Skulptur für Schwaneweder 'Baracke Wilhelmine' Ein Denkmal gegen das Vergessen

Schwanewede. Bürgermeister Harald Stehnken ist voll des Lobes für Bernd Mertes. Der Künstler hatte lange an einer Skulptur gearbeitet, die auf die Zwangsarbeiter in der NS-Zeit hinweist und jetzt vor der 'Baracke Wilhelmine' steht. Das einzige Denkmal dieser Art in Schwanewede.
02.10.2010, 05:00
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Von Iris Messerschmidt

Schwanewede. 'Er ist nicht nur einer der bekanntesten regionalen Künstler, sondern speziell jemand, der nicht das Geld, sondern die Gemeinde in den Vordergrund stellt.' Bürgermeister Harald Stehnken war voll des Lobes für Bernd Mertes. Der hatte lange an einer Skulptur gearbeitet, die auf die Zwangsarbeiter in der NS-Zeit hinweist und jetzt vor der 'Baracke Wilhelmine' steht. Das einzige Denkmal dieser Art in Schwanewede.

Seit dem bundesweiten 'Tag des offenen Denkmals' hat er seinen festen Platz vor der 'Baracke Wilhelmine': der aus einem Baumstamm gefertigte Zwangsarbeiter, dessen Los es für die Ewigkeit zu sein scheint, den ihm in die hölzernen Hände gelegten Eisenträger anzuheben. Ein Bild voller Symbolik, macht es doch aufmerksam auf das Schicksal Tausender von Menschen, die in den letzten Kriegsjahren beim Bau des Bunker 'Valentin' körperliche und seelische Qualen erlitten und diese Torturen häufig nicht überlebten.

'Nicht allein mein Verdienst', gibt sich der Künstler auf die Skulptur angesprochen bescheiden. Ein zwei Meter langer Eichenstamm, gespendet vom Kaminholz-Händler Frank Bellmann regte des Künstlers Fantasie an. 'Im Übrigen war es für mich eine wunderbare Aufgabe, ein Werk mit historischen Tiefgang zu schaffen', gesteht Bernd Mertes. Auch der Eisenträger, den die Skulptur trägt, ist von einer Firma aus dem heutigen Gewerbepark Weser-Geest gespendet. 'Diese Firma hat sich ebenso verdient gemacht um die zwei weiteren Stelen, die bald den Geschichtslehrpfad erweitern werden', berichtet Künstler Bernd Mertes, ohne den Namen des Unternehmens zu nennen. 'Es gibt ja bald noch eine offizielle Einweihung', gibt er nur zu den Stelen bekannt.

Aufarbeitung der NS-Geschichte

Harald Grote von den 'Heimatfreunden Neuenkirchen' ist stolz auf das erste Denkmal dieser Art in Schwanewede, das nicht nur auf das Leid der Zwangsarbeiter, sondern allgemein auf die Aufarbeitung der NS-Geschichte in der 'Baracke Wilhelmine' hinweist. 'Dass Bernd Mertes diese Skulptur gestiftet hat, zeigt auch die große Verbundenheit mit der Geschichte dieser Region', ist sich Harald Grote sicher. Ihm und den weiteren Heimatfreunden ist es ganz besonders wichtig, nachfolgenden Generationen 'das oftmals traumatische Schicksal der Menschen während des NS-Regimes näher zu bringen'.

Von einem immer größer werdenden Besucherinteresse an der Aufarbeitung der Geschichte in der Baracke Wilhelmine berichtete auch Neuenkirchens Ortsbürgermeisterin Annette von Wilcke-Brumund. 'Erst kürzlich erhielt ich privat einen Anruf von einer jungen Familie, die der Großmutter ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen wollten.' Die 81-Jährige war als junge Frau in den Kriegswirren in Schwanewede gestrandet und wollte sich noch einmal persönlich von den heutigen Gegebenheiten überzeugen. 'Sie konnte sich auch tatsächlich anhand von Ansichten in der Baracke Wilhelmine an vieles erinnern und war glücklich über die Gelegenheit, dieses auch ihrer Familie zeigen zu können', erklärte Annette von Wilcke-Brumund.

Glücklich ist derzeit auch der Künstler Bernd Mertes. 'Ich fahre gerade aufgrund meines Arbeitsweges täglich mindestens zwei Mal an der Baracke Wilhelmine und der davor stehenden Skulptur vorbei. Es freut mich, dass hier ein offensichtlicher Hinweis auf die ,Baracke Wilhelmine? sowie die Historie weithin sichtbar steht.'

Die Skulptur, die laut Mertes erst im Laufe der Entstehung ihre eigentliche Aussage erhalten habe, hatte trotz offizieller Einweihung mit rund 180 interessierten Besuchern zum 'Tag des offenen Denkmals' bislang nur einen Arbeitstitel: nämlich 'Zwangsarbeiter'. Dies schien Mertes irgendwie zu wenig. Vor zwei Tagen hatte er die Idee: 'Gegen das Vergessen'.

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