Ehemaliger OB und Ehrenbürger gestorben "Die Stadt Delmenhorst verliert einen feinen Menschen"

Der ehemalige Delmenhorster Oberbürgermeister und Ehrenbürger Jürgen Thölke ist tot. Er starb am Dienstag nach langer Krankheit im Alter von 87 Jahren.
01.10.2021, 09:47
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jochen Brünner

Der ehemalige Delmenhorster Oberbürgermeister, Landtagsabgeordnete und Ehrenbürger Jürgen Thölke ist tot. Wie die Stadtverwaltung am Freitag mitteilte, starb Thölke am Dienstag nach langer Krankheit im Alter von 87 Jahren. "Die Stadt verliert einen besonderen Menschen und ein echtes Gesicht", kommentierte Oberbürgermeister Axel Jahnz in einer ersten Stellungnahme. "Mit Jürgen Thölke verliert die Stadt Delmenhorst nicht nur ihren langjährigen Oberbürgermeister und Ehrenbürger, sondern einen klugen Beobachter und engagierten Menschen, der die Stadt Delmenhorst, die ihm Heimat geworden ist, geliebt und im Herzen getragen hat", hieß es aus der Stadtverwaltung. 

Thölke wurde 1934 in Hemelingen geboren, damals noch eine eigenständige Gemeinde. 1954 legte er sein Abitur ab, anschließend studierte er Wirtschaft, Pädagogik und Politik. 1967 begann er als Lehrer in den Handelslehranstalten, gemeinsam mit seiner Frau Erika zog er nach Delmenhorst. 1968 trat er in die SPD ein, 1972 wurde er trotz eines schlechten Listenplatzes erstmals in den Stadtrat gewählt.

Unter anderem ließ er sich aufstellen, weil der Lehrer die Ideen der damaligen Stadtväter so schrecklich fand, dass er sie verhindern wollte. Zum Beispiel, dass auf der Burginsel ein Hotel gebaut oder die Wassermühle in der Graft abgerissen werden sollte, um quer durch den Park eine Verbindungsstraße zur Adelheider Straße zu bauen. Zusammen mit Paul Wilhelm Glöckner managte er in dieser Zeit zudem den Wahlkampf. Zunächst war er Vorsitzender des Schulausschusses, dann des Landwirtschafts- und Umweltausschusses, von 1981 bis 1986 Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses.

Zwölf Jahre im Landtag

1974 musste ein neuer Landtagskandidat gefunden werden, Thölke stellte sich für die Sozialdemokraten zur Wahl und war auch hier erfolgreich. Zwölf Jahre gehörte er dem Landesparlament an, ehe er sich 1986 von der Landesbühne verabschiedete. Im gleichen Jahr nominierte ihn die SPD als Kandidat für das Oberbürgermeisteramt, das zu dieser Zeit ja noch ein Ehrenamt war. 1991 und 1996 wurde er jeweils wiedergewählt und blieb 15 Jahre lang – bis 2001 – das politische Stadtoberhaupt, mit den Oberstadtdirektoren Franz Cromme, Willi Schramm und Norbert Boese an seiner Seite.

In seiner Amtszeit wurden etwa das Jute-Gelände saniert, Oggi durch ein Modekaufhaus ersetzt, auf das Gelände der Hansa-Werke zog Kaufland und aus der Caspari-Kaserne wurde ein Wohngebiet. Außerdem stieg Delmenhorst zum Wissenschaftsstandort mit dem Hanse-Wissenschaftskolleg auf. „Es gab harte Auseinandersetzungen in der Sache, aber wir haben uns menschlich immer geachtet“, sagte Jürgen Thölke einmal. Die Ehrenbürgerwürde der Stadt wurde ihm am 12. Februar 2002 für seinen langjährigen Einsatz zum Wohle der Delmenhorster Bürger verliehen. 

Auch nach dem Beginn seines politischen Ruhestandes 2001 mischte Jürgen Thölke, Träger des Bundesverdienstkreuzes, der Niedersächsischen Verdienstmedaille und eines Ordens aus der Partnerstadt Lublin, in verschiedenen Vereinen und Initiativen mit. So war er acht Jahre lang Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände, engagierte sich im Förderverein der Berufsbildenden Schulen I und arbeitete im Heimatverein mit.

Thölke war Jahnz' Lehrer

Axel Jahnz kannte Thölke seit fast 50 Jahren – noch aus dessen Zeit als Lehrer an den Handelslehranstalten: "Da hatte ich ihn im Fach Buchhaltung", erinnert sich der amtierende Oberbürgermeister: "Er hat mich nicht nur als Schüler, sondern auch während meiner ganzen politischen Laufbahn begleitet." Thölke sei immer ruhig und ausgeglichen gewesen, kein Mensch der lauten Töne, das habe er nie nötig gehabt. "Ich konnte mir lange überhaupt nicht vorstellen, dass er auch mal böse werden konnte", erzählt Jahnz. Politisch sei "der Jürgen" über alle Parteigrenzen hinweg anerkannt gewesen und dementsprechend auch völlig zurecht Ehrenbürger geworden. Auch während seiner Amtszeit habe er ihn hin und wieder besucht und den Kontakt gepflegt.

Während die langjährige politische Weggefährtin Ulla Lange daran erinnert, dass Jürgen Thölke unter anderem die Kreisfreiheit mit durchgesetzt habe, hebt Jahnz auch dessen regionales Engagement hervor, das er unter anderem als Mitbegründer des Kommunalverbunds an den Tag gelegt habe. "Jürgen Thölke war zielgerichtet, dabei abwartend, immer ausgleichend, ohne einen persönlichen Vorteil erheischend und immer der Sache dienend", fasst Ulla Lange zusammen: "Die Stadt Delmenhorst verliert einen feinen Menschen."

"Der Verlust stimmt mich sehr traurig. Jürgen Thölke hat ein langes und erfülltes Leben gehabt, und er war für die SPD in Delmenhorst ein ganz wichtiger Mensch und eine Institution", erklärte die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag. "Er wird uns ewig in guter Erinnerung bleiben."

Ab Montag, 4. Oktober, haben Menschen die Möglichkeit, persönliche Gedanken in ein Kondolenzbuch im Delmenhorster Rathaus einzutragen. Die Gelegenheit der Anteilnahme ist in der ersten Etage zu den Öffnungszeiten des Rathauses (Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie Freitag von 8 bis 12 Uhr) bis zur Trauerfeier für den Ehrenbürger und ehemaligen Oberbürgermeister gegeben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+