Park-and-Ride in Bremen-Nord Politiker denken über Ausbau der Pendlerparkplätze nach

An den Haltepunkten der Bahnstrecke zwischen Farge und Burg gibt es knapp 1000 Pendlerparkplätze. Die Angebote an den Bahnhöfen Vegesack und Burg könnten vielleicht ausgeweitet werden, meinen Kommunalpolitiker.
18.05.2020, 09:17
Lesedauer: 4 Min
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Von Klaus Grunewald

Sie zählt zu den Kurz-Bahnstrecken in Deutschland mit den meisten Haltepunkten: Auf dem gerade 17 Kilometer langen Schienenstrang zwischen Farge und Burg gibt es insgesamt zwölf Stationen. Und etliche Zugreisende steigen vorher und nachher um: vom Auto in die Bahn oder umgekehrt. In den meisten Fällen finden sie ausreichend Parkplätze vor, rund 950 insgesamt. Dennoch haben Kommunalpolitiker in Vegesack und Lesum in jüngster Zeit zusätzliche Stellflächen an den Bahnhöfen angemahnt.

Die Verkehrsmanagement-Zentrale Bremen (VZB) listet für folgende Haltepunkte Parkplätze auf: Farge (26), Blumenthal (29), Vegesack (103), Schönebeck (190), St. Magnus (75), Lesum (168) und Burg (260). Hinzu kommen 38 Parkplätze beim Bahnhof Beckedorf/Klinikum Bremen-Nord sowie etwa 50 beim Aumunder Bahnhof. Darüber hinaus sind einige Plätze für behinderte Bürger ausgewiesen. Keine Stellflächen werden an den Haltepunkten Turnerstraße, Kreinsloger und Mühlenstraße in Blumenthal vorgehalten. Dort lassen Pendler ihre Fahrzeuge am Straßenrand stehen.

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Die Auslastung der Park-and-Ride-Plätze ist nach den Worten von Jens Tittmann, Pressesprecher der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, unterschiedlich. So würden die Stellflächen in Farge und Blumenthal gut, in Beckedorf und beim Bahnhof Aumund dagegen nur mäßig angenommen. In Aumund werde der P+R-Platz im Zuge der Neubebauung des benachbarten Schlachthofgeländes modernisiert, wobei sich die Zahl der Stellplätze jedoch nicht verändern soll.

Als mäßig bis gut stuft die Verkehrsabteilung der senatorischen Behörde das Interesse der Autofahrer am Parkplatz beim Bahnhof Vegesack ein. Er wird privat betrieben und ist deshalb als einziger zwischen Farge und Burg gebührenpflichtig. Für eine Tageskarte sind 2,20 Euro zu entrichten, die Monatskarte kostet 28 Euro.

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Nach den Worten von Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt gibt es im Stadtteilparlament Überlegungen, die Kapazitäten am Bahnhof durch den Bau eines Parkhauses zu erweitern. Diese Forderung müsse im Rahmen des Gesamtpakets „Umgestaltung des Vegesacker Bahnhofsplatzes“ weiter erörtert werden. Zudem sei dann die Deutsche Bahn in die Gespräche einzubeziehen. Wie berichtet, reichen die vorhandenen Parkflächen nach Ansicht der Vegesacker CDU-Fraktion nicht aus. Demgegenüber hält die SPD eine Erweiterung durch ein Parkhaus nicht für erforderlich, während die Grünen ein Zubringersystem mit Kleinbussen zum Bahnhof empfehlen, um das Klima zu schonen.

Gut angenommen wird laut Tittmann das Parkangebot beim Haltepunkt Schönebeck und sehr gut sogar beim Bahnhof Lesum. Dagegen sei der Parkplatz beim Bahnhof St. Magnus nur mäßig ausgelastet. Ein Grund und zugleich ein Ärgernis für andere Verkehrsteilnehmer: Weil ein Teil des Parkplatzes schlecht ausgeleuchtet ist, wird er vor allem in der dunklen Jahreszeit zum Teil gemieden. Und immer wieder wird dann beklagt, dass Pendler ihre Autos am Straßenrand abstellen. Burglesums Ortsamtsleiter Florian Boehlke erinnert in diesem Zusammenhang an einen Beiratsbeschluss aus dem Jahre 2018, die Abstellfläche um 31 Plätze zu erweitern und besser zu beleuchten. Bislang aber stünden dafür keine Gelder zur Verfügung.

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Die meisten Parkplätze an den Haltepunkten der nordbremischen Bahnstrecke hält der Bahnhof Burg vor. Und sie sind bei den Pendlern begehrt. Das Verkehrsressort spricht von einer Auslastung von rund 90 Prozent. Oft finden die Autofahrer vor allem in den Morgenstunden keinen freien Platz mehr. Burglesums Kommunalpolitiker haben deshalb wiederholt auf die Möglichkeit hingewiesen, das Parkhaus um eine weitere Etage auszubauen. In dem Fall, so Boehlke, könnten im Untergeschoss auch zusätzliche Abstellplätze für Fahrräder geschaffen werden. Die Bremer Verkehrsbehörde dämpft allerdings die Hoffnungen. „Eine Aufstockung des Parkhauses ist zurzeit nicht vorgesehen“, sagt Jens Tittmann.

Fahrradständer und-boxen sind an den nordbremischen Haltepunkten der Bahn ebenfalls stark gefragt. Momentan können am Burger Bahnhof 154 Fahrräder geparkt werden. Bike+Ride-Stationen gibt es zudem bei den Bahn-Haltepunkten Lesum (124), Schönebeck (56), Vegesack (139), Aumund (40), Beckedorf/Klinikum Nord (56), Blumenthal (72) und Kreinsloger (40). Ihre Nutzer tragen ebenso zur Klimaentlastung bei wie die Pendler, die vom Auto in den Zug steigen.

Seit 2007 verfügt der „Bremer Norden über eine der modernsten Nahverkehrsstrecken der Bundesrepublik“, wie es die damalige Geschäftsführung der Farge-Vegesacker Eisenbahn vor 13 Jahren formulierte. Und der ehemalige Bausenator Ronald-Mike Neumeyer (CDU) sagte seinerzeit anlässlich der Unterzeichnung des Ausbauvertrages: „Mit der Wiederinbetriebnahme der Farge-Vegesacker Eisenbahn für den Personenverkehr wird ein lang ersehnter Traum Wirklichkeit.“

Vorher aber musste noch ein "staatspolitisches“ Hindernis aus dem Weg geräumt werden, wie sich Schwanewedes Bürgermeister Harald Stehnken erinnert. Schließlich sei der von Bremen wegen des benachbarten Krankenhauses gewünschte Haltepunkt samt Parkplätzen auf dem Grundstück der Farge-Vegesacker Eisenbahn in Beckdorf und damit auf Schwaneweder Territorium gebaut worden. Deshalb wird denn auch die dortige Fahrradstation vom Rathaus der Nachbargemeinde bewirtschaftet.

Die meisten Züge der Nordwestbahn, die auch von Beckdorfern genutzt werden, sind gegenwärtig freilich nahezu leer. „Das Coronavirus macht auch uns zu schaffen“, sagt Pressesprecher Steffen Högermann und präzisiert: „Wir haben auf der Strecke zwischen Farge und Bremen 70 Prozent weniger Fahrgäste als zu normalen Zeiten.“ Auch die Parkplätze an den Bahnhöfen weisen in diesen Tagen entsprechend erhebliche Lücken auf.

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