Coronavirus: Die Situation in Bremen-Nord Drei Schulen in Blumenthal geschlossen

Die Bildungsbehörde hat drei Schulen in Blumenthal vorsorglich geschlossen. Es gebe erhärtete Verdachtsfälle. In der Kita St. Nicolai in Rönnebeck hat sich ein Verdacht inzwischen bestätigt.
12.03.2020, 18:26
Lesedauer: 5 Min
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Von Gabriela Keller

Bremen-Nord/Schwanewede/Wesermarsch. Die Bildungsbehörde hat am Donnerstag vor dem Hintergrund der Ausbreitung des Coronavirus' als Vorsichtsmaßnahme vier Bremer Schulen vorläufig geschlossen. Darunter sind drei Schulen in Blumenthal: die Grundschule Rönnebeck, die Oberschule an der Egge sowie das Berufsschulzentrum Blumenthal. Die Berufsschule ist im selben Gebäude untergebracht wie die Oberschule und hat eine Außenstelle an Lüder-Clüver-Straße. Auch diese Außenstelle ist nun geschlossen.

Wie Annette Kemp, Sprecherin von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), mitteilte, gilt die Schließung zunächst für Donnerstag und Freitag. Über eine mögliche längere Schließung der Schulen müsse das Gesundheitsamt entscheiden. Kemp sprach von „erhärteten Verdachtsfällen“ die zu der Vorsichtsmaßnahme geführt hätten. Betroffen von der Schließung sind rund 240 Schüler an der Grundschule Rönnebeck, 800 an der Oberschule an der Egge und rund 460 am Berufsschulzentrum.

Bereits am Mittwoch waren zwei Kindertagesstätten in Rönnebeck wegen des Coronavirus' geschlossen worden. Dabei handelt es sich um die vom Caritasverband Bremen-Nord betriebene Kita St. Nicolai sowie das Kinder- und Familienzentrum Reepschlägerstraße, das zu Kita Bremen gehört. Das hat die Gesundheitsbehörde am Donnerstag bestätigt. In beiden Fällen hätten sich die Träger selbst zur Schließung entschieden, sagte Behördensprecher Lukas Fuhrman.

Zur Frage, ob der Stadtteil Blumenthal besonders stark von der Ausbreitung des Coronavirus' betroffen sei, meinte Fuhrmann: „Das können wir nicht bestätigen. Die Zahlen von bestätigten Coronafällen werden nicht nach Stadtteilen getrennt erhoben.“ Deshalb könne das Ressort auch nicht sagen, ob Blumenthal ein Schwerpunkt sei oder nicht.

Eine Corona-Ambulanz, wie es sie seit Montag dieser Woche am Klinikum Bremen-Mitte gibt, plane das Gesundheitsressort für Bremen-Nord aktuell nicht. „Wir evaluieren aber fortlaufend die Entwicklung in der Ambulanz in Bremen-Mitte, wie viele Fälle dort auflaufen. Und wir stehen in Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung in Bremen. Wenn es notwendig wäre, würde das Gesundheitsressort über die Einrichtung eine Corona-Ambulanz auch in Bremen-Nord nachdenken“, sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörde.

In der Kita St. Nicolai in Rönnebeck gibt es laut Heinz Dargel, Geschäftsführer des Caritasverbandes Bremen-Nord, einen bestätigten Corona-Fall. „Ein Kind aus einer Elementargruppe am Standort Hechelstraße hat sich mit dem Virus infiziert.“ Seit Mittwochnachmittag sei der Standort mit zwei Elementargruppen und einer Hortgruppe mit insgesamt 60 Kindern geschlossen. Nicht betroffen von der Schließung sind laut Dargel der Kindergarten-Standort und die Krippe der Kita St. Nicolai an der Dillener Straße.

„Für uns ist das ein Ausnahmezustand“, sagt der Geschäftsführer des Caritasverbandes am Donnerstag. Die Eltern des infizierten Kindes hätten den Träger am Mittwoch informiert. Wie sich das Kind mit dem Virus angesteckt hat, dazu konnte Dargel keine Angaben machen. Alle Kita-Mitarbeiter, die Kontakt mit dem Kind hatten, sind laut Dargel in der Corona-Ambulanz am Klinikum Mitte getestet worden. „Zwei stehen bereits unter Quarantäne.“ Der Caritasverband als Träger habe erst einmal entschieden, dass die Einrichtung an der Hechelstraße auch am Donnerstag und Freitag geschlossen bleibt. Seit Donnerstag steht allerdings fest, dass die Kita länger zu bleibt: „Nach Maßgabe des Ordnungsamtes schließen wir die Kita St. Nicolai für 14 Tage. Die Familien der betroffenen Gruppen werden von Außendienstmitarbeitern über die Quarantänemaßnahme informiert“, teilte der Geschäftsführer am Donnerstag.

