Nordbremer Einzelhandel „Wir fühlen uns vor den Kopf gestoßen“

Anfang März hat der Senat den Weg für das Termin-Shopping frei gemacht. Doch angesichts einer Inzidenz von über 100 ist nach drei Wochen damit wieder Schluss. Nordbremer Einzelhändler sehen das kritisch.
01.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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„Wir fühlen uns vor den Kopf gestoßen“
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Bremen-Nord. Weil der Inzidenzwert in Bremen mehrere Tage über 100 lag, hat die Stadt die Konsequenzen gezogen – und die Corona-Regeln wieder verschärft. Seit Montag dieser Woche ist damit auch das Termin-Shopping ausgesetzt. Doch für Nordbremer Einzelhändler ist das ein Problem.

Nachdem die Geschäfte pandemiebedingt Mitte Dezember vergangenen Jahres schließen mussten, durften sie am 8. März wieder öffnen. Allerdings nur für Kunden, die sich im Vorfeld telefonisch oder im Internet angemeldet haben. Doch damit ist nach drei Wochen wieder Schluss.

„Wir fühlen uns vor den Kopf gestoßen“, sagt Kai Horstmann, Inhaber des Modegeschäftes Cactus, das es unter anderem in Vegesack, Lesum und in Schwanewede gibt. Mit dem Termin-Shopping sei er gut zurechtgekommen und habe im März sogar die Kurzarbeit für seine Mitarbeiter beenden können. Doch mit dem Ende von Click and Meet rechne er auch wieder mit einer Rückkehr zur Kurzarbeit.

Bis er seine Nordbremer Filialen wieder öffnen darf, verkauft er seine Waren dort wieder nach vorheriger Bestellung, dem sogenannten Click and Collect. „Allerdings ersetzt Click and Collect in keiner Weise Click and Meet“, sagt er. Zudem sei das Abholen von reservierter Ware im Geschäft für Kunden nicht mehr so interessant wie noch vor einigen Wochen. „Schließlich können Kunden etwa im Kreis Osterholz nach wie vor mit Termin einkaufen“, erzählt er. Also bittet er seine Nordbremer Kunden, sein Geschäft in Schwanewede zu besuchen. „Das ist doch eine Farce“, sagt Horstmann.

Insgesamt habe er kein Verständnis dafür, dass einige Branchen öffnen dürften und andere nicht. „Das ist eine Ungleichbehandlung“, kritisiert er. „Infektionsherde entstehen nicht im kleinen Fachhandel.“ In seinen Geschäften hätten maximal zwei Kunden gleichzeitig einkaufen dürfen. „Zudem ist die Kontaktverfolgung möglich, und die Hygieneregeln werden beachtet“, sagt Horstmann.

Darauf verweist auch Babette Hedrich-Gröning von Tim Christine Moden. „Alle 60 Minuten haben wir maximal zwei Kunden für eine dreiviertel Stunde hineingelassen“, erzählt sie. „Somit blieben nach jedem Kundenbesuch 15 Minuten zum Lüften des Geschäftes.“

Mit dem Termin-Shopping war das Unternehmen mit Geschäften in Vegesack und in Lesum insgesamt sehr zufrieden. „Als wir noch ohne vorherige Terminvereinbarung öffnen konnten, wussten wir nie, ob wir personell gut besetzt sind. Das ist ein großer Vorteil beim Termin-Shopping, da pro Kunde immer eine Verkäuferin da ist“, sagt Hedrich-Gröning.

Besonders groß war der Andrang am vergangenen Sonnabend. „Da wir am Montag nicht mehr öffnen durften, haben wir die Kunden von Montag auf Sonnabend umgebucht“, so Hedrich-Gröning. Viele hätten die Gelegenheit noch nutzen wollen, um sich neue Kleidung für die Ostertage zu kaufen. Entsprechend sei es vor der Tür voller geworden, weil manche auch ohne Termin gekommen seien und deshalb wieder weggeschickt werden mussten. „Wäre es mit dem Termin-Shopping einfach weiter gegangen, wäre es am Sonnabend deutlich entspannter gewesen“, resümiert sie.

Anstatt im Geschäft müssen die Kunden sich die Waren nun wieder im Schaufenster aussuchen und per Click and Collect kaufen. Daneben ist Babette Hedrich-Gröning auch in den Sozialen Netzwerken aktiv. „Instagram hat uns gerettet“, erzählt sie. „In den Monaten Januar und Februar haben wir darüber super verkauft.“ Dennoch hoffe sie, dass zeitnah auch wieder Termin-Shopping möglich sein wird.

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