Niedersächsische Milchwirtschaft „Durch den Export können wir das Risiko streuen“

Frank Feuerriegel ist Geschäftsführer bei der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen. Im Interview äußert er sich zur deutschen Milchwirtschaft, der Bedeutung des Exports oder den Milchpreis.
17.08.2019, 20:45
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„Durch den Export können wir das Risiko streuen“
Von Jürgen Hinrichs

Herr Feuerriegel, trinken Sie Milch?

Frank Feuerriegel: Trinken weniger. Im Sommer gerne mal reine Buttermilch, aber sonst sind es bei mir eher Milchprodukte wie Joghurt und Käse. Ich habe das mal ausgerechnet und komme auf rund drei Liter verarbeiteter Milch in der Woche.

Milch galt früher als gesund, heute nicht mehr uneingeschränkt.

Ach, das schwappt hin und her. Mal gibt es diese und dann auch wieder neuere Erkenntnisse. Beim Cholesterin zum Beispiel. Hier hat sich die Meinung in den vergangenen Jahren gewandelt. Früher standen Milchprodukte im Verdacht, sich eher negativ auszuwirken, heute gibt es Studien, die zeigen, dass besonders fettarme Milcherzeugnisse, den Cholesterinhaushalt im Körper positiv beeinflussen.

Deutschland produziert mehr Milch, als es selbst braucht. Wie abhängig sind die Landwirte und Molkereien vom Export?

Die Hälfte unserer Milchprodukte geht ins Ausland. Eine ähnliche Menge kommt aber auch zu uns hinein. Wir sind froh über einen vernünftigen und starken Export, der hauptsächlich in den EU-Ländern abgesetzt wird. So haben wir mehr Wertschöpfung und können das Risiko streuen. In Deutschland gibt es die vier Handelsriesen, wenn wir nur hier verkaufen würden, wären wir diesen Unternehmen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

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Es gibt Betriebe mit tausend Milchkühen. Die Tiere werden auf Hochleistung getrimmt. Ist da nicht irgendwann eine Grenze erreicht?

Bundesweit sind es pro Betrieb 63 Kühe. In Niedersachsen durchschnittlich knapp unter 100. Aber sie haben recht, der Trend geht seit vielen Jahren zu Großbetrieben. Das muss aber in Hinblick auf die Haltungsbedingungen nicht schlechter sein. Die Landwirte achten schon aus eigenem Interesse sehr auf die Gesundheit und Lebensdauer ihrer Tiere.

Kann das gut sein, wenn dreimal am Tag gemolken wird?

Es gibt Melkroboter, an denen die Kühe selbst wählen, wann sie gemolken werden. Sie gehen in der Regel eher dreimal am Tag hin, offenbar bekommt ihnen das also, sie mögen es.

Der Milchpreis pro Liter liegt heute bei knapp mehr als 30 Cent. Reicht das für die Erzeuger?

Wer die Abläufe optimiert hat und bereits die Kredite für viele Investitionen tilgen konnte, kann zu anderen Preisen produzieren als ein Betrieb, der gerade investiert hat und noch hohe Kreditbelastungen zu stemmen hat. Auch ein kleiner Betrieb mit geringem Technisierungsgrad hat tendenziell höhere Produktionskosten als ein vergleichsweise größerer Betrieb. Beim derzeitigen Milchpreis kann sicherlich kaum ein Erzeuger so wirtschaften, dass dringend erforderliche Rücklagen für eine Weiterentwicklung des Betriebes gebildet werden können.

Die Fragen stellte Jürgen Hinrichs.

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Info

Zur Person

Frank Feuerriegel (49) ist Geschäftsführer bei der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen. Er hat eine Ausbildung zum Molkereifachmann gemacht, danach studiert und lange Zeit in dem Bereich gearbeitet.

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