Taktikanalyse

Das sind die Stärken und Schwächen von Anfangs System

Anfang hat einen Favoriten, was die Aufstellung angeht: ein 4-3-3-System. Werder erhofft sich von der Taktik viele Vorteile, aber sie hat auch negative Seiten. Eine Taktikanalyse.
19.07.2021, 14:20
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Von Tobias Escher
Das sind die Stärken und Schwächen von Anfangs System

Markus Anfang, Cheftrainer SV Werder Bremen, favorisiert das 4-3-3-System.

Andreas Gumz

Während der Vorbereitung auf die neue Saison hat sich deutlich abgezeichnet, wie die Taktik des neuen Werder-Trainers Markus Anfang aussieht: variabel und offensiv. Dabei favorisiert der 47-Jährige ein 4-3-3-System, was sich als Konstante durch alle sieben Testspiele zog. Es ist eine Formation, von der sich Werder viele Vorteile erhofft, aber auch eine, die Schwachstellen aufweist.

Bereits bei seinen vorherigen Stationen in Kiel, Köln und Darmstadt favorisierte Anfang das 4-3-3, experimentierte aber auch mit 4-2-3-1- und Dreierketten-Varianten. Klar ist: Das 4-3-3 besticht durch seine Variabilität. Werder kann damit den Gegner in einem hohen Pressing mit drei Stürmern anlaufen, sich aber auch in einem 4-1-4-1 zurückziehen. Die Außenstürmer pendeln zwischen den Flügeln und dem Zentrum, sodass den Bremern beide Wege offenstehen: mit schnellen Doppelpässen über die Flügel oder mit Kombinationen durch das Zentrum.

Wie wichtig Anfang diese Variabilität ist, zeigte sich in der Vorbereitung. Seine Bremer kennen nicht nur einen Weg, um aus der Abwehr heraus vor das gegnerische Tor zu kommen. Flache Kombinationen durch das Zentrum sind genauso möglich wie lange Bälle hinter die gegnerische Kette. Im Spielaufbau zeichnen sich bereits erste Muster ab, für die Anfang auch bei früheren Stationen stand. Übt der Gegner keinen Druck aus, lässt Werder den Ball vergleichsweise lange in der Viererkette laufen. Rückt der Gegner etwas vor, verschärfen die Innenverteidiger sofort das Tempo. Sie spielen den Ball entweder flach auf die Achter oder sie jagen einen langen Ball auf die Außenstürmer.

Das Spiel über die Flügel dürfte generell ein größeres Thema werden als es in den vergangenen Spielzeiten der Fall war. Die Außenverteidiger werden aktiver in den Spielaufbau eingebunden, die Außenstürmer erhalten öfter hohe Zuspiele. In der Vorbereitung traf Werder häufig nach Angriffen über die Flügel. Auch in den beiden abschließenden Testspielen gegen Feyenoord Rotterdam (3:3 und 1:2) wollte Werder am Samstag mit Variabilität überzeugen. Defensiv wechselte das Team zwischen hohem Pressing und einem tiefem 4-1-4-1. Offensiv spielten die Bremer ihre eigenen Angriffe mal blitzschnell, mal geduldig aus. In beiden Spielen legte Feyenoord aber auch Schwachstellen bei Werder offen.

Das Mittelfeld wirkt im Spiel gegen den Ball noch häufig unsortiert. Die drei zentralen Akteure orientierten sich recht stark am Mann. Dadurch hat Werder Probleme, dynamisch nachrückende Spieler des Gegners aufzunehmen. Die Folge: In beiden Partien fiel das 0:1 durch einen Feyenoord-Mittelfeldspieler, der dynamisch in den Strafraum sprintete. Kein Bremer fühlte sich zuständig.

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Noch schwerer wogen Werders Probleme mit dem hohen Pressing des Gegners. Erstmals sah sich der Bundesliga-Absteiger während der Vorbereitung einem Gegner gegenüber, der im 4-2-3-1 fast durchgehend die Innenverteidiger presste. Die Bremer verloren viele Bälle, zahlreiche Zuspiele landeten bei Feyenoord. Besonders auffällig war, dass die Innenverteidiger von der Sechser-Position aus nur wenig Unterstützung erhielten. Dieses Problem könnte in der 2. Liga zu einem großen Manko werden. Warum? Selbst individuell schwächere Teams wie Jahn Regensburg oder Karlsruhe haben sich auf ein hohes Pressing spezialisiert.

Werders System lässt sich abschließend nicht endgültig beurteilen, denn jede Taktik lebt von den Einzelspielern. Ein Beispiel dafür war in Bremen zuletzt die Linksaußen-Position: Johannes Eggestein rückte im ersten Testspiel gegen Rotterdam ständig diagonal in den Strafraum, während (der inzwischen Verletzte) Leonardo Bittencourt sich im zweiten Testspiel hingegen häufig im Zehner-Raum anbot. Heißt: Die Statik verändert sich, je nachdem, welche Spieler Anfang aufstellt.

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