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Fußball spielen im Hotspot

Zwischen Fürsorge und Zwang: Das Nichtantreten des OSC Bremerhaven hat eine neue Debatte im Bremer Landesverband ausgelöst. Eine rechtliche Handhabe gibt es (noch) nicht.
13.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Stefan Freye
Fußball spielen im Hotspot

Fußballspiele im Hotspot Bremen haben eine neue Debatte ausgelöst.

Christian Kosak

Bremerhaven/Bremen. „Nichtantritt Gast.“ Das offizielle Amateurfußballportal Fussball.de beschreibt mit dieser Formulierung in schlichter Weise einen komplizierten Vorgang. Eigentlich sollte am Sonntag das Bremen-Liga-Spiel zwischen Vatan Sport und dem OSC Bremerhaven ausgetragen werden. Doch weil Bremen mittlerweile ein Risikogebiet ist, entschied man sich beim OSC grundsätzlich gegen entsprechende Auswärtsfahrten. Die erste Herren trat nicht an in Gröpelingen, die erste Frauen nicht zum Spiel in Blumenthal, und zwei Jugendmannschaften der Olympischen verzichteten auch. „Bremen ist ein Hotspot“, sagt Hajo Böhm. Er ist Abteilungsleiter der OSC-Fußballer; es war seine Entscheidung, die Kicker und Kickerinnen nicht fahren zu lassen. „Das war aber mit dem Präsidium abgestimmt“, betont Böhm.

Der Spartenleiter hatte vorher auch mit Andreas Kramer gesprochen, dem Spielausschussvorsitzenden des Bremer Fußball-Verbandes. Einen schriftlichen Antrag hat der Bremerhavener auch formuliert. Dessen Inhalt: Der Spielausschuss möge das Vatan-Spiel doch bitte angesichts der aktuellen Lage absetzen. „Darauf habe ich noch keine schriftliche Antwort erhalten“, sagt Hajo Böhm. Er weiß aber, dass es gar keine rechtliche Handhabe für eine Absetzung gibt. „Wir haben keine Absage für den Sport erhalten, und deshalb konnten wir dem Antrag nicht stattgeben“, sagt Andreas Kramer. Der Funktionär bezieht sich auf die rechtliche Situation. Sie ist eindeutig.

Das hat der BFV am Montag in einer allgemeinen Stellungnahme bekräftigt: Bei den erst am Freitag verschärften Corona-Maßnahmen sei die zulässige Personenzahl bei Fußballspielen auf 100 Personen begrenzt worden. „Die Ausübung von Mannschaftssport mit Körperkontakt ist jedoch weiterhin in der Corona-Verordnung, die immer als rechtliche Leitplanken der Handlungen des BFV dient, erlaubt“, heißt es weiter. Mit anderen Worten: Wenn Fußball in Bremen gespielt werden darf, dann muss ein Verein auch in Bremen antreten. Das will Hajo Böhm indes nicht hinnehmen. Denn die Angelegenheit ist ein bisschen komplizierter. „Es gibt Betriebe, die Empfehlungen an ihre Mitarbeiter gegeben haben, nicht nach Bremen zu fahren“, sagt der OSC-Fußballchef. Wer dann gleichwohl ins Risikogebiet reise, dem drohe eine Quarantäne – und der Verlust seines Arbeitslohnes in dieser Zeit. „Allein bei unserer Frauenmannschaft hatte deshalb die Hälfte der Spielerinnen Bedenken“, sagt Böhm. Er könne nun mal niemanden „zwingen, nach Bremen zu fahren“.

Allerdings beziehen sich die Maßnahmen des OSC Bremerhaven nicht nur auf Auswärtsfahrten. Die „grundsätzliche Sorge“ (Böhm) um die rund 3000 Mitglieder umfasst auch einen gewissenhaften Umgang auf der Vereinsanlage rund um das Nordseestadion. Konkret bedeutet dies, dass die vier aus Bremen stammenden Spieler der ersten Herren derzeit keinen Einlass bekommen und nicht mittrainieren dürfen. Zudem hat der OSC gegenüber dem BFV angekündigt, dass er sich gut überlegen will, ob er den Blumenthaler SV zum Bremen-Liga-Spiel am kommenden Sonnabend empfangen wird.

Der BFV sieht sich nun vor einem Problem, dessen Ausmaße wohl deutlich über dieses „Nichtantritt Gast“ vom Wochenende hinausgehen werden. Deshalb hatten sich die Verantwortlichen der drei Spielausschüsse (Herren, Frauen&Mädchen, Jugend) am späten Montagabend zu einer Videokonferenz verabredet, um eine Lösung zu finden. Mit Spielern und Spielerinnen, denen nach der Fahrt ins Risikogebiet eine Quarantäne durch den Arbeitgeber droht, ließe sich analog zur behördlichen Quarantäne verfahren: Werden mindestens sieben Bestätigungen vorgelegt, wird ein Spiel ohne Folgen abgesagt. Im Fall der Partie bei Vatan droht dem OSC dagegen der Verlust der drei Punkte. Aber damit wird sich wohl demnächst das Sportgericht beschäftigen müssen.

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