Corona-Hotspot Delmenhorst

Bürgermeister: Wir werden die Maskenpflicht ausweiten

Delmenhorst hat eine der höchsten Sieben-Tages-Inzidenzen in Deutschland. Derzeit liegt der Wert bei 122. Im Interview erklärt der Oberbürgermeister Axel Jahnz, wie er die Ausbreitung eindämmen will.
13.10.2020, 10:16
Lesedauer: 2 Min
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Bürgermeister: Wir werden die Maskenpflicht ausweiten
Von Björn Struß
Herr Jahnz, in Delmenhorst waren die Infektionszahlen lange auf einem niedrigen Niveau. Nun ist die Sieben-Tage-Inzidenz binnen weniger Tage förmlich explodiert. Auf 100.000 Einwohner gerechnet liegt sie bei 122. Wie sehr besorgt sind Sie?

Axel Jahnz: Dass ich besorgt bin, können Sie sich denken. Aber wir haben die Zahlen wachsam beobachtet und waren in einer ständigen Bereitschaft. Es wäre sehr naiv gewesen, mit weiterhin niedrigen Zahlen zu rechnen. Bei den Neuinfektionen gibt es in Delmenhorst derzeit kein Kerngebiet. Das macht es schwieriger, die Probleme zu lösen. Gleichzeitig bieten aber auch viele Freiwillige ihre Hilfe an.

Es gibt also keinen Stadtteil, in dem sich die Infektionen häufen?

Nein. Wir konnten auch kein Cluster erkennen, wie es in der Vergangenheit zum Beispiel Schlachthöfe waren. Trotzdem müssen wir mit Hilfe des Landesgesundheitsamts auch die Entwicklung in unserem Umland genau beobachten. In direkter Nähe zu Delmenhorst liegt eine Großstadt. Ich werfe Bremen nichts vor, trotzdem müssen wir die Entwicklung dort genau im Blick haben.

Bremen hat vor Delmenhorst die kritische Inzidenz-Marke von 50 überschritten. In der vergangenen Woche warnte Gesundheitsminister Jens Spahn davor, dass unter der dynamischen Virusverbreitung in den Großstädten auch das Umland leidet. Ist die Nähe zu Bremen eine Erklärung für die Lage in Delmenhorst?

Möglicherweise. Mit Sicherheit lässt sich das aber nicht sagen.

Haben Sie für den Anstieg der Zahlen noch eine andere Erklärung?

Helge Schuhmann, der Leiter des Gesundheitsamtes in Delmenhorst, hat festgestellt, dass viele Familien betroffen sind. Mit sechs Personen in einem Haushalt können aus einer Infektion schnell fünf weitere entstehen. Wie hoch dieser Einfluss ist, lässt sich aber nicht differenziert sagen.

Was können Sie denn über die 112 Menschen in Delmenhorst sagen, die aktuell infiziert sind?

Derzeit befindet sich niemand auf einer Intensivstation. Bei den Altersgruppen sind querbeet alle Generationen vertreten. Die Mehrzahl der Infizierten ist 40 bis 65 Jahre alt. Es ist also nicht so, dass Corona nur ein Pro­blem der Alten wäre.

Am Donnerstag haben Sie reagiert, indem Sie die Schüler einen Tag eher in die Herbstferien geschickt haben. Stehen nun weitere Schritte an?

Wir werden weiterhin alle Veranstaltungen absagen. Die Einhaltung der geltenden Corona-Regeln werden wir noch schärfer kontrollieren, insbesondere in der Gastronomie. Und wir planen, die Maskenpflicht auszuweiten. Wahrscheinlich wird dies für die Fußgängerzone gelten. Gerade heute habe ich wieder drei Menschen in einem Einkaufspark gesehen, die keinen Mund-Nase-Schutz getragen haben. Einige scheinen immer noch die Einstellung zu haben ‚ist alles easy‘. Wer das angesichts der weltweit rasant steigenden Infektionszahlen immer noch denkt, dem ist nicht mehr zu helfen.

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In einigen Städten und Landkreisen unterstützt die Bundeswehr und hilft etwa beim Nachverfolgen der Infektionsketten. Braucht auch Delmenhorst eine solche Hilfe der Streitkräfte?

Ja, wir haben heute als Stadt eine Anfrage gestellt. Ich hatte auch schon Kontakt zu dem Standortältesten der Delmenhorster Feldwebel-Lilienthal-Kaserne, Torsten Ickert. Die offizielle Anfrage läuft aber über das Landeskommando in Hannover.

Das Gespräch führte Björn Struß.

Info

Zur Person

Axel Jahnz (63) ist SPD-Politiker und Oberbürgermeister von Delmenhorst. Am vergangenen Donnerstag schickte er alle Schüler einen Tag eher in die Ferien und limitierte die Personenzahl von privaten Treffen auf zehn.

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