Spieler-Abschiede ins Ausland

Das ist aus den Ex-Werderanern geworden

Bremen. Sie waren Stars bei Werder, Publikumslieblinge, Torjäger. Aber auch Mitläufer und so genannte Fehleinkäufe. 17 Profis haben Werder seit 2009 in Richtung Ausland verlassen. Wir haben aufgeschrieben, wie es ihnen seitdem ergangen ist.
30.12.2011, 05:00
Lesedauer: 8 Min
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Das ist aus den Ex-Werderanern geworden
Von Marc Hagedorn

Bremen. Sie waren Stars bei Werder, Publikumslieblinge, Torjäger. Aber auch Mitläufer, Enttäuschungen, so genannte Fehleinkäufe. 17 Profis haben Werder in den letzten drei Jahren in Richtung Ausland verlassen. Wir haben aufgeschrieben, wie es ihnen seitdem ergangen ist.

Per Mertesacker (FC Arsenal)

Es hat eine Zeit lang gedauert, aber inzwischen macht es den Eindruck, als sei Per Mertesacker beim FC Arsenal angekommen. Neulich sangen die Fans ihm zu Ehren einen eigenen Schlachtruf zur Melodie des Stadionklassikers "Guantanamera": "Big fucking German, we have a big fucking German", was zu deutsch so viel heißt, wie: "Verdammt großer Deutscher, wir haben einen verdammt großen Deutschen". Im englischen Fußball kommt das einem Ritterschlag gleich, wenn die Fans Lieder für einen dichten. In den ersten Wochen hatte das noch anders ausgesehen. Da bestimmten Misstrauen in die Fähigkeiten des Ex-Bremers und Spott nach schwächeren Spielen den Ton. Er sei zu langsam und zu wenig spielstark für die Premier League hatte es geheißen. Raphael Honigstein, England-Experte unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung" und den Weser-Kurier, sagt nach einem knappen halben Jahr Mertesacker auf der Insel mit 14 Einsätzen in der Liga und fünf Auftritten in der Champions League: "Dafür, dass er der Königstransfer sein sollte, der alle Abwehrprobleme löst, hat er die Erwartungen noch nicht ganz erfüllt. Es wird aber besser."

Mesut Özil (Real Madrid)

Wo würde seine Karriere wohl eines Tages enden? Das fragte sich die Fußballwelt, als Mesut Özil in der vergangenen Saison bei Real Madrid auftrumpfte, als sei es das Normalste von der Welt, dass ein 22-Jähriger einen Weltklub im Sturm erobert. Inzwischen weiß man: Immer nur steil bergauf, das gibt es auch bei einem Mesut Özil nicht. Lediglich ein Mal ließ Real-Trainer Jose Mourinho seinen erklärten Lieblingsspieler in dieser Saison über die volle Distanz durchspielen, vier Mal wechselte er ihn ein, und kurz vor Weihnachten, beim 6:2 in Sevilla, verzichtete Mourinho erstmals sogar freiwillig auf Özil. Er wirke nicht so frisch wie im ersten Jahr, heißt es, er lasse Aggressivität und Konstanz vermissen. An Zahlen lässt sich leicht belegen, dass Özil zurzeit eine schwierige Phase durchmacht: Nur ein Pflichtspieltor hat er in dieser Saison erzielt.

Torsten Frings (Toronto FC)

Als der ehemalige Werder-Kapitän Ende November wieder in Bremen eintraf, sagte er: "Ich habe alles richtig gemacht." Gemeint war damit sein Wechsel nach Kanada. Zwar verpasste sein Klub Toronto FC die Playoffs, dafür aber machte sich Frings in 13 Spielen unentbehrlich. Und: Toronto schaffte die Qualifikation zur K.o.-Runde der nord- und mittelamerikanischen Champions League. In zwei Wochen fliegt Frings (35) zur Saisonvorbereitung nach Kanada zurück. Sein Ziel ist ambitioniert und lautet: Angriff auf die Meisterschaft.

