NBA in Bremerhaven Wie der Eisbären-Sportdirektor eine erfolgreiche Ära einleiten will

Wie der neue amerikanische Sportdirektor Dan Panaggio die Eisbären Bremerhaven in eine erfolgreiche Ära führen will - Panaggio ist hierfür lange genug im Geschäft.
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Wie der Eisbären-Sportdirektor eine erfolgreiche Ära einleiten will
Von Frank Büter

Den Ring für einen Meistertitel in der nordamerikanischen Profiliga NBA zu erhalten, das ist für die meisten Basketballer ein unerreichbares Ziel. Dan Panaggio besitzt gleich zwei solcher Champions-Ringe. Gewonnen nicht als Spieler, sondern als Assistenztrainer von Phil Jackson bei den Los Angeles Lakers in den Jahren 2009 und 2010. Dan Panaggio trägt diesen kostbaren Ring nicht, dafür ist er schlichtweg zu groß, er würde ihm vom Finger rutschen. Also bewahrt er diese kostbaren Ringe in einer Box auf.

Wenn Dan Panaggio eine solche Schachtel öffnet, rotiert der Ring, und die Diamanten werden von Laserstrahlen beleuchtet. Vor allem im Dunkeln sei das besonders schön, sagt er. Doch wenn man es dann viermal, fünfmal gemacht habe, würde es auch langweilig. Also bleiben die Ringe in ihrer Box. Sie sind eine schöne Erinnerung an eine erfolgreiche Zeit bei den Lakers, wo damals unter anderen auch ein gewisser Kobe Bryant gespielt hat.

Es ist eine von ganz vielen schönen Erinnerungen im Leben von Dan Panaggio. Es ist ein bewegtes Leben. Der gebürtige New Yorker entschied sich schon mit Anfang 20, in die Fußstapfen seines Vaters Mauro zu treten, der in den USA auf den verschiedensten Leveln als Trainer gearbeitet hat und heute als Legende gilt. Dan Panaggio war nicht minder erfolgreich.

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Die Quad City Thunder (Illinois) etwa hat er als Headcoach in der Profiliga CBA (Continental Basketball Association) neunmal in die Play-offs und in den Jahren 1994 und 1998 auch zum Titelgewinn geführt. Von 2001 bis 2005 war er überdies als Assistenztrainer von Maurice Cheeks bei den Portland Trailblazers in der NBA tätig und gehörte später bei den Phoenix Suns zum Beraterstab.

Mehr als vier Jahrzehnte ist Dan Panaggio inzwischen im Basketballgeschäft tätig. Die Leidenschaft für diesen Sport, sagt er mit einem Lächeln, sei ihm bereits in die Wiege gelegt worden. „Als kleines Kind habe ich in der einen Hand die Trinkflasche und in der anderen einen Basketball gehalten.“ Der Weg war also vorbestimmt, als er nach seinem Studium die State University of New York verließ. Er ist stolz darauf, nicht nur in der NBA, sondern auch bei diversen Highschool- und College-Teams gearbeitet zu haben. Stationen, bei denen er wertvolle Erfahrungen sammeln konnte. Das gilt auch für seine Zeit in Venezuela oder in Schanghai, wo er 2012 zum Trainer des Jahres in der chinesischen Profiliga gekürt wurde.

In Bremerhaven hat man Träume

Dan Panaggio verfügt also fraglos über reichlich Erfahrung, „Ich habe älteren Trainerkollegen in all den Jahren immer gut zugehört“, sagt er. Was er nicht sagt: Heute darf man ihm zuhören. Man sollte es sogar, denn Panaggio steckt noch voller Ideen. 63 ist der fünffache Familienvater (drei Töchter, zwei Söhne) inzwischen. Er lebt mit seiner Frau Ellen in Daytona Beach in Florida. Dort hat Dan vor etwas mehr als drei Jahren zusammen mit seinem Bruder Mike Panaggio die DME Sports Academy gegründet.

Eine Akademie, die in eigens entwickelten Trainingsprogrammen Talente fördert. Zum Portfolio gehören Sportarten wie Eishockey, Fußball, American Football und Volleyball, aber natürlich liegt der Schwerpunkt auf dem Basketballbereich, den Dan Panaggio verantwortet. Junge Talente machen sich Jahr für Jahr auf den Weg nach Daytona Beach, um sich hier fit zu machen für das nächsthöhere Level. Für ihren Traum vom Sprung in die NBA.

In Bremerhaven hat man auch Träume. Diese Träume sind etwas bescheidener. Nach Jahren der Stagnation soll es für die Eisbären Bremerhaven in der Basketball-Bundesliga sportlich wieder vorangehen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und helfen soll und will ihnen dabei: Dan Panaggio. Der Amerikaner ist gut vernetzt. Er hat Kontakte in aller Welt. Und er kennt zufällig auch einen gewissen John Treloar. Der war einst Trainer beim OSC Bremerhaven und führte den Klub im Jahr 1986 zur Zweitligameisterschaft. Treloar ist seither mit Wolfgang Grube, dem Mitgesellschafter, Mäzen und Geschäftsführer der Eisbären, gut befreundet. Treloar brachte also Grube und Panaggio zusammen.

