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IGS Grasberg bildet Buslotsen aus
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Eine Frage der Zivilcourage

Sabine von der Decken 29.01.2019 0 Kommentare

Rollenspiel im Bus (von links): Weil Liana und Lea ihrer Mitschülerin Yule den Ausstieg versperren, schalten sich die Buslotsen Mihailo und Ibu ein und sorgen für eine friedliche Lösung des Konflikts.
Rollenspiel im Bus (von links): Weil Liana und Lea ihrer Mitschülerin Yule den Ausstieg versperren, schalten sich die Buslotsen Mihailo und Ibu ein und sorgen für eine friedliche Lösung des Konflikts. (Sabine von der Decken)

Grasberg. Seit 2011 gibt es im Gebiet des Verkehrsverbunds Bremen-Niedersachsen (VBN) bereits Schulbusbegleiter. Jetzt ist auch die IGS mit an Bord und lässt Sechst- und Siebtklässler zu Buslotsen ausbilden. Denn hier es geht um mehr als nur geordnetes Ein- und Aussteigen.

Die Liste ist lang, und die Berichte werden emotional, wenn die Grasberger Schüler der IGS über das Verhalten von Mitschülern vor und im Bus berichten. Drängeln, stoßen, Mützen klauen und Füße auf den Sitzen sind da nur einige Punkte, an denen sich die Schüler und zukünftigen Buslotsen stoßen. Eine ganz andere Dimension wird erreicht, wenn Schüler Wunderkerzen und Böller während der Busfahrt zünden. „Es ist chaotisch“, so auch das Urteil von IGS-Lehrerin Sina Krause. Eigentlich handelt sich bei den Schulbusbegleitern um ein Projekt für Achtklässler, wie Veronika Schlierf von der Öffentlichkeitsarbeit des VBN deutlich macht. Aufgrund der besonderen Situation der IGS Grasberg aber arbeiten VBN, Polizeiinspektion Verden/Osterholz und die Verkehrsbetriebe in Grasberg hier erstmals mit jüngeren Schülern. Ziel der von Schlierf als Zivilcourageprojekt bezeichneten Ausbildung zum Buslotsen sei es, kleinere Konflikte bereits durch reine Anwesenheit von Schulbusbegleitern zu verhindern oder aber zu regeln. Um für jede Situation gewappnet zu sein, trainieren die Sechst- und Siebtklässler während der vier Ausbildungstage im Klassenzimmer und im Bus.

„Der Busfahrer kann nicht alles sehen.“ Mit dieser Aussage macht Mobilitätstrainer und Busfahrer André Gieschen an diesem Morgen den Schülern seine ganz besondere Position im Bus deutlich. Sein exponierter Platz im vorderen Teil des Busses hindert ihn daran, alle Geschehnisse im Fahrzeug im Auge haben zu können. Das bestätigen an diesem Praxistag auch die Schüler, die während des Rollenspiels den Part des Busfahrers übernehmen.

Über die Angst mancher Schüler, mit dem Bus zu fahren, berichtet die Siebtklässlerin Merle. Schon früher war sie versucht, sich einzumischen. Mit dem Ausweis des Buslotsen in der Tasche habe sie nun den Rückhalt durch Busfahrer und Schule, sich mit Fug und Recht einzumischen. Das sieht auch Yule so, die von Nasenbluten infolge von Gedrängel erzählt. Ibrahims Intention, sich während mehrerer Wochen elf Stunden lang zum Buslotsen ausbilden zu lassen, ist eine ganz besondere. Sein Berufswunsch, Busfahrer zu werden, steht bereits fest. Um seine zukünftigen Berufskollegen schon jetzt unterstützen zu können, hat er sich für das freiwillige Zivilcourage-Projekt angemeldet.

Mehr wert als eine Eins in Mathe

Denn es braucht jede Menge Zivilcourage, sich vor Mitschülern behaupten zu können. Daran aber mangelt es den 13 Grasberger Schülern nach ihrer Ausbildung nicht mehr. Sie erhalten ein Zertifikat und einen „Eintrag“ im Zeugnis zu ihrem ehrenamtlichen Engagement. Und das sei manchmal mehr wert, als so manche Eins in Mathe, sagt Veronika Schlierf. Zehn Schulen beteiligen sich im VBN-Gebiet an diesem Projekt. So manches Mal aber sei es schwer, ausreichend Schüler für das Projekt zu bekommen. In Grasberg war das ganz anders. Hier störten sich 13 Schüler so massiv an den Zuständen vor und im Bus, dass sie als Konsequenz die Ausbildung zum Schulbusbegleiter wählten.

Schon beim Einsteigen beginnt ihr Job. „Hallo, ich bin der Buslotse“, stellen sie sich bei Fahrtantritt beim Fahrer vor. Auf den Buslinien fahren sie zu zweit, einer vorn, einer hinten im Bus. Und jeder Buslotse fährt nur bis zu seiner Heimatbushaltestelle mit. So ist gewährleistet, dass ihre ehrenamtliche Arbeit keinen weiteren Zeitaufwand fordert. Nur Zivilcourage. Sollten sich die Schulbusbegleiter nicht gegen ihre Mitschüler durchsetzen können, wird der Vorfall dem Busfahrer und auch der Schule gemeldet. Die Folge könne laut Gieschen und Schlierf auch der Entzug der Busfahrkarte sein.

Mirko Marucha von der Polizeiinspektion Verden/Osterholz hat während des Rollenspiels die Aufgabe, die einzelnen Vorfälle straf- und zivilrechtlich zu bewerten. Für die zukünftigen Buslotsen ist seine Anwesenheit ein Zeichen, dass es sich bei dem Buslotsenprojekt um eine ernsthafte Sache handelt. Marucha macht deutlich, dass das Zünden von Böllern wie auch Beschädigungen des Busses in jedem Fall zur Anzeige führen. „Es kann ganz schön teuer werden“, sagt er, „und das übernimmt keine Versicherung.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...