Aufsichtsratskandidat Oliver Spalthoff

„Werder muss innovativer werden"

Oliver Spalthoff ist einer von sieben Kandidaten für den Werder-Aufsichtsrat. Der Unternehmer will vom viel zitierten Standortnachteil in Bremen nichts hören und sieht Potenzial im Bereich Sponsoring.
26.08.2021, 12:57
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Eigentlich wäre Oliver Spalthoff jetzt im Urlaub mit der Familie. Doch den hat der 51-Jährige kurzfristig gestrichen – und das sehr gerne. Schließlich geht es um Werder Bremen, seinen Herzensverein. Der Wahlausschuss hat ihn als Kandidat für die Wahl zum Aufsichtsrat zugelassen. Für die Mitgliederversammlung am 5. September möchte Spalthoff bestens vorbereitet sein und über seine Beweggründe, seine Ideen und Ziele sprechen. So auch mit unserer Deichstube, die bis zur Wahl alle sieben Kandidaten vorstellen wird – und vor allem auch fragen wird, wie unabhängig und kritisch sie sind.

„Natürlich habe ich eine aktuelle persönliche Meinung. Trotzdem benötige ich Fakten und Hintergründe für eine wirklich fundierte Bewertung. Alles andere wäre nicht professionell“, sagt Spalthoff und klingt dabei zunächst noch etwas ausweichend. Doch er wird durchaus konkreter. Der neue Aufsichtsrat müsse sich ansehen, was in den letzten zehn Jahren passiert ist – in allen Bereichen: „Es geht nicht allein darum, Schuldige zu finden, sondern zu gucken, wo waren neben der Corona-Pandemie die Kipppunkte, was waren falsche Entscheidungen. Was können wir besser machen?“

Als Beispiel nennt er den Status des Nachwuchsleistungszentrums oder auch die Stadionfinanzierung. Beim Thema Sponsoring, will er vom viel zitierten Standortnachteil in Bremen nichts hören. „Da gibt es Potenzial“, behauptet Spalthoff: „Werder muss innovativer werden und zum Beispiel auf Firmen zugehen, die im Bereich eMobility, neue Energien oder Wasserstoffentwicklung unterwegs sind. Die würden gut zu Werder passen.“

Im Bereich erneuerbarer Energien kennt sich Spalthoff aus. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Bremer Unternehmens Tractebel DOC Offshore. Dabei geht es vor allem um Windkraftanlagen in großen Parks auf dem Meer. Mit drei weiteren Firmen wurde zudem eine Gesellschaft gegründet, die auf der Nordsee einen Weltraumbahnhof für Klein-Raketen plant. Mit dabei ist auch das Bremer Unternehmen OHB von Marco Fuchs, einem Mitglied des Werder-Aufsichtsrates. Dem Verdacht der Kungelei tritt Spalthoff entschieden entgegen: „Ich bin komplett unabhängig. Natürlich kenne ich Herrn Fuchs, aber wir arbeiten nicht direkt zusammen. Er hat mich auch nicht dem Wahlausschuss vorgeschlagen.“

Spalthoff hat jedenfalls sofort zugesagt, als er von dem Gremium um eine Vorstellung gebeten wurde. „Werder ist in einer kritischen Situation, da will ich helfen.“ Als gebürtiger Bremer war er schon immer Werder-Fan, hat sogar in der U15 für den Club gespielt. Als Dauerkarteninhaber sitzt Spalthoff regelmäßig im Stadion. Aber er will nicht nur sein Herz einbringen, sondern auch seinen Verstand. „Man sollte es operativ können, wenn man etwas kontrollieren will“, betont der 51-Jährige und gibt sich selbstbewusst: „Ich besitze die fachlichen Fähigkeiten.“ Nach dem BWL-Studium habe er in der Wirtschaftsprüfung gearbeitet, dann ab 1998 bei der Westdeutschen Landesbank im Bereich Mittelstandsbeteiligungen. Später dann bei anderen Unternehmen in der Sanierungs- und Restrukturierungsberatung. „Also für Firmen, die in ihren Geschäftsmodellen Probleme bekommen haben“, erklärt Spalthoff und reagiert auf den Hinweis, dass er da bei Werder ja genau richtig sei, mit einem klaren „Das sehe ich so“.

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Dem FC Oberneuland hat er schon einmal aus der Patsche geholfen. Nach der Insolvenz des Bremer Regionalligisten 2013 wurde Spalthoff um Hilfe gebeten. „Wir haben es mit einem guten Team geschafft, dass der Verein nicht die Gemeinnützigkeit verliert und damit 600 Sportler auch nicht ihren Verein – darunter viele Jugendliche“, erinnert sich Spalthoff. 2018 hat er sich vom FCO verabschiedet und zuletzt als Co-Trainer beim Bremen-Ligisten FC Union 60 gearbeitet. Auf seine B-Lizenz ist er schon ein bisschen stolz, betont aber auch: „Der Profi-Fußball ist etwas ganz anderes.“

Aber eben dieser Bereich wird von keinem Kandidaten für den neuen Aufsichtsrat abgedeckt. Erstmals in der Werder-Geschichte. „Der Aufsichtsrat kann sich aber über einen Ausschuss Kompetenz dazuholen“, sagt Spalthoff. Andere Clubs würden es vormachen, zum Beispiel Yuri Mulder beim FC Schalke. Es müssten auch nicht immer zwangsläufig Werder-Größen sein. Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer habe Didi Hamann ins Gespräch gebracht: „Den würde ich auf alle Fälle mal anrufen, wenn ich in den Aufsichtsrat komme“, so Spalthoff. Diese Ausweitung des Aufsichtsrats müsse sich nicht nur auf die Fußball-Expertise beschränken. „So könnten wir auch die Fan-Interessen einbinden“, schlägt der Unternehmer vor. Kümmern will er sich auch um die anderen Sportarten des ausgegliederten Werder-Sports. Dafür sei er gerne bereit, Zeit zu opfern – so wie jetzt schon seinen Urlaub.

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