Neugebauer tritt aus Gruppe mit SPD aus Fraktionsvorsitzende als OB-Kandidatin ausgebootet

Der Umgang mit der SPD-Fraktionsvorsitzenden Bettina Oestermann, die gern Oberbürgermeister-Kandidatin ihrer Partei werden wollte, hat Andreas Neugebauer veranlasst, die Fraktion SPD & Partner zu verlassen.
10.08.2020, 14:01
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Fraktionsvorsitzende als OB-Kandidatin ausgebootet
Von Andreas D. Becker

Mit drastischen Worten hat Andreas Neugebauer am Montag mit sofortiger Wirkung die Delmenhorster Fraktion SPD & Partner verlassen. Das Innenleben der Partei, der er bis 2000 selbst angehörte, beschreibt der „Partner“ der Sozialdemokraten so: „Unsolidarisch, unfair, und teilweise menschenverachtend wird miteinander umgegangen. Das beste Beispiel ist, wie der aktuelle Unterbezirksvorstand mit der Kandidatur von Bettina Oestermann als Oberbürgermeisterin umgegangen ist.“ Damit spielt Neugebauer nicht nur darauf an, dass der Vorstand im März eine Findungskommission gründete, nachdem die Fraktionsvorsitzende im Februar gesagt hatte, dass sie sich eine Kandidatur vorstellen könne. Es geht darum, dass die Partei Bettina Oestermann am Sonntag mitteilte, dass ihre Kandidatur nicht unterstützt werde. Man habe eine andere Kandidatin gefunden.

Neugebauers Austritt aus der Fraktion war also nur ein Nebeneffekt eines richtig großen Bebens, das die Delmenhorster Politik am Montag erschüttert hat. Denn bei vielen Politbeobachtern galt es als ausgemachte Sache, dass Bettina Oestermann OB-Kandidatin wird und gegen die Kandidatin von CDU und Grünen, Petra Gerlach, ins Rennen geht. Am Sonntag bekam die Fraktionsvorsitzende dann einen recht kurzen Anruf von der Findungskommission: Man habe sich für eine andere Kandidatin entschieden und werde der Partei nicht Bettina Oestermann empfehlen.

Die Fraktionsvorsitzende wollte dazu am Montag auf Nachfrage keine Stellung beziehen. Auch nicht dazu, wie es nun in der Fraktion weitergehen soll. Man benötigt nicht besonders viel politische Fantasie, um sich vorzustellen, dass mit dieser Entscheidung im Parteivorstand auch die Autorität Bettina Oestermanns als Fraktionsspitze beschädigt wurde. Zudem muss sich zeigen, wie sich das Miteinander in der Fraktion gestalten wird: Mit Lars Konukiewitz, der den Unterbezirk kommissarisch führt und der auch Mitglied der Findungskommission ist, verband die Fraktionsvorsitzende noch nie eine besonders innige Beziehung. Nach dieser Entwicklung dürfte das Band der Freundschaft wohl komplett zerschnitten sein. Mal abgesehen davon, dass die Entscheidung der Partei für die fleißige Fraktionsvorsitzende nicht unbedingt ein Motivationsschub für die weitere Arbeit im Rat sein dürfte.

Wer die Kandidatin ist, die die Sozialdemokraten als Oberbürgermeisterin ins Rathaus hieven wollen, ist bislang ein gut gehütetes Geheimnis. Durchgesickert ist nur, dass die Kandidatin von der Delmenhorster Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag ins Spiel gebracht worden sein soll.

Andreas Neugebauer, der diese Personalrochade indirekt publik gemacht hat, weiß übrigens noch nicht, wie es für ihn weitergehen wird. Aber noch in dieser oder spätestens in der kommenden Woche wird er sich wohl entscheiden, ob er vorerst als fraktionsloser Einzelkämpfer oder als Partner einer anderen Fraktion agieren wird. „Aber ich denke, dass es da bald etwas zu vermelden gibt“, sagt er.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+