Reaktion auf Interview mit Hess-Grunewald

AfD schießt gegen Werder

Nach seiner klaren Positionierung gegen Rechts im Mein-Werder-Interview hat Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald von vielen Seiten Zuspruch erhalten. Die Bremer AfD hingegen reagierte mit scharfer Kritik.
21.09.2018, 07:45
Lesedauer: 3 Min
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AfD schießt gegen Werder
Von Patrick Hoffmann
AfD schießt gegen Werder
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Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald hat für seine öffentliche Positionierung gegen die Alternative für Deutschland (AfD) breite Zustimmung aus Politik und Sport erhalten. „Ich bin sehr dankbar für die Worte von Herrn Hess-Grunewald und für die Haltung, die der SV Werder vermittelt“, sagte Björn Fecker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft und Präsident des Bremer Fußball-Verbands, „er hebt sich damit wohltuend vom Mainstream der Bundesliga ab.“ Auch die Bremer SPD reagierte erfreut. „Bremen ist eine tolerante Stadt, und so ist auch unser Verein“, sagte Sprecher Matthias Koch, „es ist eine schöne Sache, dass sich ­Werder gegen Fremdenhass stellt.“ Der AfD-Landesverband in Bremen kritisierte die Aussagen des Werder-Präsidenten hingegen scharf.

Hess-Grunewald hatte im Gespräch mit Mein Werder unter anderem erklärt, dass es aus seiner Sicht ein Widerspruch sei, „Werder gut zu finden und die AfD zu wählen“. Und das solle auch jeder AfD-Wähler wissen. „Das heißt nicht, dass er nicht ins Stadion kommen soll, aber er sollte sich mit unserer Haltung auseinandersetzen und sich vielleicht überzeugen lassen, sich doch für eine offene, tolerante Gesellschaft ohne Ausgrenzung und Populismus einzusetzen“, sagte der 57-Jährige. Die Mehrheit der Stadionbesucher wisse, dass Werder für Werte wie Vielfalt, Demokratie und Toleranz stehe. Werte, die sich für Hess-Grunewald ganz offensichtlich nicht mit Aussagen und dem Parteiprogramm der AfD überschneiden.

Solidarität aus Freiburg und Berlin

Christian Streich, Trainer des SC Freiburg, unterstützte Hess-Grunewald am Donnerstag und warb zudem für eine aktivere Haltung der Vereine gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. „Ich würde es sinnvoll finden, wenn wir in der Bundesliga an manchen Wochenenden gemeinsame Aktionen starten, Videos aufnehmen und uns klar positionieren“, sagte der 53-Jährige. „Es ist immer gut, wenn man sich in Gruppierungen klar zu gewissen Vorkommnissen in der Gesellschaft äußert. Es ist absolut notwendig, dass man zeigt, wo man hingehört.“ Zudem sprach sich Streich für mehr Zivilcourage im Stadion aus, beispielsweise für den Fall von diskriminierendem Verhalten auf der Tribüne. Der Fußball sei multikulti, sagte Streich. Er fühle sich nicht als Deutscher. „Ich bin ein Mensch, der einen Pass hat, in dem deutsch drin steht.“

Auch Michael Preetz, Geschäftsführer von Werders Ligakonkurrenten Hertha BSC, sieht eine „klare Haltung“ gegen Rassismus als notwendig an und widersprach damit seinem Leipziger Kollegen Ralf Rangnick. Der Trainer und Sportdirektor von RB hatte kürzlich erklärt, dass sich der Fußball aus politischen Positionen heraushalten solle. Preetz hingegen sagte, als er auf das Interview von Hess-Grunewald angesprochen wurde: „Ich glaube, dass diese Art der Einmischung nicht nur erlaubt sein sollte, sondern auch nötig ist, weil wir als ein Verein, der so in der Öffentlichkeit steht, und mit der Sportart, die wir ausüben, die so in der Öffentlichkeit steht, eben auch eine gesellschaftliche Verantwortung haben.“

Gegenangriff der AfD

Das sehen auch die meisten Fraktionen der Bremischen Bürgerschaft so. „Ich finde es gut, dass sich Werder aktiv gegen Rassismus, Antisemitismus und Gewalt stellt. Ich unterstütze das“, sagte Lencke Steiner, Vorsitzende der FDP-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft, „allerdings darf man die Wähler der AfD nicht pauschal in einen Topf werfen. Das verschärft nur unnötig das politische Klima.“

Die AfD Bremen reagierte auf das Interview mit scharfer Kritik an Hess-Grunewald und dem SV Werder. „Wir weisen diese absurden Äußerungen zurück“, sagte der AfD-Bürgerschaftsabgeordnete Alexander Tassis, „ich bin von den Aussagen aber auch nicht überrascht. Es ist eine Schande, dass Wohlfahrtsverbände und Sportvereine wie Werder Teil der Merkel‘schen Flüchtlingsindustrie geworden sind. Werder sollte sich schämen.“ Der Fußball werde „flüchtlingspolitisch ausgeschlachtet“, sagte Tassis, „das ganze Geld der Integrationsindustrie wird in den Fußball gesteckt, und für die vielen anderen Sportarten ist kein Geld vorhanden.“

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