Hartmannstift: Investor springt ab Das Problemprojekt in Vegesack

Auch wenn der Investor für das Hartmannstift abgesprungen ist, hofft der Vegesacker Beirat, dass er wieder aufspringt: Der Senat soll die Auflagen verändern. Eine Entscheidung wird im Februar erwartet.
10.01.2019, 18:09
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Das Problemprojekt in Vegesack
Von Christian Weth

Bei keinem anderen Millionenprojekt haben die Vegesacker Fraktionen versucht, so viel Einfluss zu nehmen wie beim Hartmannstift: Erst ließen sich Vertreter des Beirats sowohl Akten als auch Protokolle vorlegen, weil die Gespräche mit dem potenziellen Investor nicht vorangingen. Jetzt fordern die Parteien, dass der Senat die Auflagen für das Bauvorhaben und den Preis für das Grundstück noch einmal überdenkt – in der Hoffnung, dass der Kaufinteressent, der vor einem Monat abgesprungen ist, eventuell wieder aufspringt. Schnell soll es deshalb gehen. Bis Februar wollen die Fraktionen wissen, wie es mit dem früheren Krankenhaus weitergeht.

Wie die Chancen für einen erneuten Anlauf mit dem bisherigen Projektentwickler stehen, darüber kann Peter Schulz nur spekulieren. Der Sprecher von Immobilien Bremen sagt, dass der Beschluss des Beirats an Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) und Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) gegangen ist. Und dass der städtische Grundstücks- und Gebäudeverwalter nichts entscheiden kann, solange der Senat nichts entschieden hat: „Wir sind sozusagen momentan in Wartestellung.“ Seines Wissens nach hat es bisher noch keine Gespräche über das weitere Vorgehen im Fall Hartmannstift gegeben – und noch keine Absprachen zwischen den Behörden, wann es welche geben soll.

Aus Schulz' Sicht gibt es jetzt zwei Optionen: Entweder der Senat verändert noch einmal die Auflagen und gegebenfalls den Kaufpreis für das städtische Gelände, sodass die Gespräche nach der Absage des Investors zumindest theoretisch wieder aufgenommen werden können. Oder die Behördenchefs lehnen weitere Zugeständnisse ab – mit der Folge, dass nach einem anderen Interessenten gesucht werden muss. Damit würde das Projekt, auf dem Grundstück Ecke Gerhard-Rohlfs- und Schulkenstraße Wohnen und Gewerbe zu vereinen, wieder bei null anfangen. Schulz rechnet mit sechs Monaten, die allein das Prozedere einer neuen Ausschreibung dauern würde. „Mindestens.“

Genau das wollen die Vegesacker Fraktionen verhindern. Für sie haben die Verhandlungen lange genug gedauert. Seit fast drei Jahren gibt es Gespräche zwischen Immobilien Bremen und dem potenziellen Investor. Das Projekt war so oft auf der Tagesordnung des Stadtteilparlaments, dass Ortsamtschef Heiko Dornstedt auf Anhieb gar nicht sagen kann, wie oft. Immer wieder erklärten Vertreter von Immobilien Bremen, dass es nur noch um Details bei der Planung und beim Vertrag ginge. Nach ihrem Zeitplan sollte eigentlich in diesem Quartal der Haushalts- und Finanzausschuss über die ausgehandelte Kaufsumme befinden und danach das Projekt vorgestellt werden.

Dass der bisherige Kaufinteressent mit Kalkül handeln könnte, um den Preis für das Grundstück zu drücken, will Dornstedt so nicht glauben. Er sieht den Beschluss des Beirats, die Modalitäten für einen Investor noch einmal zu überprüfen, als neue Chance, das rund ein Hektar große Grundstück endlich zu entwickeln. Seiner Ansicht nach wäre es das Schlimmste, wenn das Verfahren noch einmal von vorn beginnen müsste. Und eventuell noch einmal Jahre vergehen, ehe beim Hartmannstift etwas passiert. „Die Zeit des Stillstands muss jetzt vorbei sein.“ Für den Ortsamtschef ist es nicht irgendein Grundstück, das brachliegt, sondern eines, das quasi das Tor zum Vegesacker Zentrum darstellt.

Für Dornstedt kam die Absage des Investors ebenso überraschend wie für Schulz. Der Sprecher von Immobilien Bremen sagt, nie geglaubt zu haben, dass das Unternehmen doch noch abspringen würde – „nicht, nachdem es so viel Geld für Planungen und Gutachten ausgegeben hat“. Ob es gut oder schlecht ist, dass der Senat die Auflagen für das Projekt gegebenenfalls abändert, will Schulz nicht beurteilen. Er sagt nur, dass Bremen das schon mal gemacht hat. 2014 war das, nachdem ein anderer Investor abgesprungen war: Ein Jahr dauerten die Verhandlungen, dann machte die Firma einen Rückzieher und schaltete sich der damalige Bürgermeister Jens Böhrnsen ein. Er forderte Resultate.

Immobilien Bremen bereitete die zweite Ausschreibung vor, unter veränderten Vorzeichen für Investoren: Durfte das frühere Krankenhaus bisher nicht umgebaut werden, sollte jetzt nur noch die Fassade bleiben, wie sie ist. Das Mindestgebot von 1,8 Millionen Euro galt ebenfalls nicht mehr. Die Stadt war auch mit 300 000 Euro weniger zufrieden. Andere Vorgaben blieben. Kaufinteressenten haben sich an die Pläne für einen Stiftungshof zu halten, die 2011 entworfen worden waren. Neben und hinter dem Hartmannstift sollen mehrere Wohnhäuser mit zwei bis drei Geschossen entstehen. Eine Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege ist vorgeschrieben.

Für Schulz ist vieles denkbar, um die Rahmenbedingungen für das Millionenvorhaben noch einmal zu verändern. Was genau, lässt der Sprecher von Immobilien Bremen offen. Nach Angaben des Senats hatte der potenzielle Investor seine Absage im Dezember damit begründet, dass die Kosten und Risiken des Projekts Hartmannstift „in einem nicht vertretbaren Verhältnis zu den wirtschaftlichen Erfolgsaussichten“ stünden. Wie es heißt, sollen der Kaufpreis von 1,5 Millionen Euro für das frühere Krankenhaus und die Quote von 25 Prozent für Sozialwohnungen eine entscheidende Rolle beim Scheitern der jahrelangen Verhandlungen gespielt haben.

Ob sie tatsächlich wieder aufgenommen werden, wird sich in den nächsten Wochen herausstellen. Schulz jedenfalls erwartet eine Entscheidung des Senats bis spätestens Donnerstag, 21. Februar. Dann tagt der Vegesacker Beirat – und sollen Vertreter von Immobilien Bremen zum x-ten Mal über den Sachstand beim Hartmannstift berichten.

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