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Mobbing-Interventions-Team in der IGS
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Gewaltfreie Kommunikation als Antwort

Undine Mader 04.04.2018 0 Kommentare

"Man muss rechtzeitig ansetzen, bevor die Fronten verhärten", sagt Lehrerin Wiebke Lueken (links) von der IGS Lilienthal und arbeitet darum gemeinsam mit dem Schulsozialpädagogen Andreas Kostian und zwei weiteren Kolleginnen im Mobbing-Interventions-Team der Schule. (Sabine von der Decken)

Grasberg. "Die Qualität der Schimpfwörter ist schon schlimmer geworden", sagt die Lehrerin Wiebke Lueken nach 40 Jahren im Schuldienst. Aber Ausgrenzen, das habe es schon immer gegeben. Trotzdem gucken die Lehrer heute genauer hin. Wenn ein Schüler immer stiller wird oder in den Pausen allein da steht, könnte das eine Aufgabe für das Mobbing-Interventions-Team (MIT) der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lilienthal bedeuten. Auch wenn nicht jeder Streit, jeder Konflikt mit Mobbing gleichzusetzen sei, gehe es darum, in einem Mobbing-Fall aktiv zu werden, bevor sich die Fronten verhärteten, erklärt Lueken. Derzeit gehören dem MIT vier eigens dafür geschulte Lehrer an. Nach einem festen Ablaufplan greifen sie an den IGS-Standorten Lilienthal und Grasberg bei Mobbing ein.

Um als Lehrer Mobbing zu spüren, braucht es feine Antennen. "Kinder wollen es oft nicht zeigen", sagt Marlene Muchow vom MIT. Zu groß sei die Angst, dass sie es beim Eingreifen Erwachsener "besonders dicke" zurück bekommen. Doch Schweigen hilft nicht. "Wenn man nichts macht, wird es schlimmer", weiß Muchow. Ganz allein sind die malträtierten Kinder nicht. Wiebke Lueken betont: "Man merkt es." Die Lehrerteams beobachten ihre Schüler aufmerksam.

"Du bist nicht schuld"

Etwa einmal im Monat muss das MIT seit seinem Start vor etwa zwei Jahren aktiv werden. Mobbing bedeutet, dass jemand innerhalb von vier Wochen mehr als dreimal verbal oder tätlich von Mitschülern attackiert wird. "Wiederholt und über einen längeren Zeitraum", nennt Lueken das. Zunächst schaue sie, ob es ein Konflikt sei, bei dem eine Mediation genüge. Handelt es sich um wirkliches Mobbing, signalisiert sie dem Opfer zuerst: "Du bist nicht schuld." Aus der Berufserfahrung und der Weiterbildung bei der Landesschulbehörde weiß Wiebke Lueken, dass Mobbing nicht an einem selber liegt. "Es kann jeden treffen."

Meistens ist es die Beratungslehrerin Lueken, die zunächst dem betroffenen Kind zuhört und am Gesprächsende versichert: "Wir kümmern uns darum, dass es besser wird." Und sie sagt dem Kind, dass es bei den folgenden Gesprächen nicht dabei sein muss. Wiebke Lueken weiß: "Das entlastet." So ist es gewollt.  Anschließend werde eine Gruppe aus Haupttäter, Mitläufern und Unterstützern für das Mobbing-Opfer zusammengestellt. Diese fünf oder sechs Schüler laden zwei MIT-Lehrer schriftlich zu einem Gespräch zum Thema "Klassenklima" ein. Im Vorfeld haben sich die Lehrer bei den Kollegen darüber informiert, was jeder von ihnen positiv in die Klasse einbringt. Damit eröffnen sie die Gesprächsrunde und Marlene Muchow betont: "Es geht darum, alle positiv mitzunehmen."

Denn die Arbeit des Mobbing-Interventions-Teams in der IGS basiere auf dem "No-Blame-Approach", einem Ansatz ohne Schuldzuweisung, und auf gewaltfreier Kommunikation. Es gehe also nicht darum, wer was und wann gesagt habe. "Es geht darum, dass es besser wird", betont Marlene Muchow. Und: "Es geht ums Klassenklima. Es geht um die Gruppe." Das Bewusstmachen des eigenen Verhaltens spiele eine große Rolle.

Damit der gewaltfreie Ansatz in diesem Gruppen-Gruppengespräch gelebt werden kann, werden Gesprächsregeln festgelegt. Anschließend werde besprochen, was jeder tun könne, damit es besser werde, erklärt Wiebke Lueken. Die Erfahrung hat sie gelehrt, dass meistens jedes Kind etwas beiträgt, was es tun oder lassen will. Darüber reden, das möge banal klingen, sinniert Lueken. Doch sie und ihre Kollegen haben erlebt: "Meistens hat sich die Situation für den Betroffenen danach verbessert."

Schulleiterin Karina Kögel-Renken ist in der Pause zwischen zwei Unterrichtsstunden kurz ins Zimmer der Beratungslehrerin Lueken gekommen. "Ich empfinde das als positives Signal", sagt sie über die Gespräche und die Arbeit des MIT. Alle sind sich einig, dass das Mobbing-Interventions-Team mit seinen Experten einen wichtigen Baustein im gesamten Erziehungskonzept der IGS darstellt. Zunächst in Grasberg gestartet, ist es inzwischen auch in Lilienthal aktiv. Auf Elternabenden und Fachkonferenzen, mit Flyern und auf der Internetseite der Schule informieren die Mitglieder des MIT über ihre Arbeit. Die ende auch nicht an der Schultür, sagt der Schulsozialpädagoge Andreas Kostian. Er besucht derzeit die Mobbing-Schulung der Landesschulbehörde, bestehend aus fünf Modulen und drei Netzwerktreffen. Während er darüber erzählt, zieht er einen Flyer aus den Papieren auf dem Tisch. "Cybermobbing" steht in roten Lettern darauf. Auch das sei Teil seiner Ausbildung, denn auch das interessiere die Schule.

Andreas Kostian und seine Kollegen legen außerdem Wert auf Vorbeugen, damit es gar nicht erst zum Mobbing kommt. Das passiere in der IGS mittels Gruppenübungen und Sozialtraining in den fünften und sechsten Klassen, so Kostian. Als weiteres Präventionsinstrument sieht Wiebke Lueken den wöchentlichen Klassenrat. Der tage an jedem Freitag in der letzten Stunde in jeder Klasse. "Wenn der gut läuft, wird viel abgefangen." Dann können Konflikte besprochen werden, bevor sie sich tiefer in die Gruppe hinein fressen.


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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 17:47
Diese
,langsame und (auch) demonstrierende‘ Dame
war sich sicherlich darüber im Klaren,
dass 15km/h für einen 🚴🏿‍♀️ ganz schön ...
FloM am 23.10.2019 17:45
"Da sind wir wir letztlich recht nah beieinander"
Häufig ist das so, wenn man erst mal mehr als 140 Zeichen miteinander ausgetauscht hat ...