Sofortmaßnahmen Leben retten: So geht Erste Hilfe im Notfall

Wie leiste ich richtig Erste Hilfe? Oft entscheiden nur Minuten über das Leben einer verletzten Person. Wie Herz-Rhytmus-Massage und stabile Seitenlage funktionieren, zeigen wir in einem Überblick:
20.10.2021, 15:25
Lesedauer: 4 Min
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Leben retten: So geht Erste Hilfe im Notfall
Von Desiree Bertram
Inhaltsverzeichnis

Ein Sturz, Autounfall oder plötzliche Ohnmacht – täglich geraten Menschen in medizinische Notsituationen. Besteht Lebensgefahr, können nur Minuten entscheiden. Umso wichtiger, die kritische Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit Erste-Hilfe-Maßnahmen zu überbrücken.

Sofortmaßnahmen

Wenn ein Notfall eintritt, muss der Verletzte schnell versorgt werden. Dabei sind laut Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) folgende Sofortmaßnahmen zu leisten:

  • Auf Sicherheit achten und die Unfallstelle gegebenenfalls absichern
  • Das Umfeld durch Hilfe-Rufen alarmieren, sich einen Überblick verschaffen und gefährdete Personen aus dem Gefahrenbereich bringen
  • Der Rettungsdienst muss telefonisch unter der Notrufnummer 112 alarmiert werden: Wo ist der Notfallort? Was ist geschehen? Wie viele Verletzte oder Erkrankte? Welche Art von Verletzung oder Erkrankung? Warten auf Rückfragen!

Die 112 darf wirklich nur im Notfall angerufen werden. Für Beschwerden, die die hausärztlichen Versorgung betreffen, gibt es den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Dieser ist unter der gebührenfreien Rufnummer 116117 erreichbar.

Was ist zu tun, wenn der Verletzte ansprechbar ist?

Helfer sollten vorsichtig sein und sich vergewissern, dass sie und Betroffene nicht gefährdet sind – je nach Notfallort etwa durch weiterfahrenden Verkehr oder durch Elektrizität, Gas oder andere Gefahrstoffe. Sofortige Hilfe ist notwendig, wenn lebenswichtige Funktionen wie Bewusstsein, Atmung oder Kreislauf gestört sind.

Der ASB rät, die Reaktionen des Verletzten zu beobachten: "Unmittelbar nach dem Ereignis wissen Betroffene meistens noch, wo die Schmerzen ihren Ursprung hatten. Dies kann für die nachfolgende ärztliche Versorgung hilfreich sein." Wenn keine Gefahr droht, sollte der Helfer die verletzte Person in der Lage, in der sie vorgefunden wurde, lassen und den Zustand des Verletzten regelmäßig überprüften.

Was ist zu tun ist, wenn der Verletzte nicht ansprechbar ist?

Findet der Ersthelfer einen regungslosen Menschen oder beobachtet, wie jemand unerwartet zusammenbricht, muss der Bewusstlose laut angesprochen werden: "Ist alles in Ordnung?" Dabei kann die Person auch leicht an den Schultern geschüttelt werden. Zudem sollten Menschen in der Nähe darauf aufmerksam gemacht werden, dass Hilfe gebraucht wird. Falls der Betroffene nicht schon so vorgefunden wird, sollte er auf festem Untergrund auf den Rücken gedreht oder gelegt werden. "Vermeiden Sie ansonsten unnötige Bewegungen. Verlassen Sie den Betroffenen zu diesem Zeitpunkt nicht", lautet die Anweisung vom ASB.

Die Atmung und Atemwege müssen geprüft werden, damit der Bewusstlose nicht an seiner Zunge oder an Erbrochenem erstickt. Dabei sollten eine Hand auf die Stirn und die Finger der anderen Hand unter das Kinn des Betroffenen gelegt werden. "Neigen Sie den Kopf des Bewusstlosen nach hinten, bei gleichzeitigem Anheben des Kinns. Prüfen Sie die Atmung, indem Sie sich tief herunterbeugen – mit Ihrem Ohr nahe über Mund und Nase des Betroffenen und dem Blick zum Brustkorb –, während Sie die Atemwege weiter freihalten", erklärt der ASB.

Stabile Seitenlage

Atmet der Betroffene normal, müssen die Atemwege durch die stabile Seitenlage freigehalten werden. Dabei sollte der Kopf nach hinten geneigt sein – ohne Druck auf den Brustkorb. Die Beine des auf dem Rücken liegenden Verletzten sollten gestreckt sein. Ein Arm wird im rechten Winkel nach oben gelegt, auch die Handinnenfläche soll dabei nach oben zeigen.

Der Helfer greift die Hand des anderen Armes des Betroffenen und kreuzt diesen über seine Brust, der Handrücken des Betroffenen liegt dabei an seiner Wange. Danach wird ein Bein aufgestellt, der Fuß bleibt auf dem Boden. Anschließend wird der Betroffene am Bein zum Helfer gezogen. Der Kopf des Liegenden muss nach hinten gestreckt werden, damit die Atemwege frei bleiben. Zudem muss der Verletzte vor Wärmeverlust geschützt werden. Bis die Rettungskräfte eintreffen, müssen regelmäßig die Atmung und das Bewusstsein kontrolliert werden.

Herzdruckmassage

Bei der Herzdruckmassage muss der Handballen einer Hand auf die Mitte der Brust des Betroffenen liegen. Wichtig ist, dass störende Kleidung entfernt wird. Der Ballen der anderen Hand wird auf die erste Hand gelegt. Mit gestreckten Armen wird dann das Brustbein senkrecht nach unten gedrückt – ohne Druck auf die Rippen auszuüben. Die Herzdruckmassage wird 30 Mal mit einer Frequenz von 100 pro Minute. Lautes Mitzählen kann dabei helfen, das Tempo zu halten: Druck und Entlastung sollten jeweils gleich lang andauern, informiert der ASB.

Beatmung

Nach 30 Herzdruckmassagen wird der Betroffene zweimal durch Mund oder Nase beatmet. Bei der Mund-zu-Mund-Beatmung wird mit Daumen und Zeigefinger der weiche Teil der Nase verschlossen. Mit der anderen Hand muss das Kinn so gedrückt werden, dass sich der Mund öffnet. "Atmen Sie normal ein und legen Sie Ihre Lippen dicht um den Mund des Betroffenen. Beatmen Sie eine Sekunde lang gleichmäßig in den Mund des Betroffenen", beschreibt der ASB. Ob die Beatmung effektiv ist, sieht der Helfer daran, ob sich der Brustkorb hebt und senkt.

Bei der Mund-zu-Nase-Beatmung muss Mund des Betroffenen geschlossen gehalten werden. Dafür wird das Kinn vorsichtig so gedrückt, dass Unterlippe an Oberlippe liegt.
Beim Beatmen werden die Lippen dicht um die Nase des Betroffenen gelegt. Der Helfer muss gleichmäßig Luft in die Nase des Verletzten pusten.

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