Schutz vor Corona Verunsicherung wegen Kinderimpfung

Soll man oder lässt man es lieber bleiben? Viele Eltern sind unsicher, ob sie ihr Kind gegen Corona impfen lassen sollen oder nicht. Zwei Ärzte versuchen zu beruhigen.
21.01.2022, 15:45
Lesedauer: 4 Min
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Verunsicherung wegen Kinderimpfung
Von Annika Lütje

Die Omikron-Variante des Coronavirus greift um sich, und die Welle der positiven Tests rollte nun auch durch die Schulen und Kindertagesstätten. Eine Option, auch seine jüngeren Kinder – nämlich die Fünf- bis Elfjährigen – per Impfung vor einer Erkrankung zu schützen, gibt es seit Dezember vergangenen Jahres. Doch die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre Empfehlung so schwammig gehalten, dass viele Eltern nun verunsichert sind: Sollen sie ihre Kinder impfen lassen oder lieber nicht? Welche Option hält ein größeres Risiko für die Kinder bereit? Was ist richtig, was ist falsch? Und vor allem: Wer berät die unentschlossenen Eltern?

Die Stiko empfiehlt die Impfung Kindern, die vorerkrankt sind oder die engen Kontakt zu Familienangehörigen haben, die im Falle einer Ansteckung aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheitszustandes schwer erkranken würden. Des Weiteren könnten Kinder zwischen fünf und elf Jahren auf individuellen Wunsch der Eltern geimpft werden. Mal ehrlich: Viel schlauer wird man dadurch nicht – jedenfalls, wenn die ersten beiden Bedingungen nicht erfüllt sind.

Der Rat der Stiko, die beim Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelt ist, lautet, sich beim Kinderarzt des Vertrauens genauer über das Für und Wider zu informieren. Doch das ist nicht so einfach, denn die Kinderarztpraxen sind derzeit häufig überlaufen. Zeit für Beratung bleibt den Kinderärzten kaum. Ein Hinweis der jeweiligen Arzthelferinnen lautet dann aber doch meist gleich: "Wir überreden niemanden zur Impfung. Wenn sie aber erwünscht ist, machen wir das", so der Tenor. Unsichere Eltern sind dann genauso schlau wie vorher.

Einen eindeutigeren Rat gibt da Matthias Viemann, Chefarzt der Kinderklinik am Delme Klinikum Delmenhorst: "Ja, man sollte sein Kind impfen lassen." Vor allem bei vorerkrankten Kindern und solchen, die gesundheitlich anfällige Verwandte haben, sei eine Impfung sehr sinnvoll. Aber auch für gesunde Kinder würde er eine Impfung empfehlen: "Die Impfung ist ungefährlich und schützt vor schweren Verläufen", sagt Viemann.

Das Risiko der Impfung sei sehr gering. "Man hört ja immer wieder von Herzmuskelentzündungen als Nebenwirkungen. Aber die kommen sehr selten vor – und wenn, dann eher bei den älteren Kindern. Mädchen bekommen sie noch seltener als Jungen. Als Nebenwirkung der Impfung verlaufen sie sehr mild. Nach ein paar Wochen mit etwas Schonung verheilen sie unkompliziert. Das sieht bei einer Infektion mit Corona anders aus. Auch da können Kinder eine Herzmuskelentzündung bekommen, die dann jedoch anders verlaufen kann", erzählt Viemann. Die häufigste Nebenwirkung seien ein wenig Schmerzen an der Einstichstelle – und nicht einmal das trete bei allen geimpften Kindern auf.

Nun rollt Omikron bereits durch die Schulen und Kindertagesstätten. Viele Kinder haben sich bereits unbemerkt angesteckt oder werden es vor ihrem Impftermin möglicherweise noch tun. Manch Mutter oder Vater mag sich fragen, ob im Falle einer bislang unbemerkten Ansteckung eine Impfung womöglich schaden könne. Doch auch da ist Viemann klar in seiner Aussage: "Nein", sagt er und fügt hinzu: "Auch wenn ein Kind zwischen der Erst- und Zweitimpfung unbemerkt mit Corona infiziert wurde, schadet eine Impfung nicht. Millionen Kinder sind inzwischen weltweit geimpft worden, und das wird sicherlich vorgekommen sein, ohne dass es Komplikationen gegeben hat."

Der Entscheidungsdruck für die Eltern ist groß. "Egal, wie man sich letztlich entscheidet: Man macht nichts falsch", versucht da Johann Böhmann, Leiter des Delmenhorster Instituts für Gesundheitsförderung (DIG), die Spannung aus dem Thema zu nehmen. "Wenn man eher ängstlich ist, kann man sein Kind impfen lassen. Wenn nicht, kann man es auch lassen. Natürlich birgt die Impfung ein gewisses Risiko. Das ist bei jedem medizinischen Eingriff so. Und genauso verhält es sich mit einer Corona-Infektion", erklärt der ehemalige Chefarzt der Kinderklinik in Delmenhorst.

Man solle sich überlegen, warum man sein Kind impfen lassen möchte. Wenn es Vorerkrankungen hat, sei eine Impfung definitiv sinnvoll. "Wenn man es möchte, weil es viel Zeit mit dem 70-jährigen und vielleicht vorerkrankten Opa verbringt, impft man es für Opa, nicht für das Kind", gibt Böhmann zu bedenken. Eine Impfung sei ungefährlich, aber nicht unbedingt unnötig. "Die Schulen und Kindertagesstätten sind keine Virenschleudern. Da ist die Datenlage klar. Die Ansteckungen passieren in den Familien", sagt er und ergänzt: "Gesunde Kinder haben ein patentes und gutes Immunsystem. Die stecken so eine Infektion weg. Das sieht man auch, wenn man sich die Zahlen ansieht: Nur sehr wenige Kinder sind in den vergangenen zwei Jahren an Corona gestorben, und die waren vorerkrankt."

Zur Sache

Impftermine für Fünf- bis Elfjährige

In der Kinderambulanz des Delme Klinikums werden bis auf Weiteres donnerstags von 8 bis 12 Uhr Kinder zwischen fünf und elf Jahren geimpft. Dies betrifft sowohl Erst- als auch Zweitimpfungen. Die Terminvergabe erfolgt nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung unter 0 42 21 / 9 95 64 56. Um den Impftermin wahrnehmen zu können, mus ein maximal 24 Stunden alter, negativer Corona-Antigen-Nachweis (kein Selbsttest) oder ein maximal 48 Stunden alter, negativer Corona-PCR-Test-Nachweis mitgebracht werden.

Auch im Autohaus Engelbart an der Annenheider Straße 185 werden Fünf- bis Elfjährige an folgenden Terminen geimpft: Sonnabend, 22. Januar, 8 bis 16 Uhr; Dienstag, 25. Januar, 14 bis 16.30 Uhr; Donnerstag, 27. Januar, 14 bis 16.30 Uhr; Sonnabend, 29. Januar, 8 bis 16 Uhr. Termine für die Impfungen können online unter www.terminland.de/mobiles-impfteam-delmenhorst gebucht werden.

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