Reiseführer

Von Elsfleth in die Häfen der Welt

Als Geheimtipp für Urlauber sieht der neue Reiseführer „Wesermarsch und umzu“ das platte Land nordwestlich von Bremen. 88 Lieblingsplätze werden darin vorgestellt.
01.03.2020, 06:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Elsfleth in die Häfen der Welt
Von Peter Mlodoch

Es ist wahrlich eine virtuelle Monster-Aufgabe, mit der auch schon frühere CDU-Ministerpräsidenten aus Niedersachsen so ihre Probleme hatten: einen 398 Meter langen und 56 Meter breiten Containerriesen mit 14. 000 Metallboxen an Bord sicher an die Kaje des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven manövrieren. Oder am Burchardkai in Hamburg, oder im chinesischen Guangzhou Port, oder im Port Botany im australischen Sydney. In Elsfleth kann man diese Herausforderungen hautnah annehmen. Hier steht der Schiffführungssimulator des Fachbereichs Seefahrt und Logistik der Jade Hochschule.

Angehende Kapitäne und Offiziere können an diesem Großgerät unter realitätsnahen Bedingungen Schiffe steuern, am Radar und über elektronische Seekarten navigieren. 160 Stunden müssen die Seeleute in Spe während ihres Studium hier verbringen. Der Simulator mit seinen fünf komplett ausgestatteten Schiffsbrücken zählt weltweit zu den modernsten seiner Art. Die Häfen rund um den Globus laden aber nicht nur für die künftigen Profis ein. In Elsfleth dürfen auch ganz normale Besucher mit an Bord – nach einer verbindlichen Anmeldung bei der örtlichen Touristikinformation. „Da treten plötzlich die spannendsten Momente in realistisch nachempfundenen Situationen auf“, berichtet Diana Mosler über Gegenverkehr, Unwetter, Nebel, unerwartete Hindernisse. „Kühlen Kopf bewahren und Entscheidungen treffen“, rät die Lüneburger Kommunikationsexpertin. „Diese bleiben aber zum Glück ohne reelle Folgen für Mann und Maus, denn selbst bei einer Havarie passiert ja nicht wirklich etwas.“ Trotzdem sollte jeder ein bisschen Seetauglichkeit mitbringen. „Denn oben auf der Brücke hat man tatsächlich das Gefühl, dass der Boden unter den Füßen leicht schwankt.“

Auf der Suche nach Sehenswürdigkeiten

Diese Hinweise finden sich in dem neuesten Reiseführer des Gmeiner-Verlags. In der Reihe „Lieblingsplätze“ heißt es nach Büchern etwa zum Hochschwarzwald, zum Sauerland oder zu den ostfriesischen Inseln nun „Wesermarsch und umzu“. Die Gegend nordwestlich von Bremen zählt nun nicht gerade zu den bevorzugten Destinationen. „Ostfriesland ist als Urlaubsregion bekannt. Aber das platte Land zwischen Nordsee, Jade und Weser häufig nicht. Genau das wollen wir ändern“, sagt die gebürtige Nordenhamerin Natascha Manski, die gemeinsam mit ihrer Freundin und früheren Zeitungskollegin Mosler in und rund um Wilhelmshaven, Brake, Berne, Lemwerder, aber auch Bremerhaven, Bremen-Nord und Oldenburg auf die Suche nach Sehenswürdigkeiten und lohnenswerten Ausflugszielen gegangen sind.

Herausgekommen sind 88 Lieblingsplätze, jeder mit einem seitengroßen Foto und einer Minireportage plus persönlichen Tipps auf der Seite gegenüber. Wie über die Gaststätte Treffpunkt Kaiserhafen in der Auswandererstadt Bremerhaven. Das Restaurant, das sich auch als „Letzte Kneipe vor New York“ einen Namen gemacht hat, kommt eher als Museum für kuriose Schiffs-Utensilien daher. Der Pächter habe diese etwa nicht gekauft, schreibt Manski, die heute als Pressesprecherin des niedersächsischen Agrarministeriums in Hannover arbeitet und auch schon einige Wesermarsch-Krimis veröffentlicht hat. Vielmehr seien es geschenkte Mitbringsel der Seeleute von ihren Touren über die Weltmeere. „Auch der alte Taucheranzug mit dem Kupferhelm ist keine reine Deko – er gehörte einem Bremer Hafentaucher.“

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Das Buch entführt seine Leser in den Museumshaven Vegesack, in die Klosterruine Hude, an das Ochtum-Sperrwerk in Lemwerder und in die Strandappartements der Weser-Insel Harriersand. Natürlich gehören neben Cafés und Restaurants auch die bekannten Touristen-Klassiker wie das Marinemuseum Wilhelmshaven, der Zoo am Meer in Bremerhaven oder das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg zu den Lieblingsplätzen – aber eben in Größe und Aufmachung gleichberechtigt neben allen anderen.

Zu den persönlichen Favoriten der Autorinnen zählt die Milchtankstelle auf dem Hof von Carina und Nils von Deetzen in Jade-Norderschweiburg. „Cremiger Genuss zu jeder Zeit“, heißt es über den 24-Stunden-Zapfautomaten dort. Selbst für Fernweh und richtiges Urlaubsfeeling sorgen Manski und Mosler: Sie schicken ihre Leser an den Strand von Oberhammelwarden – in die „Karibik der Wesermarsch“.

Weitere Informationen

Natascha Manski und Diana Mosler. Lieblingsplätze Wesermarsch und umzu. Gmeiner, Meßkirch, 192 Seiten, 17 €.

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