Das Porträt: Horst Monsees Ein schweres Erbe

Der frühere Sprecher der Bremischen Bürgerschaft ist jetzt Leiter der Günter Grass Stiftung auf dem Campus der Jacobs University. Er will das Medienarchiv stärker öffnen.
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Von Daniela Schilling

Grohn. Seit Juni dieses Jahres steht das Medienarchiv der Günter Grass Stiftung auf dem Campus der Jacobs University unter neuer Leitung. Knapp ein Jahr war die Stelle des Geschäftsführers unbesetzt und wurde inzwischen von Horst Monsees übernommen. Der langjährige Sprecher der Bürgerschaft möchte die Stiftung weiter in den Fokus der Öffentlichkeit rücken – und zwar auf positive Weise. Zuletzt hatte vor allem die Diskussion um die Veruntreuung von Stiftungsgeldern durch die ehemalige Geschäftsführung hohe Wellen geschlagen. Die Frage um die generelle Zukunft der Stiftung wurde ebenso gestellt, wie nach der Zukunftsfähigkeit des Standortes. Schatten, die Monsees nun gemeinsam mit seinem Team abschütteln will.

Die grundsätzliche Frage sei, was man tun könne, damit es nach vorne geht, bringt es Horst Monsees auf den Punkt. Ein Schritt sei es, für mehr Öffentlichkeit zu sorgen und mit Menschen in Kontakt zu kommen. Mit Menschen, die Interesse an Grass haben und solchen, die den 2015 verstorbenen Dichter und Denker kannten. Außerdem solle das Archiv weiter geöffnet und gezeigt werden, was es zu bieten hat. Dazu gehören laut Monsees Veranstaltungen ebenso, wie weiterführende Informationen über die Webseite sowie eine bessere Erreichbarkeit für die Öffentlichkeit. „Ich sehe die Stiftung als einen Leuchtturm, der stärker leuchten soll“.

Zwölf Jahre war Horst Monsees Sprecher der Bremischen Bürgerschaft und damit auch für Bürgerschaftspräsident Christian Weber. Durch dessen Engagement im Vorstand der Günter Grass Stiftung erfuhr Monsees von der Suche nach einer neuen Geschäftsführung. Sein persönliches Interesse an Grass und dessen vielfältigen Facetten hatte sich zuletzt 2017 weiter verstärkt, als er eine Ausstellung anlässlich des 90. Geburtstages des Literaten in der Bürgerschaft organisierte. Als er Anfang des Jahres seinen Sprecherposten an Dorothee Krumpipe weitergab, entschied er sich, seiner Passion zu folgen und die Leitung der Stiftung zu übernehmen.

Der Beginn gestaltete sich durch die fehlende Übergabe zunächst mühsam. „Mir war bewusst, dass es schwer wird, aber das hat mich nicht beunruhigt“, sagt Monsees. Im Gegenteil: Er empfand es als positiv zunächst schauen zu müssen, was bisher passiert sei und neue Kontakte zu knüpfen. „Unterstützt worden bin ich dabei von einer tollen Truppe. Es macht wirklich Spaß mit ihnen zu arbeiten und das macht mich froh“, lobt er sein Team.

Der studierte Ökonom und Journalist lebt seit rund 30 Jahren in Bremen. Bereits während seiner Tätigkeit für die Hapag-Lloyd-Stiftung, einer Hamburger Kulturstiftung, konnte er Erfahrung in der Stiftungsarbeit sammeln. „Damals habe ich meine Liebe zur Stiftungsarbeit entwickelt“, so Monsees. Er hatte diese Tätigkeit deshalb auch nur aus einem rein pragmatischen Grund aufgegeben: Das Pendeln zwischen Bremen und Hamburg wurde ihm auf Dauer zu viel.

Doch auch in der Bürgerschaft blieb er der Kulturarbeit treu und war unter anderem für den Kultur- und Veranstaltungsbereich des Landesparlaments zuständig. Auch gependelt wird immer noch, jedoch nicht mehr so weit: Mehrmals die Woche fährt der Stadt-Bremer mit der Bahn zu seinem neuen Arbeitsplatz an der Jacobs-Universität. „Die Anbindung ist super. Was soll ich da mit dem Auto fahren?“

Sein Interesse für Günther Grass entwickelte Monsees erst spät. „In der Schule habe ich ihn eher nicht wahrgenommen. Und ehrlich gesagt habe ich die Blechtrommel bis heute nicht gelesen“, erklärt er. Viel wichtiger sei ihm der Roman Hundejahre gewesen, die ihm später in die Hände gefallen ist. Ebenso die Gedichte des Autors. Er habe schnell gemerkt, dass man die Werke nicht einfach weglesen könne, sondern sich damit beschäftigen müsse. Dies habe ihm auch den Blick auf die Vielschichtigkeit Grass geöffnet, der nicht nur Dichter und Autor, sondern auch Zeichner und Politiker war.

Speziell dieser Aspekt – Grass als politische Person und Bürger – spricht Monsees an. Dies zeigt sich auch an seiner fast vollständigen Sammlung der Zeitschriften „L 76 / L 80 – Demokratie und Sozialismus – Politische und literarische Beiträge“, die von Heinrich Böll, Günter Grass und Carola Stern herausgegeben wurden. „Die sind heute nur noch im Antiquariat erhältlich“.

Horst Monsees hegt nach eigenen Angaben eine große Sympathie für die Person Grass und dessen Werk. Dass es Grass in Bremen teilweise schwer hatte, heißt Monsees nicht gut. Diese Position wollte er mit seiner Ausstellung 2017 in der Bürgerschaft unterstreichen und den Blick auf den Autor geraderücken. Er wollte zeigen, dass man den Autor in Bremen auch als Bereicherung sieht. „Ich arbeite dafür, dass das man mit dem Werk, des Dichters, Bürgers und Politikers möglichst gut umgeht und dieses würdigt.“

Diese Würdigung erfolgt unter anderem mit dem Medienarchiv Günter Grass Stiftung. In Lesungen, Ausstellungen und weiteren Veranstaltungen wollen Monsees und sein Team Facetten des Autors herausstellen. Durch die Medien Foto, Bewegtbild und Ton könne man dies auf ganz besondere Weise. „Man bekommt ein intensiveres Bild der Person“, erklärt der Geschäftsleiter. Beispielsweise sei Grass ein exzellenter Vorleser gewesen, wovon es auch zahlreiche Aufnahmen im Archiv gäbe. „Wir wollen noch einiges bewegen“, so Monsees.

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