Versicherungen für Fahrräder Was nach einem Fahrraddiebstahl hilft

In Bremen wurden 2017 fast 5000 Fahrräder geklaut. Für wen sich eine spezielle Fahrradversicherung lohnt, und wann Hausratversicherungen nicht aufkommen wollen für gestohlene Drahtesel.
19.03.2018, 05:30
Lesedauer: 3 Min
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Was nach einem Fahrraddiebstahl hilft
Von Jonas Mielke

Für viele Menschen ist das Fahrrad mehr als nur ein Transportmittel. Es ist ein Familienerbstück, ein Sportgerät oder ein langjähriger Wegbegleiter. Umso ärgerlicher ist es, wenn das Rad geklaut wird. Im vergangenen Jahr wurden in Bremen von der Polizei 4901 Fahrraddiebstähle erfasst. Das geht aus der polizeilichen Kriminalstatistik hervor. Lediglich 4,2 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt. Wer aber sein Fahrrad gegen einen Diebstahl versichern möchte, sollte dabei jedoch einiges beachten – denn die Angebote sind so vielfältig, wie die Kosten variabel.

Welche Optionen gibt es?

„Es gibt zwei Möglichkeiten, Fahrräder gegen Diebstahl zu versichern“, sagt Floriane Lewer von der Bundesgeschäftsstelle des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). „Über die Hausratversicherung und mit einer speziellen Diebstahlversicherung.“ Man solle sich jedoch gut überlegen, ob überhaupt eine Versicherung notwendig ist. „Wer sein Rad im Haus aufbewahren kann, wo es auch ohne Zusatzprämie als Hausrat versichert ist und es bei Ausflügen nicht aus den Augen lässt, kann das Geld für eine Versicherung besser selbst anlegen“, sagt Lewer.

Für wen lohnt es sich?

„Je teurer das Fahrrad, desto eher lohnt sich eine Versicherung“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BDV). „Gleichzeitig steigen durch eine zusätzliche Absicherung des Fahrrads auch die Prämien.“ Für teure Räder könne sich eine spezielle Fahrradversicherung lohnen, bei der zum Beispiel auch Reparaturkosten oder Leistungen bei einem Unfall übernommen werden. Aber: „Ob der Abschluss einer solchen Versicherung sinnvoll ist, sollte auch bei sehr teuren Fahrrädern stets kritisch überprüft werden“, sagt Boss. „Aus unserer Sicht ist sie nicht in jedem Fall empfehlenswert.“

Wie funktioniert die Zusatzversicherung?

„Der Diebstahl ist nur über die normale Hausratversicherung gedeckt, wenn das Rad aus verschlossenen Abstellräumen, Kellern oder Wohnungen gestohlen wird“, sagt Mathias Zunk, Verbraucherexperte des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Geklaut wird jedoch meistens auf offener Straße.“ Dagegen schütze eine Fahrradzusatzklausel zur Hausratpolice: Dann ersetze der Versicherer das geklaute Rad, auch wenn es in der Öffentlichkeit geklaut wird, bis zu einer vertraglich vereinbarten Summe.

In der Regel werde dafür ein Prozentsatz des gesamten versicherten Haushalts festgelegt. „Ist der Hausrat beispielsweise mit 50 000 Euro versichert und der Fahrraddiebstahl mit einem Prozent davon, so entschädigt der Versicherer den Diebstahl je nach Wiederbeschaffungswert mit bis zu 500 Euro“, sagt Zunk. Von den insgesamt 26 Millionen Hausratversicherungsverträgen haben rund 40 Prozent die Fahrradklausel eingeschlossen, so der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Ein weiterer Vorteil der Hausrat-Zusatzpolice: Alle Fahrräder im Haushalt seien mitversichert.

Worauf muss man achten?

Ist das Rad auch nachts geschützt? Wie ist der Versicherungsschutz im Ausland? "Ältere und auch noch einige neue Fahrradversicherungen bieten nur einen Schutz in der Zeit von 6 bis 22 Uhr", sagt BDV-Sprecherin Boss. "Interessierte sollten ihren Hausratsversicherer auf den 24-Stunden-Schutz ansprechen." Problematisch sei, dass viele Versicherte die Bedingungen ihres Versicherungsschutzes nicht kennen. "Radfahrer sollten im Zweifelsfall ihren Hausratversicherer fragen, wie ihr Bike geschützt ist", rät auch Verbraucher-Experte Zunk.

Wer braucht eine Spezialversicherung?

"Teure und hochwertige Räder sollten über eine eigenständige Fahrradversicherung abgesichert werden", sagt Zunk. "Diese haben in der Regel höhere Versicherungssummen als eine Hausratversicherung." Zudem zahlen die Versicherungen auch bei Vandalismusschäden, Pannen oder Unfällen.

Was kostet das?

Die Kosten einer Spezialversicherung hängen von verschiedenen Faktoren ab: vor allem vom Wohnort, den angebotenen Leistungen und dem Wert des Rads. Teilweise kosten sie mehr als 20 Euro pro Monat. "Das ist individuell sehr unterschiedlich und kann nicht pauschal beantwortet werden," sagt GDV-Experte Zunk. Er rät, sich direkt von einem Versicherer beraten zu lassen.

Wie man sein Fahrrad richtig schützt

Egal ob das Rad versichert ist oder nicht: Ein Diebstahl ist immer ärgerlich. Wer es den Dieben schwerer machen will, findet Präventionstipps beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club im Netz unter www.adfc.de.

Besonders wichtig sei ein gutes Schloss. "Rahmenschlösser oder dünne Spiralkabelschlösser reichen als Diebstahlschutz nicht aus", sagt Floriane Lewer vom ADFC. Empfohlen wird ein hochwertiges Bügel-, Panzerkabel-, Ketten- oder Faltschloss. Ein GPS-Tracker könne nur als Ergänzung zum Schloss helfen. "Dringend gebraucht werden sichere Fahrradparkhäuser und Abstellplätze", sagt Lewer. "Ein Treppengeländer oder ein Bauzaun ist einfach kein sicherer Fahrradparkplatz."

Der ADFC rät, das Rad zu codieren. Eine personenbezogene Codierung am Rahmen erschwere den Wiederverkauf geklauter Fahrräder und könne Diebe abschrecken. Wird das Rad gefunden, kann der Eigentümer zweifelsfrei anhand des Codes identifiziert werden. Fachhändler, die Polizei und der ADFC bieten in vielen Städten Codierungen an.

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