Eine Anfrage unserer Redaktion bei Kita Bremen wegen der Schließung der Einrichtung Reepschläger Straße blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. In der Gemeinde Schwanewede gibt es zwei neue Coronafälle. Das hat der Landkreis Osterholz am Donnerstag mitgeteilt. Damit sind inzwischen fünf Menschen aus der Gemeinde positiv auf das Virus getestet worden, insgesamt gibt es im Landkreis neun bestätigte Fälle. Bei den zwei neuen Infizierten in Schwanewede handelt es sich nach Angaben des Landkreises um Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet. Sie hätten sich unmittelbar nach ihrer Ankunft in häusliche Quarantäne begeben.

Das Land Niedersachsen hat die Landkreise inzwischen angewiesen, eine Allgemeinverfügung für Reiserückkehrer aus Risikogebieten und Gebieten, die von der Ausbreitung des Coronavirus' besonders betroffen sind, zu erlassen. In den Landkreisen Osterholz und Wesermarsch ist eine entsprechende Verfügung ab sofort in Kraft. Danach dürfen Personen, die sich innerhalb der letzten 14 Tage in den genannten Gebieten aufgehalten haben, für einen Zeitraum von 14 Tagen nach der Rückkehr besonders schutzbedürftige Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Heime oder Krankenhäuser nicht betreten. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld von bis zu 25 000 Euro rechnen.

Obwohl der Coronavirus seit Wochen Thema in den Medien ist und Ärzte sowie Behörden Verhaltensempfehlungen geben – „bei vielen Menschen gibt es noch zu wenig Problembewusstsein“, stellt die Nordbremer Apothekerin Jutta Bannert fest. Sie erlebt es nach eigenen Worten in der Apotheke: „Da kommen Menschen, stark erkältet mit Husten und Schnupfen.“ Auch wenn es nicht gleich der Coronavirus sein muss: „Wer Symptome zeigt und den Verdacht hat, sich infiziert zu haben, sollte unbedingt zu Hause bleiben, damit er andere nicht ansteckt“, rät Bannert. Besser sei es, Angehörige zu bitten, Medikamente aus der Apotheke zu besorgen und Einkäufe zu erledigen. Hygiene sei wichtig: „Mindestens 30 Sekunden lang Hände waschen, Lebensmittel gut abwaschen, Wohnräume lüften.“

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus' werden erneut Veranstaltungen abgesagt. Der Pferdezuchthof Sosath in Lemwerder hat seinen für den 11. April geplanten Tag der offenen Tür mit Hengstpräsentation, Fohlenchampionat und Schauprogramm, zu dem nach Veranstalterangaben mehrere tausend Besucher erwartet wurden, abgesagt. Ebenso den Osterball am 12. April. „Bereits erworbene Osterball-Karten werden erstattet“, heißt es. Noch nicht entschieden sei, ob auch das vom 17. bis 19. April geplante Reitturnier unter freiem Himmel abgesagt werde. Der Seniorenbeirat Schwanewede hat sein für den 26. März geplantes Frühstück abgesagt.

In Niedersachsen und damit auch in den Landkreisen Wesermarsch und Osterholz wird der landesweit für den 26. März geplante Zukunftstag für Jungen und Mädchen verschoben. Das hat Kultusminister Grant Hendrik Tonne am Mittwoch entschieden. Ein neuer Termin, voraussichtlich im Herbst, wird noch bekanntgegeben. Betriebe und Verwaltungen hätten sich besorgt gezeigt, dass am Zukunftstag Kinder und Jugendliche in ihre Häuser kommen, während vielfach eigene Veranstaltungen und Dienstreisen abgesagt werden, teilt das Ministerium mit. „Mit der Verschiebung bringen wir ein wenig mehr Ruhe in die aktuelle Diskussion um Corona und geben den Beteiligten Handlungssicherheit“, so der Minister. Am Zukunftstag erhalten Schüler Einblick in verschiedene Berufe.

Die AOK Bremen/Bremerhaven teilt mit, dass sie ihre Geschäftsstellen ab Freitag, 13. März, für die persönliche Beratung schließt. In Bremen-Nord sind die Geschäftsstellen in Vegesack und Blumenthal betroffen. Eine Kontaktaufnahme sei per Telefon, E-Mail, Fax oder online möglich.

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