Mein Bremen: Jahre des Wiederaufbaus

Ein Prosit auf die guten Zeiten

Bremen nach dem Krieg: Der 5. Band des Magazins „Mein Bremen“ gibt viele Einblicke in die Jahre des Wiederaufbaus in Bremen zwischen 1945 und 1967.
24.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Ein Prosit auf die guten Zeiten
Von Gesa Below
Ein Prosit auf die guten Zeiten

Das perlt! Die Bier trinkenden Damen haben es sich auf der Parzelle in Findorff gemütlich gemacht – den Grund der Feier kennen wir aber nicht.

Kulturhaus Walle Brodelpott, Bildarchiv

Was für einen Anlass die fünf fidelen Damen auf ihrer Parzelle auf dem Weidedamm haben, ist leider nicht bekannt, aber weil die Mutter und ihre drei Töchter (rechts von ihr) sowie eine Nachbarin mit Haake-Beck-Bier anstoßen, kann man von einem Grund zum Feiern ausgehen. Das Foto stammt aus den 1950er-Jahren, und es zeigt auf das Schönste, dass es mit der Stimmung in der Nachkriegszeit wieder bergauf ging. Es wurde improvisiert, so wie für die Passbildaufnahme vor einem aufgespannten Bettlaken oder beim Sonnenbad auf dem Rasen in den Wallanlagen. Es naht ein Ordnungshüter mit strengem Blick – ob er sie ermahnen wird? 1953 war es eigentlich noch verboten, abseits der Wege die Grünflächen zu betreten. . .

Ein Bettlaken als Hintergrund für das neue Passbild!

Ein Bettlaken als Hintergrund für das neue Passbild!

Foto: Walter Hanert

Der Schönheit und dem Zeitvertreib wurde wieder Raum gegeben. Auf dem Neuenlander Feld waren Flugtage mit Fesselballon-Fahrten ein Publikumsmagnet, und auf der Hundeschau in der Pauliner Marsch zeigten die Züchter ihre edlen und teuren Vierbeiner. An die zurückliegenden schlechten Zeiten wollte man möglichst nicht mehr denken auf solchen Veranstaltungen.

Hundeausstellung in der Pauliner Marsch.

Hundeausstellung in der Pauliner Marsch.

Foto: Georg Schmidt

Aufbruch allerorten und gute Laune – das ist auf vielen der von Ihnen, den Leserinnen und Lesern des WESER-KURIER, eingesandten Fotos zu sehen: 184 sind es in diesem Magazin; ausgesucht aus einer Vielzahl von Bildern, die wir nach dem Aufruf in der Zeitung erhalten haben. Wie schon im ersten Heft aus dem Zeitraum 1945 bis 1967 haben wir die Bilddokumente wieder in Kapitel zusammengefasst – fünf sind es geworden. Um Zerstörung und Wiederaufbau, Kindheit und Jugend, Leben in der Stadt, Frauen im Wandel und Verkehr und Mobilität geht es darin, und da viele der Fotos von Privatleuten aufgenommen worden sind, ist der Schnappschuss-Charakter oft unübersehbar.

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Ohne Kaffee lässt es sich nur halb so gut plauschen.

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Foto: Jochen Stoss

Die Rolle der Frau im Wandel

Manche der Bilder sind aber auch – obwohl von einem Hobbyfotografen aufgenommen, sehr professionell: Walter Hanert hat in den 1960er-Jahren vor allem im Schnoor seine Studien mit der Kamera festgehalten; auf dem Foto oben links kann man ihm sogar dabei zusehen. Entstanden ist auch dieses Bild im Schnoor, und sinnbildlich könnte es für den Wechsel der Lebensbedingungen stehen, die sich besonders für Frauen verändert hatten. Im Hintergrund die Vergangenheit, davor eine selbstbewusste Schnoor-Bewohnerin, die sich für das Passfoto fein gemacht hat: Das ist nicht mehr nur das sogenannte Mütterchen am Herd. Wenn auch Haushalt und Kindererziehung weiterhin eine Domäne der Frauen waren, so gab es doch immer mehr Berufstätige, in den 1950er-Jahren vor allem in Fabriken und Großunternehmen. Dort war der Arbeitsalltag genau durchgetaktet. Mehr Freiraum als die Büroangestellten hatten zweifelsfrei die Marktfrauen, die sich zwischendurch in ruhigen Minuten einen Becher Kaffee gönnen konnten.

Auf geht's zur Himmelfahrt am Himmelfahrtstag 1952.

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Foto: Georg Schmidt

Info

Zur Sache

Mein Bremen

Der 5. Band unserer Magazinreihe „Mein Bremen“ zeigt den Aufbruch und Stolz der bremischen Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 bis 1967. Der zweite Teil dieses Zeitraums lebt erneut von Fotos aus den Privatbeständen der Leserinnen und Leser des WESER-KURIER, die Einblicke in die spannendes Zeit des Wiederaufbaus geben. Eine wichtiges Thema ist die Rolle der Frau, die sich besonders verändert hat, was schon die selbstbewusste junge Frau auf dem Titelblatt symbolisiert. Erhältlich im Buch­­­­­­handel, auf www.weser-­kurier.de/shop und telefonisch unter 0421 / 36 71 66 16. 116 Seiten, 9,80 Euro.

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