Badminton Weltenbummler mit festem Vorsatz

Kirchweyhe. Wenn jemand einer bestimmten Sache seit fast 50 Jahren treu ist, und das freiwillig und gerne, dann kann man schon von einer gewachsenen Leidenschaft sprechen. Bei Hans Schumacher ist das zweifelsfrei der Fall.
26.09.2013, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Weltenbummler mit festem Vorsatz
Von Jens Hoffmann

Kirchweyhe. Wenn jemand einer bestimmten Sache seit fast 50 Jahren treu ist, und das freiwillig und gerne, dann kann man schon von einer gewachsenen Leidenschaft sprechen. Bei Hans Schumacher ist das zweifelsfrei der Fall. Der mittlerweile 72-jährige Kirchweyher symbolisiert pure Badminton-Begeisterung. Der Routinier des 1. Bremer BC hat nicht zwingend durch, aber doch mit seinem Sport die Welt kennengelernt und Titel gewonnen – viele Titel.

Er ist weit gereist, dieser Hans Schumacher. Er hat mit seiner Frau Gudrun ein halbes Jahr in Australien gelebt und das Land per Wohnmobil erkundet, das gleiche erlebten die beiden in den USA. Als Hans Schumacher Anfang der 2000er Jahre in Rente gegangen war, konnten seine Gattin und er ihrer Reiselust, ihrem Interesse an fremden Kulturen frönen. Allerdings bedeutete das nicht, dass Hans Schumacher seinem wohl liebsten Hobby eine Auszeit verabreicht hätte. Eher im Gegenteil, jetzt ging’s erst richtig los – mit dem Badmintonspielen.

In Australien nutzte Hans Schumacher die Zeit, um an den Worldmaster-Games in Melbourne teilzunehmen. „Das sind die Olympischen Spiele für die Alten“, sagt er scherzhaft, wobei die Dimensionen die der „normalen“ Olympische Spiele sprengen. Zwischen 20.000 und 30.000 Teilnehmer zählt das Sportfest jedes Mal. Mitmachen kann jeder, der sich berufen fühlt, eine Qualifikation gibt es nicht. Aber Hans Schumacher nahm nicht nur teil, er spielte sich in den Mittelpunkt. Er holte Gold im Einzel sowie Silber im Mixed und in der Teamwertung. Reichlich dekoriert kehrte er aus Melbourne zurück. Er hatte seiner bis dahin schon stolzen Titelsammlung weitere imposante Eckdaten hinzugefügt.

Und in diesem Stile ging es weiter. Hans Schumacher ist mehrfacher Weltmeister, Europameister, rund 20-facher Deutscher Titelträger, so genau weiß er das selbst nicht mehr, und von den rund 30 Norddeutschen Meisterschaften ist ihm vor allem jene in Erinnerung geblieben, bei denen er mit seiner Mixed-Dauerpartnerin Renate Gabriel (Nienburg) ausnahmsweise mal nicht den Titel holte. Ansonsten gewannen die beiden immer. Wirklich immer. „Wir spielen seit mehr als 40 Jahren zusammen, führen eine richtige Badminton-Ehe“, erzählt Hans Schumacher und muss selber schmunzeln. Überhaupt gehen seine Mundwinkel automatisch nach oben, wenn er über seinen Sport spricht.

All die Erinnerungen, die er damit verbindet, all die Eindrücke, die sich im Gedächtnis festgebrannt haben, sie sind unbezahlbar. Hans Schumacher, der seit 35 Jahren in Kirchweyhe lebt, nahm an den Weltmeisterschaften in Kuala Lumpur (Malaysia) teil, dort, wo Badminton unbestrittener Volkssport ist und die Profis gerne mal in riesigen, 30000 Zuschauer fassenden Hallen aufspielen. Er war bei den offenen amerikanischen Meisterschaften, den US-Senior-Masters in Los Angeles dabei, und von fast überall, wo immer er auch antrat, brachte er etwas mit: einen Pokal, eine Medaille oder Ähnliches.

Auch im bulgarischen Sofia ging er nicht leer aus. Es ist die Stadt seines größten Triumphes. Hier wurde Hans Schumacher 2003 Einzel-Weltmeister seiner Altersklasse, „ein absolutes Highlight für mich“, schwärmt er noch heute.

Die Sammlung im heimischen Wohnzimmer, schön aufbewahrt in einer dekorativen Vitrine, nimmt gigantische Züge an. Sie ist, gemeinsam mit den gesammelten Zeitungsartikeln, „150 müssten es in etwa sein“ (Hans Schumacher), stummer Zeuge einer erfolgreichen sportlichen Laufbahn. Einer, die sich wohl langsam dem Ende zuneigt. Konkrete Ziele verfolge er nicht mehr, sagt Hans Schumacher. Das, was er erreichen wollte, hat er erreicht. Die zwei Trainingseinheiten pro Woche beim 1. Bremer BC, seinem Verein, lässt er sich aber nicht nehmen. Die sind Usus. Genauso wie sein Mitwirken in der Bremer Oldie-Liga, die es seit einigen Jahren gibt, und die sehr gut angenommen werde.

Hans Schumacher: ein Leben mit und für Badminton. Dabei deuteten die Anfänge nicht zwingend darauf hin. Der gebürtige Hamelner, der später in Bremerhaven und Bremen lebte, ehe er in Kirchweyhe sesshaft wurde, ist ein Spätberufener. „Mit Mitte 20 habe ich erst angefangen zu spielen“, blickt er zurück. Und das war eher dem Zufall geschuldet. Er war gerade nach Bremerhaven gezogen, wollte Sport treiben und suchte nach der passenden Herausforderung. Eine Bekannte habe ihn dann auf Badminton aufmerksam gemacht. „Badminton?“, fragte Hans Schumacher, „was ist das denn?“ Die Antwort stellte ihn nicht wirklich zufrieden: „Das ist so wie Federball.“ Und Federball war nun wirklich nicht das, was der junge Hans Schumacher als Herausforderung betrachtete. Trotzdem ging er zum Training, einfach mal so, ohne größere Ambitionen, „und dann war es Liebe auf den ersten Blick“. Die rasanten Ballwechsel, überhaupt das Tempo im Spiel, das Gefühl, alles aus dem Körper herauszuholen, hatten es Hans Schumacher sofort angetan. Sein Talent war greifbar, sein Ehrgeiz flammte auf.

Andere Sportarten? „Habe ich nie ausprobiert, es gab immer nur Badminton“, bekräftigt er. Er war für den Post SV Bremerhaven aktiv, lange und auch höherklassig für den PSV Bremen und nun schon seit vielen Jahren für den 1. Bremer BC. Spaß hat’s immer gemacht. Bis heute. Die Zeit zwischen 2004 und 2005, als er nach einer Knie-Operation für einige Zeit aussetzen musste, war alleine schon deshalb schlimm, „weil ich mich körperlich einfach nicht so wohl fühle, wenn ich kein Badminton spiele“, so Hans Schumacher. Dieses Wissen ist in ihm gereift – und hat ihn um die Welt geführt.

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