Petri Pasanen (Red Bull Salzburg)

Mal drin in der Startelf, mal auf der Bank, mal angeschlagen und dann doch wieder gefragt: Nach diesem Muster verlief fast jedes der sieben Bremer Jahre von Petri Pasanen. Er war bei Werder selten eine feste Größe, aber auch nie völlig verzichtbar. Beim österreichischen Top-Klub Red Bull Salzburg, der als Tabellendritter in die Winterpause gegangen ist, scheint das nicht anders zu sein: In zwölf von 19 Punktspielen und sieben von zwölf Europapokalspielen war Pasanen (31) dabei. Noch durchwachsener als diese Bilanz fällt das Zeugnis aus, das die "Salzburger Nachrichten" dem Ex-Werderaner Pasanen sowie dem zweiten skandinavischen Neuzugang Rasmus Lindgren ausstellten: Beide Spieler, so die Zeitung, "blieben im Herbst vieles schuldig. Von spielbestimmenden Persönlichkeiten sind die Routiniers meilenweit entfernt".

Daniel Jensen (ohne Verein)

Als der dänische Nationalspieler im Sommer Bremen nach sieben Jahren verlassen musste, war er noch optimistisch. In der Bundesliga wollte Jensen einen neuen Verein finden. An eine Rückkehr nach Dänemark dachte der 32-Jährige nicht: "Ich fühle mich noch zu jung, um nur noch vor 3000, 4000 Zuschauern zu spielen." Inzwischen hat Jensen seine Erwartungen zurückgeschraubt, einen neuen Klub hat er noch nicht gefunden. Der dänischen Zeitung "B.T." verriet er unlängst: "Meine Kinder brauchen einen Fixpunkt, und wenn bis Januar nichts passiert, passiert gar nichts mehr. Dann muss ich aufhören. Ich kann meiner Familie das hier nicht mehr antun." Beim FC Kopenhagen hatte sich Jensen fit gehalten, beim FC Luzern erfolglos ein Probetraining absolviert. Im Moment stellt sich Jensen beim abstiegsbedrohten Erstligisten Novara Calcio in Italien vor.

Jurica Vranjes (Aris Saloniki)

In diesem Sommer ging das Arbeitsverhältnis Vranjes-Werder auch formal zu Ende. De facto hatten Verein und Spieler schon mehr als ein Jahr zuvor den Schlussstrich gezogen. Werder legte trotz laufenden Vertrages keinen Wert mehr auf Vranjes' Dienste. Da er keinen neuen Verein fand, saß Vranjes (31) sein letztes Vertragsjahr in Bremen ab. Einen neuen Verein hat er inzwischen gefunden, ans Spielen kommt der ehemalige kroatische Nationalspieler aber auch bei Aris Saloniki nicht. Nur zwei Kurzeinsätze hat Vranjes beim Tabellenzehnten der griechischen Liga absolviert.

Aymen Abdennour (FC Toulouse)

Es klingt wie ein Märchen: Aymen Abdennour zum FC Arsenal? So hieß es tatsächlich vor ein paar Monaten. Abdennour selbst hatte in einem Interview das Thema zur Sprache gebracht. Er sei von Talentspähern des FC Arsenal beobachtet worden, berichtete der tunesische Nationalspieler, der es bei Werder nur ein halbes Jahr ausgehalten hatte. Nach acht Pflichtspieleinsätzen trennten sich die Bremer im Sommer 2010 wieder von dem Linksverteidiger. Abdennour (22) kehrte zurück nach Tunesien und wagte in diesem Sommer einen zweiten Anlauf im europäischen Fußball. Diesmal mit Erfolg: Beim FC Toulouse hat er 16 Ligaspiele mitgemacht, allesamt über 90 Minuten. Toulouse steht - auch dank Abdennour - im oberen Drittel der Tabelle.

