Ausbau der Bundesstraße 51

Dritte Fahrspur für mehr Sicherheit

Gefährliche Überholmanöver und Unfälle sollen mit dem Ausbau der Bundesstraße 51 zwischen Bassum und Fahrenhorst enden. Doch die geplante Einrichtung einer dritten Fahrspur sorgt auch auf Kritik.
23.04.2021, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Antonia Blome
Dritte Fahrspur für mehr Sicherheit

Die Bundesstraße 51 soll zwischen Bassum und Fahrenhorst in den kommenden Jahren eine dritte Fahrspur erhalten.

Björn Hake

Landkreis Diepholz. Die Verkehrsverhältnisse auf der Bundesstraße 51 zwischen Bassum und Fahrenhorst sind schon lange Gesprächsthema in der Politik. Erhöhte Unfallzahlen und ein zunehmender Verkehr auf der Bundesstraße wurden bereits im Jahr 2005 festgestellt. Nachdem der Bund angeordnet hat, diesen Abschnitt mittels eines 2+1-Ausbaus auf drei Spuren zu erweitern, ist der Plan nun konkretisiert worden. Die vorliegende Planung umfasst jeweils zwei wechselnde Überholstreifen je Fahrtrichtung.

Vorgenommen wird der teils umstrittene Ausbau von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLSTBV). „Die Menschen halten sich nicht an die Verkehrsregeln und da bringen nur noch bauliche Maßnahmen etwas“, sagt Jürgen Callies von der NLSTBV. Gerade durch die Lastwagen-Belastung sei Frust und damit gefährliches Überholen auf der Strecke vorprogrammiert. Normalerweise handele es sich bei den Fahrzeugen auf Bundesstraßen bei etwa zehn Prozent um Laster. Auf der B51 seien es dagegen etwa ein Fünftel. Eine sichere Überholstrecke könne deswegen Abhilfe schaffen.

Das Bauvorhaben liegt seit diesem Donnerstag nun für vier Wochen öffentlich bei der Stadt Bassum zur Einsicht aus. Danach haben Bewohner noch einen Monat lang die Möglichkeit, sich mit Einwänden an den Landkreis Diepholz zu wenden. Anlieger und Eigentümer wurden von der NLSTBV ebenfalls über die Auslegung der Pläne informiert. „Den Bürgern soll es so ermöglicht werden, sich an dem Verfahren zu beteiligen und ihre Meinung zu äußern“, sagt Bürgermeister Christian Porsch von der Stadt Bassum. Zuletzt haben Bürger auch noch die Möglichkeit, beim Verwaltungsgericht Klage gegen das Vorhaben einzureichen. Wenn die Pläne dann rechtssicher sind, können laut Callies weitere Schritte gegangen werden.

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Der geplante Ausbau bleibt umstritten: Aus der Bevölkerung ertönen schon seit Jahren kritische Stimmen gegen das Vorhaben. Vorne mit dabei ist die Bürgerinitiative Nordwohlde-Fahrenhorst. Deren Vorsitzender Jürgen Schierholz aus Fahrenhorst verfolgt die Pläne für die Bundesstraße 51 bereits seit dem Jahr 2010. „Wir lehnen den Ausbau komplett ab“, erklärt er für die Initiative, die etwa 70 Mitglieder zählt. „Es handelt sich hierbei um rückwärtsgewandte und veraltete Verkehrspolitik.“

Der Ausbau würde eine um nur wenige Minuten verkürzte Fahrdauer bedeuten, kritisiert die Bürgerinitiative. „Das Argument ist immer wieder die Verkehrssicherheit, dabei sind die Zahlen der Verkehrsunfälle rückläufig“, sagt Schierholz außerdem. Kosten und Schäden an der Natur würden gegen das Verfahren sprechen. „Angesichts des Klimawandels ist die Entfernung der wunderschönen Allee veraltet“, moniert der Fahrenhorster. „Der Ausbau würde circa 360 ausgewachsene Alleebäume kosten, diese Alleebäume schlucken jährlich etwa 36 Tonnen Feinstaub und 2160 Tonnen CO2 und sie produzieren 1440 Tonnen Sauerstoff.“

