Fußball

Der Wohlfühlspieler

Flodyn Baloki ist beim SV Atlas Delmenhorst längst angekommen. Anfang des Jahres wechselte der Abwehrspieler von RW Koblenz an die Delme und entwickelte sich direkt zum Stammspieler.
25.11.2020, 12:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Johannson
Der Wohlfühlspieler

Der 29-jährige Flodyn Baloki hat bereits bei elf verschiedenen Vereinen gespielt. Nun trägt er das Trikot des SV Atlas Delmenhorst.

INGO MÖLLERS

Delmenhorst. Als Atlas-Spieler Flodyn Baloki vor 20 Jahren mit seinen Eltern aus dem Kongo nach Deutschland kam, war der heute 29-jährige gerade einmal acht. „Am Anfang war das natürlich alles ungewohnt, viele neue Menschen. Ich hatte das Glück, dass meine Lehrerin französisch gesprochen hat. So hatte ich die deutsche Sprache nach vier Monaten fließend drauf“, erinnert sich Baloki Durch seinen Vater und ehemaligen Profifußballer Florent Baloki, den es damals zum BSV Kickers Emden zog, entwickelte Flodyn frühzeitig eine Leidenschaft zum runden Leder. „Ich habe auf die Karte Profifußball gesetzt“, betont Baloki.

Seine Laufbahn im Herrenfußball startete beim SSV Jeddeloh II. Es folgten Traditionsvereine wie der SV Wilhelmshaven, VfB Oldenburg, BV Cloppenburg oder Germania Halberstadt. Anfang des Jahres schloss er sich dem SV Atlas Delmenhorst an. Insgesamt spielte Baloki bei elf verschiedenen Vereinen. „Ich wollte immer wieder etwas Neues erleben“, sagt Baloki, der jedoch nie über die vierte Liga hinauskam.

Zum Profi reicht es nicht

Um Profi zu werden, fehlte es dem 29-Jährigen an der richtigen Einstellung. „Ich habe nie mehr gemacht, als ich wirklich konnte. Ich war zu faul“, gibt er zu und führt fort: „Andreas Petersen (Vater von Nils Petersen, Anmerkung der Redaktion), mein damaliger Trainer in Halberstadt, hat mal zu mir gesagt, dass ich ein Wohlfühlspieler bin. Er hat recht gehabt, ich hätte einfach mehr investieren müssen. Aber ich war jung und habe die Prioritäten falsch gesetzt. Trotzdem war es eine coole Zeit, und ich konnte davon leben.“

Die Zeit in Halberstadt bezeichnet der Defensiv-Spieler als seine erfolgreichste: „Da haben sehr gute Spieler gespielt. In jedem Training musste ich mich neu beweisen.“ In der Regionalliga Nordost spielte er damals unter Profibedingungen und absolvierte nicht selten zwei Trainingseinheiten am Tag. „Bei Atlas trainieren wir viermal die Woche. Das ist auch anstrengend, aber ich bin anderes gewohnt“, scherzt Baloki, der sich selbst als gelassenen und fröhlichen Menschen beschreibt.

Bevor Baloki zum SVA wechselte, erlebte er zuletzt eine schwierige Zeit bei RW Koblenz in der Regionalliga Südwest. „Ich habe mir im letzten Jahr einen Sehnenabriss im Oberschenkel zugezogen. Danach war ich sehr unzufrieden mit mir selber. Der Verein hat sich mehr von mir versprochen. Aber mein Körper hat nicht so funktioniert, wie ich es mir gewünscht habe. Ich war nicht in der Lage, das zu geben, was sie von mir verlangt haben“, erinnert sich Baloki. Die Zusammenarbeit mit Koblenz endete zeitig und Atlas klopfte zum richtigen Zeitpunkt an.

Atlas ist Balokis elfter Verein

Trainer Key Riebau habe ihn kontaktiert und nach Delmenhorst gelotst. „Ich habe mit Key in der U19 des VfL Oldenburg zusammengespielt. Der Kontakt ist danach nie abgerissen“, erklärt Baloki, der sich beim SVA pudelwohl fühlt und direkt zum Stammspieler mutierte. Die Mannschaft habe ihn außerdem super aufgenommen. „Ich kann jetzt schon sagen, dass es definitiv der richtige Schritt war. Ich bin froh, dass ich hier bin und habe überhaupt keine Gedanken, bald wieder zu wechseln“, sagt Baloki, der mittlerweile in Delmenhorst lebt und im Autohaus Engelbart arbeitet.

Inzwischen ist Baloki auch wieder auf einem sehr guten Fitnessstand. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga legte er nach eigener Aussage viele Extraschichten ein. In der aktuellen Corona-Zeit hält er sich mit Hilfe eines Fitnessplans des Vereins fit. „Wir müssen jede Woche drei Läufe absolvieren und dabei insgesamt 25 Kilometer zurücklegen“, erklärt Baloki. Ob er das auch wirklich tut, würde der Trainer mit einer App kontrollieren. „Das kann er sich live anschauen. Er kann schon streng sein, aber er ist ein super feiner Typ und ein guter Trainer, der noch einige Erfolge feiern wird“, lobt Baloki seinen Cheftrainer Key Riebau. Zudem kommt die Mannschaft zwei- bis dreimal wöchentlich über Zoom-Online zusammen und spult dort ein rund 45-minütiges Trainingsprogramm ab. „Die Mannschaft arbeitet sehr hart“, sagt Baloki.

Trotzdem lief es für Baloki und Co in dieser Regionalliga-Saison alles anderes als rund. „Die Qualität in der Mannschaft ist definitiv vorhanden, aber wir haben uns auch durch dumme Gegentore nicht belohnt. Da muss sich jeder hinterfragen und an die eigene Nase fassen“, unterstreicht Baloki. Der Glaube an den Klassenerhalt ist bei ihm aber ungebrochen: „Wir müssen die Fehler minimieren, die sind nämlich bisher fast alle bestraft worden. Wir sind aber in der Liga angekommen. Bis auf das Havelse-Spiel waren wir nie schlechter als der Gegner. Selbst gegen Havelse waren es alles individuelle Fehler“, beschreibt Baloki die Situation und ergänzt: „Der Druck ist jetzt aber natürlich da. Es ist auch nicht gerade einfach, weil die Regionalliga für viele Spieler Neuland ist“. Damit dürfte Flodyn Baloki jedenfalls kein Problem haben, denn mit dem Thema Neuland kennt er sich ja bereits bestens aus.

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