Restaurants im Lockdown Wieder trifft es die Gastronomen

Von den drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind im November die Gastronomen wieder sehr stark betroffen. In Delmenhorst setzten viele Restaurants auf das „Essen to go“.
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Wieder trifft es die Gastronomen
Von Annika Lütje

Die Gastronomie trifft dieses Jahr schon der zweite Lockdown, die folgen wiegen schwer: Gerade hatten sich die Restaurants und Cafés so gut es ging auf einen Corona-Herbst und -Winter eingestellt und die nötigen Maßnahmen getroffen – entsprechende Hygienekonzepte erstellt und die Außenbereiche teils mit Überdachungen ausgebaut –, da müssen sie ihre Türen schon wieder komplett schließen.

Auch nach der Wiedereröffnung blieb die Branche aufgrund von Abstandsgeboten, Kapazitätsbegrenzungen und Reisebeschränkungen von Normalumsätzen belastet. Von März bis August weist das Statistische Bundesamt ein reales Umsatzminus von 40,5 Prozent aus.

Nun bleiben Tische und Stühle ersteinmal für den Monat November wieder leer, aber wer weiß das schon so genau, wie lange der Lockdown wirklich angeordnet bleiben wird.

Wie schon beim ersten Lockdown im Frühjahr richten nun viele Gastronomiebetriebe wieder einen Take Away-Service ein. Sie liefern bestelltes Essen aus, es kann aber auch abgeholt werden.

Wie bei einem klassischen Lieferdienst: „Nur ist der Unterschied, dass wir kein klassischer Lieferdienst sind“, sagt Alper Samanci, Inhaber des Restaurants Cabarelo. „Wie viele andere Betreiber wollen wir eigentlich unseren Restaurant-Charme beibehalten. In den Take Away-Modus umzuschalten, ist für alle schwierig“, fügt er hinzu.

Da seien vor allem die Kosten. „Wir haben wahrscheinlich mit zehnfach höheren Kosten zu kämpfen als die klassischen Lieferdienste“, sagt Samanci. Allein die Miete und die Versicherungen fürs Ladenlokal blieben bestehen und sind teuer. „Mit unserem Take Away kommen wir gegen einen Lieferdienst nicht an – das wird uns nicht retten, und auf Dauer ist das keine Lösung“, sagt Samanci.

Seiner Meinung nach können nur die versprochenen Entschädigungszahlungen und Überbrückungshilfen des Staates helfen. „Unsere Umsätze sind in den vergangenen Monaten sowieso zurückgegangen. Es geht hier schon längst nichts mehr darum, Gewinne zu machen. Es geht nur noch darum, den Betrieb am Leben zu halten“, so Samanci. Er hofft, dass die Zahlungen schnell und unbürokratisch vorgenommen werden.

Doch seine größte Hoffnung ist, dass die Gastronomie bald wieder öffnen darf. „Wir sind ja erwiesenermaßen nicht der Grund für die hohen Infektionszahlen. Da ist es schon eine Klatsche von der Politik, wenn einem der Laden dicht gemacht wird. Auf der anderen Seite wäre sonst wohl ein kompletter Lockdown an den Hotspots die Konsequenz gewesen. Es ist eben ein schwieriges Thema, und alle müssen gut abwägen“, sagt er.

Auch Sait Demir fühlt sich vom erneuten Lockdown schwer gebeutelt. Der Inhaber des Rhodos an der Stedinger Straße setzt darauf, dass er mit seinem Außer-Haus-Verkaufsangebot seine treuesten Kunden zufrieden stellen kann. „Als bekannt wurde, dass die Gastronomie im November schließen muss, war bei uns noch einmal die Hölle los“, beschreibt Demir. Ab 17 Uhr bietet er nun den Abholservice an. „Die Gäste können telefonisch bestellen und bekommen ihre Bestellung nach etwa 20 Minuten überreicht“, sagt er. Einen wirtschaftlichen Verlust muss Demir einkalkulieren, der Außer-Haus-Verkauf könne nur ein Service sein. Ausgesucht wird die Bestellung über die normale Speisekarte, „wir geben dann auch schon einmal ein Präsent mit“, sagt Demir. Was auf gar keinen Fall passieren dürfe, wäre eine Fortsetzung des Lockdown in den Dezember hinein. Seine Mitarbeiter hat Demir für den November in Kurzarbeit geschickt, er schaut verunsichert ins Vorweihnachtsgeschäft.

Um Bürgern einen Überblick über die Angebote der gastronomischen Betriebe im Monat November zu bieten, lässt übrigens die Wirtschaftsförderung in der Gemeinde Ganderkesee ihr Portal zu Außer-Haus-Verkäufen und Lieferdiensten wieder aufleben. „Im März hat unser Online-Portal eine große Resonanz erhalten“, berichtet Wirtschaftsförderin Christa Linnemann. Viele Bürger hätten die Angebote der Unternehmen zu schätzen gewusst. Auch hätte bei einigen der Wunsch bestanden, die heimische Wirtschaft in dieser Zeit zu unterstützen. Linnemann hofft, dass beide Motive auch jetzt wieder zum Tragen kommen, und ruft die Unternehmen zur Meldung ihrer Angebote auf. Je vielfältiger die Auswahl sei, desto attraktiver sei sie auch für die potenziellen Kunden.

Das Gastgewerbe soll Zuschüsse von der Bundesregierung erhalten. Pro Woche der Schließung betragen sie 75 Prozent des durchschnittlichen wöchentlichen Umsatzes im November 2019. Für junge Unternehmen gelten die Umsätze im Oktober 2020 oder der monatliche Durchschnittsumsatz seit Gründung als Maßstab. Für Restaurants wird die Umsatzerstattung auf 75 Prozent der Umsätze im Vergleichszeitraum 2019 mit vollem Mehrwertsteuersatz begrenzt. Damit werden Außer-Haus-Verkaufs-Umsätze herausgerechnet. Im Gegenzug wird der Außer-Haus-Verkauf während der Schließungen von der Umsatzanrechnung ausgenommen.

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