Vorletzter großer Abriss Abrissarbeiten im Delmenhorster Wollepark schreiten voran

Noch laufen die vorbereitenden Arbeiten, bevor die Bagger anrollen können, aber den Blöcken an der Straße Am Wollepark 13 und 14 geht es nun an den Kragen. Die Abriss-Arbeiten haben begonnen.
16.08.2020, 16:57
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Abrissarbeiten im Delmenhorster Wollepark schreiten voran
Von Andreas D. Becker

Es ist der vorletzte große Abriss, den die Stadt im Wollepark plant: Die Arbeiten in den Häusern Am Wollepark 13 und 14 haben begonnen. Wenn alles einigermaßen im Zeitplan bleiben kann, sollen die beiden Blöcke noch in diesem Jahr von der Bildfläche verschwunden sein. An und in den beiden Gebäuden sind Arbeiter aktuell damit beschäftigt, den Abriss vorzubereiten. Voraussichtlich Anfang Oktober soll schweres Gerät anrollen und die Betonbunker wegknabbern.

Damit es am Eckgrundstück von Am Wollepark und Nordwollestraße mit dem Abriss losgehen kann, „waren bei den Geschossbauten unter anderem noch Untersuchungen auf Schadstoffe, Beweissicherung an benachbarten Gebäuden und weitere Arbeiten nötig“, erklärt Stadtsprecher Timo Frers, warum nicht einfach die Bagger anrollen und Tabula rasa machen. Allein diese vorbereitenden Arbeiten nahmen mehrere Monate in Anspruch. Im Juni und Juli haben sich der Sanierungsträger und die Firma Umtec um die Ausschreibung und Vergabe der Abbrucharbeiten gekümmert. Den Zuschlag erhielt die Firma Freimuth aus dem Landkreis Cuxhaven, die sich in der Nachbarschaft bestens auskennt und schon auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Blöcke 1 bis 5 inklusive Parkpalette sowie im Norden des Quartiers das marode Gebäude an der Westfalenstraße 8 abgerissen hat.

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Erste Fortschritte des Abbruchs sind schon zu sehen: Hinter dem Bauzaun hat die Entrümpelung begonnen. Innereien der Wohnblocks liegen teils lose auf dem Grundstück, teils sind sie schon in große Kunststoffsäcke, sogenannte Bigpacks, verpackt. Nach dieser ersten Phase müssen Schadstoffe entsorgt werden. Da die Gebäude mit Asbest belastet sind, handelt es sich um umfangreiche Arbeiten, die mindestens zwei Monate in Anspruch nehmen werden. Danach kann als letzter Schritt die entkernte Hülle dem Erdboden gleichgemacht werden.

Die Stadt hat die maroden Gebäude mit 51 Wohnungen Anfang 2019 erworben, nachdem das Landgericht Hannover kurz vor Weihnachten 2018 einen seit 2015 schwelenden Rechtsstreit um das Vorkaufsrecht beendet hatte. Bei der juristischen Auseinandersetzung ging es vor allem um den Preis: 700 000 Euro hatte die Stadt geboten, als sie ihr Vorkaufsrecht geltend machen wollte. Das entsprach dem 2015 von einem Gutachter ermittelten Verkehrswert der beiden Häuser. Der Besitzer bestand aber auf 950 000 Euro – und rief das Gericht an. Das teilte offensichtlich seine Sicht der Dinge. Im Sinne der Entwicklung des Quartiers investierte die Stadt fast eine Million Euro allein für den Ankauf.

Zum Kaufpreis kommen jetzt noch einmal rund 700 000 Euro für den Abbruch. Hinzu kommen noch etwa 150 000 Euro für Planung und Vorbereitung. Für zwei Drittel der Kosten erhält die Stadt einen Zuschuss aus dem Programm „Sozialer Zusammenhalt“, vormals „Soziale Stadt“, der Städtebauförderung. Zudem hatte die Verwaltung Anfang 2019 noch mit einer anderen Aufgabe begonnen: Haus Nummer 14 zu entmieten. In dem innerlich arg verfallenen Haus Nummer 13 lebte bereits seit 2007 niemand mehr. Die verbliebenen Bewohner der Nummer 14 zogen gemäß einem Sozialplan bis November 2019 aus.

Dem Grundstück, das auf seiner östlichen Seite von der Delme begrenzt wird, kommt eine ganz besondere Aufgabe zu. Der Abriss schafft nämlich unter anderem die Möglichkeit, den Zugang zum historischen Landschaftspark und zum Nordwolle-Gelände neu zu gestalten.

Die letzte große Abriss-Aufgabe werden die direkt benachbarten Blöcke 11 und 12 sein. Es sind jene Häuser, die 2017 bundesweit Schlagzeilen machten, nachdem dort wegen Außenständen bei den Nebenkostenzahlungen an die Stadtwerkegruppe sowohl das Gas als auch das Wasser abgestellt wurden. Die vom Sprecher der Eigentümergemeinschaft daraufhin angekündigte Sanierung der Häuser konnte nie umgesetzt werden, weil sich zu viele der 50 Eigentümer der insgesamt 80 Wohnungen einfach nicht um ihren Besitz kümmern. Die Stadt lässt für die beiden Gebäude, die seit November 2017 gesperrt sind, gerade ein Verkehrswertgutachten erstellen. Sie will auch diese Häuser kaufen und dann abreißen lassen. Dort sollen aber Neubauten entstehen.

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