Sozialer Brennpunkt in Vegesack Grohner Düne: Weniger Kriminalität durch Schließung der Kellerräume

Als Problembereich in der Grohner Düne gelten weiterhin die Keller. Im Rahmen von Kriminalitätsprävention strebt die Hauseigentümerin laut Senatsbericht nun die komplette Schließung der Kellerräume an.
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Grohner Düne: Weniger Kriminalität durch Schließung der Kellerräume
Von Patricia Brandt

Die Grohner Düne gilt als Bremens größter sozialer Brennpunkt. 2016 hat die Stadt mit Hilfe eines Integrierten Entwicklungskonzepts (IEK) begonnen, die Probleme anzugehen. Am Dienstag hat die Verwaltung dem Senat einen Zwischenbericht vorgelegt. Die größte Herausforderung steckt offenbar in der Zeitplanung. Fakt ist: Mehrere Projekte sind bereits gescheitert, andere werden noch vorbereitet. Der Bremen-Nord-Beauftragte Martin Prange würde sich wünschen, dass die vor zwei Jahren gesteckten Ziele schneller umgesetzt werden.

Nach dem damaligen Senatsbeschluss sollen bis 2020 insgesamt rund drei Millionen Euro in die Umsetzung einer Vielzahl von Projekten fließen, die die Situation rund um die Grohner Düne verbessern. Der Großteil des Geldes wurde bislang nicht angetastet. Bisher sind auch keine Bagger angerollt. Martin Prange hofft, dass zumindest die Bauarbeiten im Frühjahr 2019 beginnen. Wie berichtet, soll die benachbarte Grünanlage mit Spielplatz und Familienzentrum als „Oase“ gestaltet und ein Übergang über die Friedrich-Klippert-Straße geschaffen werden.

Die geplante Umgestaltung des Vegesacker Bahnhofsumfeldes mit neuer Verkehrsführung, veränderter Aufstellung der Linienbusse und Überdachungen zum Schutz vor Regen wird sich noch hinziehen: Hier beginnen dem Zwischenbericht der Verwaltung zufolge gerade erst die Planungen.

Umgestaltung des Erdgeschosses

Auch an der Umgestaltung des Erdgeschosses der Grohner Düne wird noch gearbeitet. Um den Wohnkomplex mit mehr als 1000 Bewohnern zu öffnen, werden einige der sieben Ladeneinheiten schrittweise umgenutzt. Zwei Geschäfte haben mittlerweile geschlossen. Im Zwischenbericht heißt es: „GCP und die Stadt Bremen sind sich diesbezüglich einig: Es geht vor allem um die Nutzungsänderung der Räume – Dienstleistung für Bürger statt obskurer Gastronomie.“ Die Eigentümerin hat dem SOS Kinderdorf bekanntlich bereits mietfrei Räumlichkeiten für einen Mittagstisch und einen Secondhand-Laden zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung weiterer Geschäfte wird laut Vorlage zurzeit geprüft.

Nach Worten von Verwaltungsmitarbeitern seien die beiden geschlossenen Läden in erheblichem Umfang Ausgangspunkt für Unruhe und Kriminalität gewesen. Erst in diesem Jahr hatte es eine Razzia in der Düne gegeben, bei der Waffen und Drogen sichergestellt worden waren.

Als besonderer Problembereich gelten weiterhin die Keller, da weiterhin nicht klar sei, wer die Keller für welche Zwecke nutze. Wie es im Zwischenbericht heißt, strebt Grand City Property (GCP) die komplette Schließung der Keller an. Bei Neubelegung werden Mietern demnach Kellerräume nicht mehr angeboten. Um Kriminalität vorzubeugen, hat GCP auch eine Videoüberwachung installiert. Allerdings gibt es laut Zwischenbericht Probleme aufgrund technischer Ausfälle.

