Bauen in Delmenhorst Baugebiet in Delmenhorst geht an den Start

Am Bremer Postweg hat die Vermarktung von 20 Grundstücken für Einfamilienhäuser begonnen. Um richtig loszulegen, muss noch eine Lärmschutzwand errichtet werden. Doch die Baugenehmigung dafür fehlt.
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Baugebiet in Delmenhorst geht an den Start
Von Andreas D. Becker

Thorald Fiefeck und Reinhard Dess sind bereit. Sie warten nur noch auf grünes Licht von der Verwaltung. Wenn die Baugenehmigung vorliegt, wird die Lärmschutzwand aufgebaut, damit die Bewohner der Anne-Frank-Straße und des Georg-Elser-Weges loslegen können, wie die beiden Straßen im Gebiet am Bremer Postweg heißen. „Im Frühjahr 2019 könnten wir in die bauliche Umsetzung gehen“, sagt Fiefeck. Dass es dann nicht lange dauern wird, bis das kleine Neubaugebiet im Osten der Stadt vollgelaufen sein wird, zeigt sich an dem Interesse an den Bauplätzen: „90 Prozent der Grundstücke sind bereits verkauft“, sagt Dess. Direkt nachdem die Schilder standen, riefen die Bauwilligen an.

Mit dem Bebauungsplan „Bremer Postweg“ wird in Delmenhorst eine Planung mit Leben gefüllt, die seit vielen Jahren debattiert wird. Zwölf Jahre, um genau zu sein. Damals hat der Verwaltungsausschuss beschlossen, ein Areal östlich des Bremer Postwegs zu beplanen, 2009 schließlich gab es auch die Aufstellung des Bebauungsplanes für die Fläche von Fiefeck und Dess, die offiziell von der Projektgesellschaft Del-Mare vermarktet wird.

2015 schließlich wurden die beiden Verfahren zu einem Prozess verschmolzen, wobei anno 2018 die Flächen östlich des Bremer Postwegs wieder rausgefallen sind. Es geht aktuell also nur noch um ein Grundstück am Reinersweg, auf dem früher das Freizeitzentrum Delmare stand, und die Flächen dahinter am Bremer Postweg. So kompliziert, wie es klingt, war es auch. Entsprechend viele Jahre hat es gedauert, bis die Planungen voranschritten.

Baugenehmigung muss vorliegen

„Wir haben die Flächen vor zwei Jahren übernommen“, sagt Fiefeck. In Zusammenarbeit mit der Stadt wurde das Baugebiet entwickelt, 20 Grundstücke mit Größen von 500 bis 830 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Dass nur im Bungalow-Stil gebaut werden darf, liegt am Gewerbe rund herum. Um sozusagen gesundes Wohnen zu ermöglichen, darf das Leben in den Häusern nur ebenerdig stattfinden.

Die Häuser dürfen höchstens einen nicht ausgebauten Dachboden als Stauraum haben. Ferner muss das Gelände durch besagte Lärmschutzwand umgeben sein, um die Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes einzuhalten: Die Wand sei auch schon fertig produziert, sagen die beiden Projektentwickler. Aufgestellt werden darf sie aber eben erst, wenn die Baugenehmigung dafür vorliegt. Gleich Ende Juni, nachdem der Rat den Satzungsbeschluss gefällt habe, wurde der Bauantrag eingereicht. Jetzt heißt es warten.

Die Verwaltung teilt auf Nachfrage zu dem Thema mit: „Derzeit befinden sich Verwaltung und Bauherr dazu in technischer Abstimmung.“ Wo der genaue Abstimmungsbedarf liegt, wird aber nicht verraten. Vorgegeben ist im städtebaulichen Vertrag, dass eine rund drei Meter hohe „Lärmschutzanlage“ gebaut werden muss. Was nicht gerade unerheblich ist. Um die Beeinträchtigung für das Wohngebiet so gering wie möglich zu halten, wird die Wand als Holzzaun gestaltet. „Davor werden wir zusätzlich auch begrünen.“ Fiefeck geht davon aus, dass die Wand bis Dezember errichtet werden kann, sodass die Erschließungsarbeiten für das Areal kommendes Jahr beginnen. Danach können die Grundstückskäufer mit ihren Häusern loslegen.

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Sobald die Details für das Wohngebiet abgeklärt sind, wollen Fiefeck und Dess mit der Stadt darüber verhandeln, wie das ehemalige Delmare-Areal neu bebaut werden könnte. Details wollten sie dazu allerdings noch nicht preisgeben. Die Vorgänger der Del-Mare-Projektgesellschaft bei der Beplanung des Areals, das insgesamt rund 3,1 Hektar groß ist, hatten am Reinersweg vor allem mit einer rein gewerblichen Nutzung geliebäugelt, was aber in der Politik in der geplanten Form nie auf Zustimmung stieß. 2009 hatte zuerst der Bassumer Projektierer Wesda Consulting Pläne für das Gelände vorgelegt, unter anderem sollten auf der Fläche am Bremer Postweg 34 neue Häuser entstehen.

Nachdem es mit dem Besitzer des Grundstücks, der Hofer Firma Kreta-Immobilien, wegen ausbleibender Zahlungen zu einem Zerwürfnis mit Wesda kam, legten die Bayern 2010 – nachdem die marode und teils eingestützte ehemalige Eislaufhalle und spätere Sportstätte Delmare abgerissen worden war – selbst ein Konzept vor. Darin waren noch 30 Häuser am Bremer Postweg und ein Gewerbekomplex mit 5800 Quadratmetern Verkaufsfläche am Reinersweg vorgesehen. Doch da spielte die Politik nicht mit, sie wollte einen so großen Komplex mit Blick auf den Schutz der Innenstadt vor übermächtiger Konkurrenz am Stadtrand nicht zulassen. Im Oktober 2010 wurde das Thema wegen Nachbesserungsbedarfs vertagt – und danach rührte sich viele Jahre nichts mehr. Eben bis sich Fiefeck mit seinen Kollegen der Sache annahm.

Größerer Diskussionsbedarf

Der Bremer Postweg macht somit den Anfang für umfangreiche Neubauaktivitäten im Osten der Stadt. Als nächstes dürfte dann die städtische Fläche an der Langenwischstraße folgen. Die Gelder für die dort nötige Bodensanierung sind bereits von der Politik genehmigt. Zudem gibt es weitere Pläne an der Langenwischstraße: Hinter der Gastronomie Schierenbeck soll ebenfalls ein Wohnquartier entstehen.

Darüber hinaus hat ein Investor die Bahnflächen am Winterweg gekauft und würde dort auch gern Häuser errichten – allerdings waren die ersten Entwürfe für die Fläche dort nicht ganz im Sinne der Verwaltung, sodass noch weiterer Abstimmungsbedarf über die Art und Weise der Bebauung besteht. Und nördlich der Bahnlinie möchte die Stadt noch eine Fläche zwischen Neuenbrücker und Großer Tannenweg beplanen.

Größeren Diskussionsbedarf wird es schließlich noch bei den Flächen von Pultern und Gut Langenwisch geben. An der Stelle soll aber keine Wohnbebauung entstehen, sondern die Stadt möchte dort zumindest auf einem Teil ihrer 22 Hektar großen Fläche ein Gewerbegebiet schaffen.

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