: Wird der Ball zu scharf Richtung Angreifer gespielt, kann der Stürmer den Ball nicht verarbeiten. Nicht empfehlenswert sind auch Pässe aus der Drehung, die realistischerweise nur selten den Mitspieler finden.

Die größte Neuerung in der Offensive stellt das sogenannte „Finesse Dribble“ dar. Es ermöglicht, sich mit dem rechten Stick auf engem Raum präzise zu bewegen und durch die gegnerische Verteidigung zu schlängeln. Entwickelt haben es die Macher mit Andrés Iniesta, dem ehemaligen Mittelfeldstar des FC Barcelona.

Klasse Stadien, wenig Stimmung

Nicht nur das Gameplay ist auf Top-Niveau. Auch die Stadien hinterlassen zu jeder Tag- und Nachtzeit einen tadellosen Eindruck – dank toller Wetter- und Belichtungseffekte. Allerdings lässt die Stimmung in den Arenen zu wünschen übrig. Bei Choreos und Fangesängen halten sich die Zuschauer vornehmlich zurück – leider ein bekanntes Problem der PES-Reihe. Ein kleiner Makel sind die immer voll besetzten Zuschauertribünen. Wenn Spiele wie Trabzonspor gegen Rizespor oder Benfica Lissabon gegen Rio Ave FC andauernd ausverkauft sind, hat dies eher weniger mit der Realität zu tun. Es liegt schon lange zurück, dass der Spieler bei "PES" mit Sternen einstellen konnte, wie groß die Zuschauerresonanz in den Stadien ist. Diese Möglichkeit wünschen wir uns zurück.

Auch im neuesten „PES“-Teil wird Konami ein weiteres, aber viel erheblicheres Manko nicht los: die Lizenzen. Für viele Fußballfans sind sie seit Jahren ein Grund, „Fifa“ zu kaufen. Das Spiel von EA Sports enthält ein umfangreiches Lizenzpaket der wichtigsten Spielklassen – dazu gehören zum Beispiel die Bundesliga oder die Premier League. Kontrahent „PES“ muss sich dagegen auch in diesem Jahr mit einer begrenzten Auswahl begnügen.

Aufwendige 3D-Ganzkörper-Scans

Zunehmend gelingt es Konami aber, einzelne Ausrufezeichen zu setzen. So ist es den Japanern im Sommer gelungen, etwa mit Bayern München einen prominenten Partner an Land zu ziehen. Zuvor hatte der deutsche Rekordmeister drei Jahre mit EA Sports kooperiert. Durch die exklusive Zusammenarbeit mit den Münchenern ist zum Beispiel die Allianz-Arena, das Stadion des deutschen Rekordmeisters, ausschließlich in „eFootball PES 2020“ zu finden. Zudem werden Bayern-Stars wie Robert Lewandowski oder Manuel Neuer durch aufwendige 3D-Ganzkörper-Scans im Spiel zum Leben erweckt. Besonders die Gesichter sehen täuschend echt aus und hinterlassen einen hervorragenden Eindruck.

Neben den Bayern haben sich weitere internationale Topvereine wie Manchester United oder Juventus Turin „PES“ angeschlossen. Besonders über die Partnerschaft mit dem italienischen Meister, dem Superstar Cristiano Ronaldo angehört, dürfte sich EA Sports ärgern. Der Portugiese und seine Teamkameraden tragen in „Fifa 20“ nicht mehr das Trikot von Juventus Turin, sondern das von „Piemonte Calcio“. Diesen Fantasienamen hat der italienische Rekordmeister im Spiel von EA Sports. Die Rechte am Klubnamen, Logo, offiziellen Trikot und Stadion von Juventus Turin gehören Konami.

Wer sich für südamerikanischen Fußball interessiert, kommt auch in diesem Jahr bei „PES“ wieder voll auf seine Kosten. Neben den Exklusiv-Partnerschaften mit Teams wie den Boca Juniors oder River Plate geht erstmals die erste und zweite brasilianische Liga voll lizensiert in „eFootball PES 2020“ an den Start.

Außerdem gibt es auch alle relevanten Nationalmannschaften wie das deutsche Team oder die französische Auswahl. Konami hat sich sogar die Rechte für die Uefa Euro 2020 gesichert, die im kommenden Jahr am 12. Juni startet. Das Update soll im zweiten Quartal 2020 auf allen Plattformen kostenlos zur Verfügung stehen. Darin werden mehr als 50 Nationalteams mit echten Trikots, Spielern und Wappen enthalten sein.

Weniger überzeugend in „eFootball PES 2020“ sind die Schiedsrichterleistungen. Die Unparteiischen pfeifen auffallend kleinlich, was sich nicht förderlich auf den Spielfluss auswirkt und eine Menge ärgerlicher Freistöße und Elfmeter verursacht.

Auf den Videobeweis, der abseits des virtuellen Fußballs Woche für Woche die Gemüter erhitzt, können die Schiedsrichter nicht zurückgreifen. Vom technischen Hilfsmittel müssen „PES“-Fans also weiter träumen wie auch vom vierten Offiziellen oder von Einwechselspielern, die sich sichtbar am Spielfeldrand warm machen.

Fazit

Auch mit „eFootball PES 2020“ ist Konami eine sehr gelungene Fußball-Simulation geglückt. Wie es sich für die Reihe gehört, liegen die Stärken eindeutig auf dem Platz. Hier wird es "Fifa" wieder schwerfallen, mit dem brillanten Gameplay des Kontrahenten überhaupt mithalten zu können. Das gedrosselte Tempo macht "PES" taktischer und noch realistischer im Vergleich zum Vorgänger. Das wird nicht jedem gefallen. Für den nächsten Ableger der Serie wäre etwas mehr Dynamik und Tempo wünschenswert. Die perfekte Fußball-Simulation ist „eFootball PES 2020“ aber nicht. Auch wenn etwa der Meister-Liga sichtlich optisch aufgewertet wurde, fühlt sich der überwiegende Rest zu sehr wie immer an. Der neue Modus "Match Day" ist auch nicht sehr innovativ. Die vorhandenen Lizenzen setzt Konami bestens um. Besonders die Spieler der Exklusivpartner von Bayern München und Co. sehen dank aufwendiger 3D-Ganzkörper-Scans erstklassig aus.

Bewertung:

Story: 5/7

Grafik: 6/7

Ton: 4/7

Steuerung: 7/7

„eFootball PES 2020“ ist verfügbar für PC, PS4 und Xbox One.

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