GCP finanziert sämtliche Investitionen in die Wohngebäude und die Außenbereiche. Die zwischen Stadtgemeinde und Eigentümerin geschlossene Kooperationsvereinbarung wird als praktikabel und partnerschaftlich beschrieben. Seit dem Kauf habe GCP unter anderem in Wohnungsrenovierungen, Fahrstühle und eine Erneuerung des Spielplatzes investiert und wolle unabhängig vom IEK weiter investieren. Zudem wurden ein lokales Servicebüro eröffnet und ein professioneller Hausmeisterdienst eingerichtet. Es gibt einen Sozialarbeiter, Mietschuldenberatung und einen privaten Sicherheitsdienst. In einem nächsten Schritt sollen die Taubenschutznetze an den Balkonen erneuert werden.

Kulturprojekt gescheitert

Um Kindern aus der Düne bessere Bildungschancen zu eröffnen, wurde dem Horthaus eine halbe und dem Familienzentrum Haus Windeck eine ganze Sozialpädagoginnenstelle zugesichert. Auch die Schulen im Umfeld der Düne wurden mit weiteren Schulsozialarbeitern ausgestattet. Erst in diesem Herbst wurden „aufgrund der vorliegenden Problemlagen“ 1,75 Stellen neu geschaffen: An der Gerhard-Rohlfs-Oberschule sind nun insgesamt vier Stellen besetzt. An der Grundschule am Wasser bereitet bei der Aufstockung der Fachkräftemangel Schwierigkeiten: So bleibt von 1,75 Stellen aus Krankheitsgründen eine halbe Stelle unbesetzt.

Gescheitert ist bisher das Ziel, die Bewohner der Düne mit hilfevon kulturellen Projekten einzubinden: „Für die Umsetzung einer kulturellen Veranstaltungsreihe an Orten rund um die Grohner Düne haben sich bisher noch keine lokalen Interessenten gefunden“, steht im Zwischenbericht. So war nach einem Auftritt des Jugendsinfonieorchesters Bremen-Nord im Innenhof der Düne eine Veranstaltungsreihe geplant. Auch die Idee einer „Weltbühne Bremen-Nord“ ist vom Tisch. Die 2016 geplante Hood-Trainingsanlage konnte aufgrund nicht zu klärender Trägerschaft ebenfalls bisher nicht auf dem Gelände des Sportplatzes nördlich des Bahnhofs aufgestellt werden. Zurzeit überlegen Stadt und Eigentümerin, die Hood-Anlage auf dem Grundstück der Grohner Düne aufzubauen.

Zum Teil war die Auslastung von Angeboten auch schwankend. So erschienen einige Langzeitarbeitslose trotz Zuweisung des Jobcenters Bremen-Nord überhaupt nicht. 2019 will das Arbeit und Lernzentrum (ALZ) mit Grone-Schulen Niedersachsen GmbH kooperieren. Für das geplante integrationsfördernde Projekt ist eine Teilnehmerzahl von 65 vorgesehen.

Dass die Umsetzung des Gesamtkonzeptes für die Düne nicht starr ist, zeigt sich auch daran, dass heute 22 Projekte laufen. Ursprünglich waren nur 20 Projekte beschlossen worden. So hat das Jobcenter unter dem Titel „Arbeits-Düne“ neue Angebote zur Qualifizierung und Umschulung von Langzeitarbeitslosen im Erdgeschoss der Düne gestartet. Sie sortieren Kleidung für den Kinder-Secondhand-Laden, arbeiten als Küchenhelferinnen beim Mittagstisch oder reparieren Spielzeug.

Die im Bewohnertreff der Düne stattfindende „Kreativwerkstatt International“, bei der Textiles zum Selbstkostenpreis gestaltet wird, wird beim Jobcenter Bremen-Nord so stark nachgefragt, dass die Auslastung fast 100 Prozent beträgt. Die Teilnehmerzahl wurde von 8 auf 15 aufgestockt. Die Laufzeit der Maßnahme wurde bis Mai 2019 verlängert. Angestrebt wird schließlich auch eine Fortsetzung des Einsatzes der drei Integrationsbegleiter, die über das Landesprogramm Lazlo finanziert werden. Sie unterstützen die Dünenbewohner mit Dolmetschertätigkeiten.

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