Großes Minus befürchtet Corona-Loch bei Werder wird immer größer

Die Corona-Pandemie bringt auch Werder Bremer in immer größere finanzielle Schwierigkeiten durch Mindereinnahmen seit Beginn der Geisterspiele.
25.01.2021, 18:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips

Auch am Samstag wird das Weserstadion wieder fast leer sein, wenn der SV Werder Bremen den FC Schalke 04 empfängt. Eigentlich hatten die Bundesligisten damit gerechnet, spätestens in der Rückrunde wieder vor Zuschauern, am besten sogar vor vollen Rängen zu spielen, doch die Corona-Pandemie lässt das nicht zu. Und das bringt die Clubs in immer größere Schwierigkeiten.

Auch den SV Werder. Bislang hatte Klaus Filbry, der Vorsitzende der Geschäftsführung, die Mindereinnahmen seit Beginn der Geisterspiele im März vergangenen Jahres auf 30 Millionen Euro geschätzt, jetzt geht er bis Saisonende von insgesamt 40 Millionen Euro aus. In den schon gestarteten Planungen für die Saison wird auch das Szenario durchgespielt, dass es das ganze Jahr 2021 in den Stadien leer bleibt.

„Natürlich ist das eine schwierige Zeit“, sagt Filbry im Gespräch mit der DeichStube. Aber er will die Zukunft nicht zu düster malen. „Wir sind bis Saisonende eigentlich durchfinanziert“, hebt der 54-Jährige deshalb umgehend hervor. Das Wort „eigentlich“ hat sich allerdings nicht einfach nur so in seinen Satz verlaufen, sondern ganz bewusst dort einen Platz gefunden. Denn zur Finanzierung der Saison gehört auch zwingend noch der Verkauf eines Spielers, eines Topspielers, der eine Ablösesumme in zweistelliger Millionen-Höhe einbringt. Dabei ist natürlich Milot Rashica der heißeste Kandidat. „Wenn wir ein vernünftiges Angebot bekommen, ist er verkäuflich“, sagt Filbry. Mindestens 15 Millionen Euro soll ein Rashica-Transfer einbringen. Diese Zahl bestätigt der Werder-Boss nicht, er lässt nur durchblicken, wann das Geld fließen muss – jetzt oder im Mai.

Die Liquidität für die nächsten Monate wurde indes durch den 20-Millionen-Euro-Kredit gesichert, bei dem das Land Bremen mit einer Bürgschaft geholfen hat. Nun gehe es darum, „noch kostenbewusster zu agieren“, so Filbry: „Wir werden intern noch einmal einige Sachen angehen. Unser Sparkurs muss noch rigider sein.“ Jede Ausgabe werde hinterfragt. Das betrifft auch die Mannschaft. Zu vielen Auswärtsspielen wird nicht mehr geflogen, sondern kostengünstiger mit dem Bus gereist – wie zuletzt nach Berlin oder Mönchengladbach. Auch wenn das gerade in englischen Wochen möglicherweise zu Lasten der Fitness geht.

Ob es noch einen Gehaltsverzicht der Profis gibt und ob der bei zehn oder 20 Prozent liegt, lässt Filbry offen. Dabei wäre es durchaus ein starkes Signal der Topverdiener im finanziell angeschlagenen Club, aber das Thema hatte im Sommer extern und vor allem auch intern für viel Ärger gesorgt. Die Spieler monierten, vom Wunsch der Vereinsführung aus den Medien erfahren zu haben. Letztlich lenkten Kapitän Niklas Moisander und Co. ein, aber es ist unklar für wie lange diese Vereinbarung gilt.

Definitiv eingespart wird dagegen in anderen Bereichen. Zum Teil befinden sich Mitarbeiter in Kurzarbeit, wobei die Zahlungen von Werder – wie bei vielen Unternehmen – aufgestockt werden. Noch ist das möglich. Dafür wurden fast alle Investitionen gestoppt, befristete Verträge nicht verlängert. Die Kosten müssen weiter sinken. Werder zögert nach Informationen der DeichStube auch damit, im Sommer auslaufende Verträge von so namhaften Mitarbeitern wie Thomas Schaaf zu verlängern. Seine Bedeutung als Technischer Direktor für das Nachwuchsleistungszentrum steht dabei außer Frage, aber die hat eben auch ihren Preis. Diese Entscheidung wurde vertagt.
Möglicherweise helfen auch da höhere Einnahmen durch sportlichen Erfolg. Dabei blickt Filbry vor allem auf den DFB-Pokal, in dem in einer Woche im Heimspiel gegen Greuther Fürth der Einzug ins Viertelfinale winkt. Im Pokal werden zwar in Folge der Coronapandemie nur 80 Prozent der ursprünglich mal veranschlagten Prämien ausgeschüttet, aber diese eine Million Euro für das Erreichen der nächsten Runde würde Filbry schon gerne auf dem Werder-Konto verbuchen. Zumal im Halbfinale sogar die doppelte Summe winkt.

Siege bringen aber auch in der Bundesliga mehr Geld – und zwar in der Fernseh-Tabelle, nach der für die kommende Saison das TV-Geld ausgezahlt wird. Auch da sind für Werder noch einige Millionen mehr drin.

Einnahmen, die gerade im Sommer extrem wichtig werden, denn dann steht sehr wahrscheinlich die Kaufverpflichtung für Davie Selke an. Von gut zwölf Millionen Euro ist die Rede, die bei Klassenerhalt fällig werden – allerdings wohl nicht auf einen Schlag. Mit Hertha BSC soll eine Ratenzahlung über Selkes Vertragslaufzeit bis 2024 vereinbart worden sein – also jedes Jahr rund vier Millionen Euro. Das schmerzt dann finanziell nicht mehr ganz so sehr wie der komplette Betrag.

Eng wird es aber so oder so. Das wissen auch mögliche Geldgeber. So bestätigt Filbry, dass sich der eine oder andere Interessent schon gemeldet hat, um bei Werder zu investieren. „Aber das sind keine strategischen Partner oder Investoren, wie wir uns das wünschen“, so der Werder-Boss: „Das sind klassische Geldgeber, die für ihren Einsatz einen sehr hohen Zinssatz verlangen.“ Ein gefährliches Spiel, auf das sich die Grün-Weißen eigentlich nicht einlassen wollen. Doch wenn dauerhaft Geld fehlen sollte, dann müsse sich der Club womöglich auch damit beschäftigen, um diese Zeit zu überstehen, so Filbry.

Immerhin: Mit den Sponsoren läuft es „erstaunlich konstant“, sagt Filbry. Es seien trotz der schwierigen Lage für alle Beteiligten kaum Partner abgesprungen und sogar neue gefunden worden. Die lukrativsten Verträge laufen noch oder sollen bald verlängert werden. Und mit der zweiten elektronischen Bande, die nun im Fernsehen sichtbar ist, können auch die Sponsoren werben, die mit ihren Schriftzügen sonst nur von den Zuschauern im Stadion zu sehen sind.
Mit einer Rückkehr des Publikums rechnet Filbry so bald jedenfalls nicht. „Jedes Spiel ohne Fans tut unglaublich weh – nicht nur finanziell. Aber es sieht leider aktuell so aus, als würde dieser Zustand noch etwas länger andauern“, glaubt Filbry, will die Hoffnung aber nicht aufgeben: „Vielleicht ist es im April oder Mai möglich, dass zumindest teilweise die Fans wieder da sein dürfen.“ Aber es sei auch die Pflicht des Clubs, das Szenario ohne Fans bis Jahresende durchzuspielen: „Dafür müssen wir in den nächsten Monaten Lösungen finden.“

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