Jürgen Callies von der NLSTBV bestätigt zwar, dass für den dritten Fahrstreifen auf einer Seite über sieben Kilometer Alleebäume entfernt werden müssen, wendet jedoch ein: „Diesen Verlust müssen wir kompensieren, weshalb Bäume versetzt und mit dem nötigen Abstand zum dritten Fahrstreifen neu angepflanzt werden.“ Des Weiteren sei das Ziel des Ausbaus nicht, den Fahrtweg über die Bundesstraße zu verkürzen. „Es geht nicht darum, schneller am Ziel zu sein, sondern sicherer“, stellt er klar. Und diese Sicherheit könnten dreispurige Strecken besser gewähren.

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Bedenken gegen das Vorhaben hat auch Stephan Korte, Bürgermeister der Gemeinde Stuhr. „Das Problem für die Fahrenhorster ist vor allem der große Durchgangsverkehr der LKW“, sagt er. Durch die dritte Spur auf der B51 sei dieses Problem nicht behoben. Es ist laut dem Bürgermeister fraglich, wie zielführend die Errichtung einer dritten Fahrspur ist. „Sinnvoller wären verkehrsvermeidende Schritte, wie zum Beispiel eine Mautpflicht“, schlägt Korte vor. Den Fahrenhorstern wäre schließlich geholfen, würde der Lastwagen-Verkehr auf die Autobahn umgeleitet werden. „Das Problem sind nicht PKW-Fahrer die sich nicht an Regeln halten, sondern LKW-Fahrer, die die Bundesstraßen zu viel nutzen und den Verkehr verlangsamen“, sagt er. Es sei außerdem zu befürchten, dass eine dritte Spur den Reiz, die Bundesstraße zu nutzen, noch vergrößern würde.

Normalerweise gibt es laut Jürgen Callies bei solchen Umbauschritten eine Informationsveranstaltung mit den Betroffenen, um über das Verfahren und seine Hintergründe aufzuklären. Das fällt aufgrund der Corona-Pandemie aber aus. Stattdessen können sich Bewohner zum Beispiel auf der Internetseite des Landkreises Diepholz unter www.diepholz.de informieren. Vor dem Bau muss die NLSTBV das nötige Gelände erwerben und habe dafür bereits Vorgespräche mit den Pächtern und Anliegern geführt, die zum Großteil kooperativ seien, so Callies. In den kommenden Jahren soll die dritte Fahrspur Wirklichkeit werden: „Wir hoffen, dass es in diesem Jahr den Beschluss gibt und wir im Jahr 2023 in den Bau kommen.“

Info

Zur Sache

570 Kilometer B 51

Die Bundesstraße 51 zieht sich von Nord nach Süd durch unser Verbreitungsgebiet. Sie entspringt in Brinkum und kreuzt die Städte Bassum, Twistringen und Diepholz. Danach geht es weiter durch Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland bis zur französischen Grenze. Gesamtlänge gut 570 Kilometer.

Der Abschnitt zwischen Bremen und Münster wurde zwischen 1811 bis 1813 als Heerstraße für die Truppen Napoleons geplant, damals aber eleganter benannt: Route Impériale. Die sollte Paris mit Hamburg verbinden und von Münster weiter bis ins niederländische Venlo führen. Nach dem Abzug der napoleonischen Truppen 1813 blieb die Straße allerdings in weiten Strecken unvollendet.

Im Saarland begann der Straßenbau schon deutlich früher. Bereits 1734 war die Route zwischen Völklingen und Bous laut Wikipedia fertig. Der mittlere Streckenabschnitt von Haltern über Recklinghausen nach Bochum folgte in den Jahren 1838 bis 1842. Der südliche Streckenabschnitt zwischen Köln und Trier wurde 1826 begonnen und 1841 vollendet.

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