Samuel (RSC Anderlecht)

Es klingt wie ein Märchen, Teil 2: Abgesehen von einem 90-Minuten-Einsatz an einem bitterkalten Märzabend bei einem Testspiel in Rehden trat Samuel (25) in Bremen nur im Training in Erscheinung. Und so war es kein Wunder, dass Werder ihn im Sommer wieder gehen ließ. Wenig später meldete sich der Abwehrspieler in Europa zurück und zwar nicht bei der schlechtesten Adresse. Der belgische Rekordmeister RSC Anderlecht hatte Samuel für ein Jahr unter Vertrag genommen. Und siehe da: Trotz eines Eigentores bei seinem Debüt absolvierte Samuel die ersten vier Pflichtspiele. Dann kam das Spiel gegen Mechelen: Samuel sah die Rote Karte und ist seitdem nicht mehr zum Einsatz gekommen.

Diego (Atletico Madrid)

Juventus Turin, VfL Wolfsburg, Atletico Madrid - Diego (26) ist viel rumgekommen seit seinem Weggang aus Bremen. Glücklich geworden ist er nirgends. Auch seine Zwischenbilanz in Madrid fällt eher zwiespältig aus. Zwar ist der Spielmacher Stammkraft. Auch hat Atletico die Vorrunde in der Europa League überstanden. Aber wie eigentlich fast immer hinkt der Traditionsklub im Großen und Ganzen seinen Zielen weit hinterher. In der heimischen Liga dümpelt Atletico im Mittelfeld herum, aus dem Pokal ist man soeben gegen den Zweitligisten Albacete ausgeschieden. Trainer Gregorio Manzano kostete das den Job. Ein Tor in 14 Ligaspielen und zwei Treffer in sechs Europa-League-Begegnungen hat Diego erzielt.

Hugo Almeida (Besiktas Istanbul)

Es dauerte kein halbes Jahr, da konnte der portugiesische Stürmer gleich den ersten Titelgewinn feiern: Besiktas holte den Pokal. Das war ein Trost für eine verpatzte Saison in der Süper Lig. In dieser Saison sollte alles besser werden - und es wurde ein wenig besser. In der Europa League ist Besiktas noch dabei, und auch fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Galatasaray lassen für die Meisterschaft noch Hoffnung. Luft nach oben hat auch Hugo Almeida (27), der zwischenzeitlich verletzungsbedingt ausfiel: Er hat drei Tore in der Europa League und zwei in der Liga erzielt.

Alexandros Tziolis (Racing Santander)

Schon während seiner kurzen Bremer Zeit (Januar bis Juni 2009) war der griechische Nationalspieler keine Plaudertasche, Reportern ging er konsequent aus dem Weg. Das hielt er auch in Spanien bei - bis vor ein paar Wochen. Da breitete Tziolis (26) sein Seelenleben vor Journalisten aus. Tenor: Ihm gehe es schlecht, er müsse mehr spielen, schließlich sei die Europameisterschaft im Sommer sein großes Ziel. Es war Zufall, beziehungsweise die Folge zu vieler schlechter Ergebnisse, dass sein Trainer Hector Cuper wenig später gehen musste. Für Tziolis (27 Pflichtspiele/1 Tor bei Werder) die Chance zum Neuanfang. Tatsächlich könnte es nun besser werden. Der neue Trainer brachte ihn nach mehrwöchiger Pause jüngst im Punktspiel in San Sebastian (0:0) nach 41 Minuten ins Spiel.

