Forderung nach Anti-Graffiti-Konzept

Illegale Kunst im Stadtbild

Die FDP-Fraktion hat die Stadtbürgerschaft aufgefordert, ein Anti-Graffiti-Konzept nach Pfortzheimer Vorbild zu entwickeln. Auch der Bremer Norden hat Probleme mit unliebsamen Schmierereien.
24.02.2021, 12:00
Lesedauer: 3 Min
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Illegale Kunst im Stadtbild
Von Rebecca Sawicki

Bremen-Nord. Weil es im Stadtgebiet nicht nur kunstvolle Graffiti, sondern auch viele Schmierereien gibt, fordert die FDP-Fraktion die Stadtbürgerschaft auf, ein „Anti-Graffiti-Konzept“ zu entwickeln. „Dafür sollten alle Beteiligten an einen Tisch geholt werden: Justiz, Politik, Polizei und die Maler- und Lackiererinnung“, sagt Birgit Bergmann, Mitglied der FDP-Fraktion.

Bergmann und ihre Fraktion störten sich nicht an der Kunstform Graffiti, allerdings daran, dass die Stadt verschmutzt würde. Impulse für das geforderte Konzept habe sich Bergmann vom „Anti-Graffiti-Mobil“ der Stadt Pforzheim geholt. Der Vorschlag: Graffitisprayer sollen unter professioneller Anleitung von Malern und Lackierern den entstandenen Schaden selbst beseitigen. „Auch jetzt tun alle beteiligten Stellen, was möglich ist, allerdings ist das Budget dafür momentan zu gering“, sagt Bergmann. Neben Schmierereien gebe es auch antidemokratische Schriftzüge, die entfernt werden müssten.

In Bremen-Nord haben die Stadtteile immer wieder mit Schmierereien zu tun. „Offenbar gilt der frühere 'Ehrenkodex' auch nicht mehr, dass bereits entsprechend gestaltete Flächen nicht mehr übersprüht werden“, sagt Heiko Dornstedt, Ortsamtsleiter von Vegesack. In solchen Fällen sei eine Schmiererei doppelt ärgerlich.

Dass Kunstwerke übersprüht werden, passiert auch in Burglesum. „Der Tunnel an der Upsalastraße in Marßel wurde von einem Graffitikünstler gestaltet. Leider ist er immer wieder Ziel von Schmierereien“, sagt Florian Böhlke, Ortsamtsleiter von Burglesum. Entfernt und zur Anzeige gebracht würden diese Schmierereien immer wieder vom Kulturressort. „Die Zuständigkeit hängt davon ab, wer für den jeweiligen Ort verantwortlich ist“, sagt Böhlke. Mal sei es die Bahn, mal das Kulturressort oder das Amt für Straßen und Verkehr. Die Täter zu finden sei für die Polizei schwierig. „Allerdings haben Sprayer eine eigene Handschrift, es kann also vorkommen, dass die Polizei sie wiedererkennt“, sagt er.

In Blumenthal gibt es nach Ansicht des Ortsamtsleiters Oliver Fröhlich einige Ecken, an denen illegal gesprayt wird. Zum Beispiel die Lärmschutzwände am Autobahnzubringer. Zuständig sei in diesen Fällen das Amt für Straßen und Verkehr. Manchmal brauche die Beseitigung aber Zeit, da es auch andere Dinge zu erledigen gebe. „Außerdem haben sich die Zuständigkeiten an der Autobahn verändert, das Amt für Straßen und Verkehr gibt aber unsere Meldungen weiter“, sagt er. Auch wenn im Stadtbereich gesprüht werde, gebe das Amt eine Meldung an die entsprechende Behörde weiter, damit die Graffiti entfernt würden.

In der baden-württembergischen Stadt Pforzheim helfen straffällige Jugendliche bei der Entfernung der Graffiti im Rahmen gemeinnütziger Arbeitsstunden. Unterstützt werden sie von Malern und Lackierern, die sich ehrenamtlich engagieren. Ziel dieser Maßnahme sei die Prävention, lautet die Erklärung des Haus für Jugendrechts Pforzheim, an das das Projekt angeschlossen ist. Erspart werde den meist jugendlichen Sprayern dadurch auch eine häufig hohe Schadenersatzforderung. Pforzheim zähle mittlerweile zu den graffitifreiesten Städten Deutschlands.

Ein Problem mit illegalen Graffiti gibt es auf der anderen Seite der Weser nicht. „Früher wurde die große Wand, an der jetzt die Weser-Side-Gallery ist, immer wieder mal beschmiert“, sagt Timo von den Berg, Leiter der Begu. Seit die Mauer allerdings 2018 im Zuge des Farbflut-Festivals umgestaltet wurde, sei das kein Problem mehr. „Es passiert immer wieder, dass sich Kunstwerke verändern, weil Künstler nacharbeiten“, sagt von den Berg. Aktuell sei kein weiteres Projekt dieser Art geplant.

Legale Spraymöglichkeiten gibt es in Bremen-Nord keine mehr. „Früher durften sich Sprayer an den Wänden eines Bunkers auf dem Gelände des ehemaligen Bremer Vulkan ausleben“, sagt Dornstedt. Inzwischen habe der Bunker den Eigentümer gewechselt und das Projekt sei nicht fortgeführt worden.

In Blumenthal mache sich der Beirat Gedanken darüber, wo es solche Bereiche geben könne. Vorschläge bezüglich kahler Wände und Mauern, an denen sich junge Künstler austoben könnten, gebe es auch aus der Bevölkerung heraus. Überlegungen gebe es auch in Richtung Workshop-Angeboten mit Profis. „Wenn wir Flächen legalisieren, soll ja auch was Schönes herauskommen“, sagt Fröhlich. In Burglesum sei aktuell ein Jugendtreff geplant. Neben Tischtennisplatten soll es dort auch eine Wand geben, an der die Jugendlichen sprayen dürfen.

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