Virtual Bundesliga Club Championship

Werder schreibt eine einzige Erfolgsgeschichte

Seit 2018 gibt es E-Sports bei Werder, bereits zweimal stellte der Verein den deutschen Meister. Am kommenden Dienstag beginnt die neue Saison. Und die Bremer sollten noch stärker sein als zuletzt.
08.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Werder schreibt eine einzige Erfolgsgeschichte
Von Jörg Niemeyer
Werder schreibt eine einzige Erfolgsgeschichte

Als Duo gewannen Werders E-Sportler Erhan Kayman (links) und Michael Bittner 2020 die deutsche Meisterschaft. Ab Dienstag tritt in der Bundesliga mit dem Ex-Fürther Fabio Sabbagh ein dritter Profi im Bremer Trikot an.

Frank Thomas Koch

Sie sitzen vor ihren Konsolen und Rechnern, sodass Corona kaum Auswirkungen auf ihren Spielbetrieb haben sollte. Falsch gedacht, so ist es nicht. Auch Werders E-Sportler sind von der Pandemie betroffen – mehr als man vermutet, aber weniger als die Akteure in anderen Sportarten. So sieht es jedenfalls das Werder-Trio, das sich kurz vor dem Start am 10. November der „Virtual Bundesliga Club Championship“, wie die Bundesliga etwas sperrig offiziell heißt, gut gelaunt in einer virtuellen Medienrunde präsentiert. Internationale Turniere offline, also an einem gemeinsamen Spielort mit Anwesenheit aller Spieler, sind derzeit kaum möglich. Daher spielt sich coronabedingt auch im E-Sports gerade online mehr ab als üblich.

„Wir können unserem Job natürlich in großen Teilen auch von zu Hause aus nachgehen“, sagt Michael „MegaBit“ Bittner, dem der persönliche Kontakt zu seinen Kollegen aber grundsätzlich wichtig ist. In der vergangenen Woche hat sich das Trio drei Tage gemeinsam auf die neue Saison vorbereitet. Das ist für die beiden Einzel eines Bundesliga-Spiels – je eins an der Playstation und an der Xbox – nicht zwingend erforderlich, sehr wohl jedoch für das Doppel, das nur in körperlicher Nähe beider Akteure am Spielort stattfinden kann.

Bittner tritt seit zwei Jahren für Werder an – und wurde in dieser kurzen Zeit mit den Bremern zweimal deutscher Meister. Erst 2018 hatte sich Werder entschieden, auf E-Sports zu setzen. Und der Klub startete gleich voll durch. „Wir haben es deutlich schneller geschafft als gedacht“, sagt Dominik Kupilas, als Leiter Content und Digital bei Werder zugleich der Verantwortliche für die E-Sports-Abteilung. Der Erfolg mache sich auch wirtschaftlich bemerkbar, denn er habe sowohl im Verein als auch in der Liga für große Aufmerksamkeit gesorgt. „Aufmerksamkeit kann übersetzt werden in Reichweite“, erklärt Kupilas, „und Reichweite kannst du am Ende des Tages monetarisieren.“ Im Prinzip also eine einfache Rechnung in einem boomenden Markt.

Fabio "Fifabio" Sabbagh war in der vergangenen Bundesliga-Saison auf der Playstation der beste Bundesliga-Spieler. Da trat er noch für die Spvgg. Fürth an, jetzt ist er der dritte Mann im Werder-Trikot.

Fabio "Fifabio" Sabbagh war in der vergangenen Bundesliga-Saison auf der Playstation der beste Bundesliga-Spieler. Da trat er noch für die Spvgg. Fürth an, jetzt ist er der dritte Mann im Werder-Trikot.

Foto: Werder Bremen

Dominik Kupilas möchte nicht über Zahlen sprechen, aber schon der Blick auf den Kader für die Saison 2020/21 verdeutlicht, dass Werder im E-Sports nun den nächsten Schritt gehen wird. Nachdem „MegaBit“ Bittner seinen ersten DM-Titel mit Weltmeister Mohammed „Mo Auba“ Harkous und seinen zweiten mit Erhan „Dr. Erhano“ Kayman jeweils als Werder-Duo eingefahren hat, startet der Verein nun nach dem Wechsel des Ex-Fürthers Fabio „Fifabio“ Sabbagh an die Weser als Trio in die neue Saison. Einerseits, weil es die Regularien ab sofort so vorschreiben, andererseits aber auch, weil es den Ambitionen des Vereins und der Mannschaft gleichermaßen gerecht wird. Mit drei Topspielern hat Werder einfach mehr taktische Möglichkeiten.

„Wir haben in den letzten beiden Jahren viele kleine Schritte gemacht“, sagt Dominik Kupilas, „aber damit sind wir noch längst nicht am Ende.“ Ein Außenstehender würde zwei Meisterschaften eines E-Sports-Einsteigers nicht unbedingt als kleine Schritte bezeichnen. Doch Kupilas meint mit seiner Aussage etwas anderes – nämlich die Strukturen im Verein; dass aus den Anfängen mit einem Zweier- nun ein Dreier-Team geworden ist und dass Werder inzwischen eine Nachwuchsabteilung ins Leben gerufen hat: die E-Academy. Erhan Kayman ist als Coach und Mentor der E-Academy im Einsatz, doch auch seine beiden Teamkollegen sollen die Youngster Max Gröne und David Gediga, die nach einem Casting seit Anfang Oktober im Verein sind, zu erfolgreichen E-Sportlern machen. Ähnlich wie im Rasenfußball, hofft Werder also auch im virtuellen Fußball perspektivisch auf eigenen Nachwuchs.

Für die neue Saison mit der Fifa21-Version auf Playstation und Xbox haben sich die Werder-Profis erst einmal nicht die Meisterschaft als Ziel gesetzt. Das liegt am neuen Modus der Liga, die inzwischen auf 26 Vereine angewachsen und deshalb in zwei Divisionen (Nord-West mit Werder und Süd-Ost) mit je 13 Teams eingeteilt worden ist. Statt wie zuletzt in einer einfachen Spielrunde gegen alle 21 Konkurrenten den Meister zu ermitteln, wird es im März 2021 nach einer Hin- und Rückrunde eine Endrunde mit den besten Teams aus beiden Divisionen geben.

„Auch wenn wir bis dahin alle 24 Spiele gewinnen sollten, sind wir noch kein Meister“, sagt Michael Bittner. Doch natürlich sind alle drei Spieler und auch Dominik Kupilas selbstbewusst genug, sich im dritten Jahr in Folge erneut als Bundesliga-Mitfavorit zu bezeichnen. Den ersten Nachweis können sie am Dienstag erbringen, wenn sie um 18 Uhr zunächst auf den FC St. Pauli und um 20 Uhr auf den VfL Bochum treffen.

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