Dusko Tosic (Betis Sevilla)

Vor ein paar Wochen durfte Dusko Tosic (26) mal wieder mitspielen. Im Pokalspiel beim Zweitligisten Cordoba (0:1) setzte ihn der Trainer ein. Zuvor hatte man bei Betis Sevilla nur einmal auf die Dienste des Linksverteidigers zurückgegriffen: Am zehnten Ligaspieltag konnte Tosic in seinem 35-Minuten-Auftritt gegen Espanyol Barcelona die 0:1-Niederlage aber auch nicht mehr verhindern. Mehr Minuten wird Tosic in Spanien auch nicht bekommen, Betis gibt ihn zum Jahreswechsel an Roter Stern Belgrad ab. Für Tosic ist es eine Rückkehr, denn aus Belgrad war er im Sommer erst gekommen. Bei Roter Stern hatte Tosic seine Karriere 2010 wiederbelebt.

Boubacar Sanogo (AS St. Etienne)

Celtic Glasgow, AS Monaco, Stade Brest - die Liste möglicher Arbeitgeber ist lang, doch seit inzwischen zweieinhalb Jahren sitzt Sanogo (29) bei AS Saint-Etienne fest. Für fünf Millionen Euro hatte Werder den Stürmer von der Elfenbeinküste nach 31 Bundesligaspielen und elf Toren im Sommer 2009 nach Frankreich verkauft. Dort traf Sanogo gleich in einem seiner ersten Spiele ins Tor, seitdem ist jedoch kein einziger Treffer mehr hinzugekommen. Mehr noch: In dieser Saison hat er überhaupt noch nicht gespielt und soll gehen.

Marcelo Moreno (Gremio Porto Alegre)

Vor ein paar Wochen sorgte der Stürmer aus Bolivien für sportliche Schlagzeilen. Im WM-Qualifikationsspiel gegen Uruguay (2:4) hatte Moreno (24) ein Tor geschossen. Ein seltenes Glücksgefühl für den Kurzzeit-Werderaner, in dessen Bremer Bilanz 63 Bundesligaminuten sowie drei Treffer in den Pokalwettbewerben stehen. Nach nur sechs Monaten war in Bremen Schluss. Über Wigan Athletic und Schachtjor Donezk ist Moreno jetzt in Brasilien gelandet. Der Erstligist Gremio Porto Alegre hat ihn für angeblich sechs Millionen Euro verpflichtet. "Ich freue mich auf das tolle Wetter", sagte Moreno bei seiner Präsentation nach zwei Jahren mit sieben Toren in der kalten Ukraine, "jetzt wird alles gut."

Carlos Alberto (Bahia EC)

Einen festen Vertrag hat Carlos Alberto (27) zwar, aber das schützt ihn wie zu Bremer Zeiten nicht davor, ständig an andere Vereine ausgeliehen zu werden. Aktuell gehört er zwar Vasco da Gama, spielen tut er aber für Bahia EC (19 Spiele/0 Tore). Dorthin war er in dieser Saison nach sieben Spielen für Porto Alegre gewechselt.

Nico Pellatz (Sparta Rotterdam)

Das DFB-Pokal-Viertelfinale beim VfL Wolfsburg (5:2) im März 2009 wird der Torwart nie vergessen. Weil Tim Wiese und dessen Stellvertreter Christian Vander verletzt waren, kam Pellatz zu seinem einzigen Einsatz bei den Profis. Danach machte er sich auf in die weite Fußballwelt. Über die Stationen Apollon Limassol (Zypern) und ADO Den Haag landete Pellatz (25) beim niederländischen Zweitligisten Sparta Rotterdam. Dort ist er unumstritten. Den Beweis dafür erhielt er jetzt: Bis 2015 hat der Verein den Vertrag mit seinem deutschen Torwart verlängert.

Marko Futacs (FC Portsmouth)

Genau wie Pellatz sorgte auch Marko Futacs (21) genau ein Mal für Aufsehen in Bremen, allerdings nur in der zweiten Mannschaft, als er drei Tore gegen Regensburg schoss. Weil es für die Profis nicht reichte, gab ihn Werder im Sommer an den englischen Zweitligisten FC Portsmouth ab. Dort, beim Tabellen-17., ist der Ungar sieben Mal als Einwechselspieler zum Einsatz, ein Tor ist ihm noch nicht gelungen.

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