Werder-Aus im DFB-Pokal Erst schwach, dann im Aluminium-Pech

Es geht immer noch ein bisschen schlimmer: Nach dem Abstieg aus der Bundesliga ist Werder nun auch in der ersten Runde des DFB-Pokals ausgeschieden. Die Bremer unterlagen beim VfL Osnabrück mit 0:2 (0:1).
07.08.2021, 17:30
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Von Daniel Cottäus

Ein Spiel, Wettbewerb vorbei: Genau das, was der SV Werder Bremen in der ersten Runde des DFB-Pokals unbedingt vermeiden wollte, ist am Samstagnachmittag passiert. Beim Drittligisten VfL Osnabrück verlor die Mannschaft von Trainer Markus Anfang nach einer schwachen ersten Hälfte trotz deutlicher Leistungssteigerung nach der Pause mit 0:2 (0:1) – und schied aus. „Wir sind heute an uns selbst gescheitert und nicht an Osnabrück“, sagte ein enttäuschter Anfang, dessen Team vor dem gegnerischen Tor auch beste Möglichkeiten nicht genutzt hatte und immer wieder an Latte oder Pfosten gescheitert war. Am Ende reichten Osnabrück die Tore von Maurice Trapp (44.) und Sven Köhler (90.+5) zur großen Überraschung. Letztmals war für Werder übrigens vor fünf Jahren, in der Saison 2016/17, im DFB-Pokal so früh Schluss gewesen. Damals nach einem 1:2 bei den SF Lotte, nur rund 20 Minuten von Osnabrück entfernt.

Im Vergleich zum 3:2-Erfolg gegen Düsseldorf hatte Anfang notgedrungen zwei personelle Änderungen in seiner Startelf vornehmen müssen. Weil die Wechsel von Josh Sargent (zu Norwich City) und Yuya Osako (zu Vissel Kobe) unmittelbar bevorstehen, war das Duo in Osnabrück bereits nicht mehr mit dabei. Dafür rückten Eren Dinkci sowie der Ex-Osnabrücker Felix Agu ins Team. Sie bekleideten die offensiven Flügelpositionen. Romano Schmid zog Anfang dafür auf die Achterposition zurück – an die Seite von Niklas Schmidt, der im vergangenen Jahr noch für den VfL in der 2. Liga gespielt hatte. Zurück an alter Wirkungsstätte erlebte der 23-Jährige mit Werder eine extrem unruhige erste Hälfte, in der die Hausherren deutlich mehr vom Spiel hatten.

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Zwar gehörte die erste richtig dicke Chance des Spiels nach gerade einmal 30 Sekunden den Gästen (Agu war nach einer Dinkci-Flanke zu überrascht, um den Ball kontrolliert aufs Tor zu bringen), danach ging es aber überwiegend in die andere Richtung. Osnabrück agierte vor 5300 Zuschauern an der Bremer Brücke gradlinig auf dem Weg nach vorne und erarbeitete sich ein spielerisches Übergewicht. Sowohl Mittelstürmer Felix Higl (8.) als auch Innenverteidiger Lukas Gugganig (22.) vergaben gute Möglichkeiten. Higl, weil er aus kurzer Distanz knapp vorbeischoss, Gugganig, weil er seinen Kopfball gegen die Querlatte setzte. Bei der vorangegangenen Ecke hatte Werders Torhüter Michael Zetterer gar nicht gut ausgesehen, weil er am Ball vorbeigeflogen war. Und überhaupt: Bei hohen Hereingaben des Drittligisten gerieten die Bremer immer wieder ins Schwimmen. Zwischenzeitlich hatte Dinkci zwar einen Abschluss verzeichnet (19.), insgesamt kam von Werder im Spiel nach vorne aber viel zu wenig, was sich auch an der Statistik ablesen ließ: Nach 25 Minuten lautete das Ecken-Verhältnis 8:1 für Osnabrück. „Wir haben in der ersten Halbzeit einfach viel zu viel zugelassen. Gefühlt hatte Osnabrück zehn Standards, und wir wussten, dass sie da gefährlich werden können“, haderte Maximilian Eggestein.

Kurz vor der Pause sah es dann trotzdem so aus, als sollte Werder allmählich ins Spiel finden. Marco Friedl (41.) und vor allem Dinkci (42.) hatten die Führung auf dem Fuß, ehe es auf der anderen Seite doch noch die kalte Dusche gab. Nach einer Osnabrücker Ecke (natürlich!) landete der Ball schließlich bei Innenverteidiger Maurice Trapp, der per Kopf zum verdienten 1:0 traf (44.).

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Nach dem Seitenwechsel bot sich Niclas Füllkrug die große Chance zum schnellen Ausgleich – und zwar doppelt. Jeweils nach Schmidt-Flanke köpfte der 28-Jährige den Ball zunächst an die Latte und nur Sekunden später am Tor vorbei (47.). Werder hatte die Partie in der Folge (endlich) im Griff und drängte auf den Ausgleich, allerdings fehlte es an der nötigen Genauigkeit – wie zum Beispiel bei Dinkci, der an Osnabrücks Torhüter Philipp Kühn scheiterte (65.). Kurz darauf reagierte Trainer Anfang, schickte erst Eigengewächs Abdenego Nankishi (67./für Agu) und dann Neuzugang Nicolai Rapp (72./für Schmid) auf den Platz. Viel fehlte nicht, und Joker Rapp hätte wenige Augenblicke später schon jubeln können: Sein Kopfball in der 74. Minute klatschte gegen den Pfosten (74.), seinen Schuss in der 77. Minute wehrte Kühn im kurzen Eck ab.

Spätestens jetzt wäre der Ausgleich absolut verdient gewesen. Anfang drückte es so aus: „Normalerweise musst du in der zweiten Halbzeit heute mindestens vier Tore schießen.“ Das Problem: Sie fielen nicht, weil auch die Schlussoffensive nur einen weiteren Pfostenschuss von Rapp einbrachte (90.+1). Auch das dritte Pflichtspieldebüt des Tages – Oscar Schönfelder kam in der 87. Minute für Dinkci – hatte nicht mehr für die Wende sorgen können. Den aus Bremer Sicht bitteren Schlusspunkt setzte Sven Köhler, der in der fünften Minute der Nachspielzeit aus der eigenen Hälfte (!) zum 2:0-Endstand traf, weil Zetterer weit aufgerückt war. Heißt: Die zarte Euphorie, die sich bei Werder nach dem 3:2-Erfolg in der 2. Liga gegen Fortuna Düsseldorf breitgemacht hatte – sie ist an der Bremer Brücke direkt wieder verflogen. Die nächste Aufgabe für Markus Anfang und seine Mannschaft wartet nun am kommenden Sonntag. Dann ist der SC Paderborn am dritten Spieltag der 2. Liga im Weserstadion zu Gast. Ehe er die Bremer Brücke am Samstagabend verließ, richtete Anfang den Blick schon wieder vorsichtig optimistisch nach vorne: „Es war ja nicht alles schlecht, was wir heute abgeliefert haben. Jetzt konzentrieren wir uns voll auf die Liga und arbeiten weiter.“

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