Heinrich Ständer übernahm 1902 die Schenke in Bahnhofsnähe / Leerstand führte Ende der Achtzigerjahre zum Abriss Gasthof gab Blumenthaler Ortseingang den Namen

Worauf beziehen sich eigentlich alte Blumenthaler, wenn sie als Ortsangabe den Ausdruck „bei Ständer“ verwenden? Ein Blick in die Historie klärt den Begriff. Es geht um ein längst abgerissenes Gasthaus.
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Von Ulf Fiedler

Worauf beziehen sich eigentlich alte Blumenthaler, wenn sie als Ortsangabe den Ausdruck „bei Ständer“ verwenden? Ein Blick in die Historie klärt den Begriff. Es geht um ein längst abgerissenes Gasthaus.

In der Blumenthaler Ortspolitik wird seit Jahren über bauliche Veränderungen des Ortseingangs diskutiert. Aktuell ist geplant, Buslinien und Wartesteige in Richtung Bahnhof zu verlagern. Fußgänger könnten dann zwischen Bus und Bahn wechseln, ohne die Landrat-Christians-Straße überqueren zu müssen. Das Bild des Ortseingangs würde sich dadurch erheblich verändern.

Jahrzehntelang wurde der Begriff „Ständer“ für diesen Bereich benutzt. Er führt zurück auf den schmucken Gasthof von Heinrich Ständer, der mit seiner hellen Fassade und dem Fachwerk die Ansicht dominierte.

Seit 1568 stand hier ein Krughaus. Mit dem Krug war später auch die Posthalterei verbunden. Im 19. Jahrhundert fuhr vom Krug eine zweispännige Postkutsche ab. Sechs Personen hatten darin Platz. Die Pferdepost ging über Schwanewede und Meyenburg nach Uthlede. Am Spätnachmittag fuhr die Kutsche in Blumenthal los und kehrte am anderen Tag mit fröhlichem Hornsignal zum Krughaus zurück.

Heinrich Ständer kam aus dem Eichsfeld. Er war gelernter Kellner und arbeitete zunächst in der Bremer Woll-Kämmerei. Daneben bediente er in der Gaststätte Ebberfeld (später „Hotel zur Glocke“) in der Kapitän-Dallmann-Straße. Im Jahr 1900 stellte ihn Lüder Gloistein im „Blumenthaler Krug“ an. Gloistein verkaufte 1902 seinem tüchtigen Kellner die Gastwirtschaft. Die wachsende Kaufkraft durch die Arbeiter und Angestellten der Bremer Woll-Kämmerei förderte die Geschäfte so nachhaltig, dass Ständer1907 den alten Krug abreißen und einen großzügigen Neubau errichten konnte. Bis in die 1980er-Jahre hinein gab der Familienname Ständer diesem Platz seinen Namen.

Die Gründe für die guten Geschäfte waren offensichtlich. In Bahnhofsnähe trafen die Straßen zusammen, die Blumenthal mit Vegesack und in anderer Richtung mit Rönnebeck, Frage und Neuenkirchen verbanden. Durch die heutige Lüssumer Straße waren die damals ländlichen Siedlungen Schwanewede, Meyenburg und Uthlede verbunden. Zugleich führten zwei Verbindungen, die heutigen Straßen Fresenberg und Levekenbarg, in die Ortsmitte. Der Bahnhof der Farge-Vegesacker Eisenbahn unterstrich den Platz Ständer als Verkehrsknotenpunkt.

Der Neubau des Ständer’schen Gasthofes fiel in den Beginn der Amtszeit von Bürgermeister Karl Kürten. Das Gebäude sollte ursprünglich noch weiter in die Straße hineinreichen. So war es auch vom Landrat genehmigt. Kürten dagegen sah, dass bei wachsendem Verkehr dies eine unzumutbare Engstelle geworden wäre. Er setzte sich energisch mit dem Landrat auseinander und erreichte, dass die vordere Baufluchtlinie des Gebäudes um ein Fach, also etwa 1,60 Meter zurückversetzt wurde. Dass dies stolze Gebäude gegen Ende der 1980er-Jahre wegen Leerstands verfiel und abgerissen wurde, erschien damals vielen Einwohnern als schmerzlicher Verlust.

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