Kritik an den Bremer Bädern

Kartenkauf mit Komplikationen

Die Bremer Bäder haben jetzt zwar eine Verkaufsstelle in Vegesack eingerichtet, nur bekommt dort nicht jeder ein Ticket. Ein Rentner aus Blumenthal kritisiert das – und zieht Konsequenzen.
21.07.2020, 11:00
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Kartenkauf mit Komplikationen
Von Christian Weth
Kartenkauf mit Komplikationen

Uwe Martens mit einem Ticket: Der Rentner kritisiert, dass in der Vegesacker Verkaufsstelle nicht jeder eine Karte fürs Bad bekommt.

Christian Kosak

Uwe Martens hat sich schon gefreut, dass die Bädergesellschaft kürzlich eine Verkaufsstelle für Tickets im Bremer Norden eingerichtet hat. Zweimal war der Rentner mittlerweile dort, weil er Eintrittskarten haben wollte – mal fürs Blumenthaler Freibad, mal fürs Vegesacker Hallenbad. Bekommen hat er jedoch weder das eine noch das andere Ticket. Stattdessen gaben ihm die Servicekräfte am Tresen eine Anleitung mit, wie er Karten online ordern kann. Das Problem ist nur: Martens hat kein Internet.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Pensionär darüber ärgert, als Kunde ohne Onlineanschluss im Nachteil zu sein. Anfang des Monats war er nach eigener Rechnung fast drei Stunden unterwegs, um ein Ticket zu bekommen, weil die Bremer Bäder den Verkauf wegen Corona umgestellt haben. Martens, 79, ist von Blumenthal, wo er wohnt und das nächstgelegene Freibad für ihn ist, in die City gefahren, wo die Bädergesellschaft bisher ihre einzige Verkaufsstelle hatte. Es gibt noch eine weitere, die Martens allerdings nicht mitzählt: den Kartenshop im Internet.

Karten nur für sozial Benachteiligte

Er hatte gedacht, dass die neue Anlaufstelle in Vegesack genau so ist wie die Verkaufsstelle in der Innenstadt. Doch der Rentner, das weiß er jetzt, hat falsch gedacht. Während im Bädershop bei Karstadt-Sport an jeden Tickets verkauft werden, bekommt im Freizeitbad nur Karten, wer sozial benachteiligt ist, eine Einschränkung oder eine Bäderkarte hat. Martens ist weder das eine noch hat er das andere. Er kann verstehen, dass in Corona-Zeiten aus Sicherheitsgründen vieles anders gemacht werden muss, aber nicht, dass Rentner bei den Verkaufsstellen außen vor bleiben.

Martens ist fest davon überzeugt, nicht der einzige Pensionär zu sein, der keinen Computer hat – und damit für die Bädergesellschaft keineswegs ein Einzelfall. Auch sein Sohn, sagt der Rentner, glaubt das. Martens hat versucht, über ihn an ein Ticket fürs Blumenthaler Freibad zu kommen. Sein Sohn hat nämlich beides, Rechner und Internet. Zusammen sind sie alle zwölf Schaubilder durchgegangen, die auf der Anleitung für den Online-Kartenkauf zu sehen sind. Fast alles, meint der Pensionär, hat geklappt – bis auf das Entscheidende: das Ticket auszudrucken.

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Anders als andere braucht Martens nämlich das Stück Papier zum Vorzeigen an der Kasse. Online gekaufte Eintrittskarten lassen sich zwar auf ein Smartphone übertragen, nur nützt dem Rentner diese Funktion nichts. Er hat auch kein Smartphone. Martens findet, dass es nicht sein kann, sich erst die notwendige Technik kaufen zu müssen, um schwimmen gehen zu können. Und auch nicht, dass er jedes Mal, wenn er ins Blumenthaler Freibad will, erst in den Bädershop in die City fahren muss, weil nur dort der Kartenkauf bisher funktioniert hat.

Streng genommen, müsste er das. Die Bremer Bäder wollen jedoch ab sofort eine Ausnahme bei ihm machen – und bei allen anderen Rentnern, die keinen Internetzugang haben. Wie Senioren nachweisen sollen, dass sie nicht online gehen können, lässt Firmensprecherin Laura Schmitt offen. Dafür erklärt sie, warum Ältere nicht von Anfang an in den Kundenkreis aufgenommen wurden, für den die Vegesacker Verkaufsstelle eingerichtet wurde. Das Unternehmen, sagt Schmitt, ist davon ausgegangen, dass Senioren entweder Internet haben oder jemanden kennen, der es hat.

Bäderchefin sieht Verinfachung durch Online-Ticketverkauf

Für Martens hat die Bädergesellschaft nicht nur deshalb zu kurz gedacht. Er ist zwar froh darüber, dass eine weitere Verkaufsstelle eingerichtet wurde, fragt sich aber, warum nicht in Blumenthal, wo es momentan das einzige Freibad im Norden gibt. Eine Antwort darauf wollten jetzt auch die Beiratsfraktionen von Bäderchefin Martina Baden haben. Sie sprach von technischen Voraussetzungen. Und davon, dass es zu keinen Schlangen vor den Freibadkassen kommen soll. Darum ist ihr zufolge der Einlass mit dem Vorverkauf im Internet vereinfacht worden.

Laut Martens ist dagegen der Kauf so kompliziert geworden, dass es ihm jetzt endgültig reicht. Er sagt, ab sofort keinen weiteren Versuch mehr unternehmen zu wollen, in Bremen an ein Ticket zu kommen. Stattdessen will er nur noch nach Neuenkirchen ins Schwimmbad fahren. Dort, sagt er, gibt es Eintrittskarten direkt an der Kasse. Und dort trifft der Rentner nach eigenem Bekunden immer mehr Blumenthaler, die es so sehen, wie er es sieht: lieber gleich ins Umland zum Baden, als Stunden beziehungsweise vergeblich für Tickets unterwegs zu sein.

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