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Vor einem Jahr etwa flog Wolfgang Grube nach Daytona Beach, um Panaggio zu treffen und sich die Gegebenheiten vor Ort anzuschauen. Vor einem halben Jahr wiederum folgte der Gegenbesuch. Dan Panaggio kam nach Bremerhaven – und er war sehr angetan von dem, was er bei den Eisbären vorfand. „Ich sehe hier großes Potenzial“, sagt er mit Blick auf das Trainingscenter am Amerikaring, auf die Zusammenarbeit mit dem Schulzentrum Carl von Ossietzky und das angeschlossene Internat. „Ich sehe hier die Möglichkeit“,sagt Panaggio, „ein ähnliches Akademieprogramm wie in Daytona zu starten.“

Bremerhaven – so die Idee – könnte also zu einem Ausbildungsstandort werden, der für Talente aus ganz Deutschland, aber auch aus Europa interessant wird. In Bremerhaven sollen diese Talente dann weiterentwickelt werden. Der Bedarf sei vorhanden, betont Dan Panaggio. Diese Idee ist nun inzwischen gereift, man arbeitet an der Umsetzung. Dan und dessen Bruder Mike sind bei den Eisbären Bremerhaven als Gesellschafter eingestiegen. Sie verstehen sich als Partner der Eisbären. „Wir wollen Wolfgang Grube helfen, das Programm aufzubauen und wachsen zu lassen“, sagt Dan Panaggio. Das sei der Plan. Und dafür wolle man alles tun, „egal, was es benötigt oder kostet“.

Die Bedeutung des Projekts

Angefangen bei ihm selbst. Dan Panaggio ist zurzeit Wahl-Bremerhavener. Und seine Frau Ellen hat er gleich mitgebracht. Noch lebt das Paar in einem Hotel, das ständige Restaurantessen hat Panaggio indes allmählich satt. „Meine Frau kocht gerne“, sagt er. Und auch deshalb wolle man sich nach einer Wohnung umsehen. Die Akademie in Florida läuft. Dan Panaggio hat dort reichlich gutes Personal, das sich kümmert. Und jetzt auch kümmern muss, denn Dan Panaggio wird aktuell in Bremerhaven gebraucht. „Es ist jetzt eine sensible Zeit in unserem Programm“, sagt der 63-Jährige. „Und ich habe hier einen Job zu machen!“

Dieser Job heißt Sportdirektor. Anfang September haben die Eisbären Dan Panaggio auf diesen Posten gehoben. Ein Schritt, mit dem die Bedeutung des Projekts zusätzlich untermauert werden sollte, so Geschäftsführer Wolfgang Grube. Dan Panaggio genießt also vollstes Vertrauen. Er hat Fakten gesammelt. Er hat sich angeschaut, wie das Alltagsgeschäft läuft und einen Plan erstellt, was es aus seiner Sicht zu verbessern gibt. Und er hat beim Kader des Profiteams angefangen. Dan Panaggio hat in Darnell Jackson, Chris Warren, Elston Turner, Jordan Brangers, Kris Jenkins und Keith Benson alle sechs ausländischen Spieler nach Bremerhaven gelotst.

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Das halbe Dutzend Neuzugänge wurde in seiner Akademie zuvor intensiv getestet, „erst dann haben sie einen Vertrag unterschrieben“. Damit aber nicht genug. Wenn Dan Panaggio vor Ort ist, schaut er sich jede Trainingseinheit an. Er will ganz nah dran sein am Klub und an den Teams, auch am Nachwuchs. Er spricht viel mit dem Trainerstab. Er sieht sich jedes Spiel mindestens zweimal an. Er analysiert, macht sich Notizen und hält Rücksprache mit den Coaches. Er diskutiert mit ihnen über Taktiken und Strategien.

Dan Panaggio redet eben gerne und viel über seine Leidenschaft. Und auch Arne Woltmann, der Cheftrainer der Eisbären, liebt es, sich über Basketball in allen Facetten auszutauschen. „Arne ist ein sehr talentierter, junger Coach“, sagt Panaggio über den 44-Jährigen. „Er hat seine eigene Vorstellung davon, Dinge anzugehen und umzusetzen. Und ich werde seinen Plan ganz bestimmt nicht stoppen oder verändern.“ Der Sportdirektor sieht sich also eher in der beratenden Rolle, vertraut aber darauf, dass man ihm als erfahrenem Fuchs zumindest zuhört, wenn er seine Einschätzungen zu verschiedensten Dingen kundtut.

Lange genug im Geschäft

Wohin der gemeinsame Weg führen wird? Ob für die Eisbären jetzt eine neue, erfolgreichere Ära anbricht? „Es ist für uns alle eine Herausforderung“, sagt Dan Panaggio. Viele BBL-Klubs seien größer und hätten auch ein größeres Budget. „Deshalb müssen wir schlaue Schritte gehen“,sagt der Sportdirektor. „Wie viele andere Klubs auch, würden auch wir gerne Champion werden. Aber das kann man nicht über Nacht erreichen. Das muss wachsen, so etwas braucht Zeit.“ Dan Panaggio denkt dabei nicht zuletzt an die Unterstützung der Fans. An die Notwendigkeit, Signale aus der Wirtschaft zu erhalten sowie neue Sponsoren zu akquirieren. „Wir brauchen Partnerschaften in vielen Bereichen – ohne geht’s nicht.“

Panaggio ist lange genug im Geschäft. Er weiß, dass in erster Linie das Eisbärenteam Signale in Form von Siegen senden muss, um das Interesse am Klub wieder zu steigern. Um für eine steigende Identifikation im Land Bremen mit den Eisbären Bremerhaven zu sorgen. Deshalb wolle man alle Kräfte bündeln, um es besser zu machen als in der Vorsaison, wo der Abstieg nur mit ganz viel Dusel verhindert werden konnte. „Wir alle wollen den Erfolg“, sagt Dan Panaggio, der zweifache NBA-Championstrainer. „Deshalb haben wir uns zusammengetan. Und jetzt schauen wir, was wir absehbar erreichen können.“

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