Werdegang von Mbom, Rieckmann und Philipp

Ein guter Jahrgang reift

Die Gegenwart gehört Manuel Mbom, Julian Rieckmann und David Philipp bei Werder noch nicht. Das Potential, zukünftig eine Chance zu erhalten, bringt das Trio aber mit. Wie haben sich die Talente entwickelt?
21.03.2019, 18:24
Lesedauer: 6 Min
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Von Cedric Voigt
Ein guter Jahrgang reift
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Die Spielzeit 2016/2017 zählt zu den erfolgreichsten der jüngeren Werder-Vergangenheit: Während die Profis trotz zwischenzeitlicher Abstiegssorgen bis zum letzten Spieltag die Chance hatten, sich für das europäische Geschäft zu qualifizieren, überzeugte der U17-Jahrgang mit herausragenden Leistungen. Erst im Finale um die Deutsche Meisterschaft endete der Bremer Durchmarsch, auswärts und in Unterzahl verloren Werders B-Junioren gegen den FC Bayern München mit 2:0.

Gleich bei einer ganzen Handvoll der Spieler von damals traut man bei Werder zu, eines Tages auch in der Bundesliga auf dem Platz zu stehen. Keeper Luca Plogmann feierte sein Debüt im Oberhaus bereits in der Hinrunde gegen Eintracht Frankfurt. Manuel Mbom, Julian Rieckmann und David Philipp gelten als weitere aussichtsreiche Kandidaten für die nächsten Jahre. Alle drei haben bereits Profi-Verträge unterschrieben, befinden sich aber in unterschiedlichen Stadien ihrer fußballerischen Entwicklung. Mein Werder gibt einen Überblick über den Werdegang des Trios seit dem Finale 2017.

Manuel Mbom

Quo vadis, Manuel Mbom? Der 2017 mit der silbernen Fritz-Walter-Medaille als zweitbester Nachwuchsspieler seines Jahrgangs ausgezeichnete Mittelfeld-Mann befindet sich in einem uneindeutigen Stadium seiner Karriere. Noch während des Winter-Trainingslagers in Johannesburg hatte Florian Kohfeldt die Erwartungen an Mbom ausdrücklich gebremst. „Er ist kein Kandidat, der in naher Zukunft regelmäßig im Bundesligakader stehen wird“, hatte es geheißen. Kohfeldt sollte Recht behalten. Zumindest sein Kader-Debüt durfte das Talent aufgrund der dünnen Personaldecke gegen den VfB Stuttgart aber bereits feiern.

Damit aus dem herausragenden Jugendspieler Manuel Mbom auch ein Bundesligaspieler wird, muss allerdings noch einiges passieren. Eine beunruhigende Nachricht ist das nicht, streng genommen nicht einmal eine Überraschung. Profitierte Mbom als Teenager unter Teenagern noch von seiner überdurchschnittlichen Athletik, muss er nun gegen körperlich ebenbürtige Herrenspieler in der Regionalliga Nord neue Wege finden, noch präziser, konzentrierter und gedankenschneller zu spielen. Nach 18 Toren in 20 Spielen bei den B-Junioren ist Mbom in 17 Einsätzen in der U23 noch ohne Torerfolg.

Der 19 Jahre alte Rechtsfuß durchlebt einen Lernprozess, wie ihn schon viele auf Junioren-Level überragende Spieler hinter sich bringen mussten. Die nötigen Anlagen, um sich auf höchstem Niveau durchzusetzen, sind bei Mbom vorhanden: Neben der guten Kombination aus Robustheit und Dynamik bringt der Mittelfeldspieler auch die koordinativen Fähigkeiten mit, um diese Talente entsprechend einzusetzen. Auch Pass- und Schusstechnik sind grundsätzlich auf einem guten Niveau, allein die Konstanz und das Abrufen des eigenen Potentials unter Gegnerdruck müssen noch besser werden. Gegen den Ball agiert Mbom motiviert, aber mitunter zu ungestüm und bisweilen ein wenig hitzköpfig.

Viel Schleifarbeit also für Florian Kohfeldt und die Bremer Jugendtrainer. Zumal da ja auch noch die Frage nach der Position ist. Bislang spielte Mbom zumeist als Achter mit viel Offensivdrang. Weiter nach vorne rücken dürfte Mbom nicht – für den Flügel fehlt es an Tempo und Dribbelstärke, für die Zehnerposition ist Mbom zu wenig Spielmacher. Auch Experimente mit Mbom auf der alleinigen Sechser-Position dürften dem Niveau der Regionalliga geschuldet und eher dazu gedacht sein, das Raumverhalten des Youngsters zu schulen. Bei der U19-Nationalmannschaft lief Mbom hingegen zuletzt als offensiverer Part einer Doppel-Sechs auf – und bereitete beim 2:1 in der EM-Qualifikation gegen Kroatien das Führungstor von Fiete Arp mit einem sehenswerten Schnittstellenpass vor.

Julian Rieckmann

Erst 16 Jahre alt war Julian Rieckmann, als er das erste Mal bei Werders Profis mitmischen durfte: Im Sommer 2017, in einem Testspiel gegen West Ham United, lief der Innenverteidiger zum ersten Mal an der Seite der etablierten Bundesliga-Spieler auf – und hinterließ gleich einen richtig starken Eindruck. Seitdem konnte Rieckmann dem Rampenlicht weitestgehend fernbleiben.

Im Verein ist es allerdings schon eine Weile Konsens, dass der hellblonde Junge aus Winsen einer ist, der es bis in die Bundesliga schaffen kann. Mittlerweile besitzt der 1,86 Meter große Rechtsfuß einen Profivertrag, in der U23 ist Rieckmann der jüngste aller Stammspieler. Erst eine Partie verpasste das Abwehrtalent: Im Dezember fehlte Rieckmann gegen den SSV Jeddeloh II, um sein Debüt für die U19-Nationalmannschaft zu geben.

Bemerkenswert: Von den 24 Spielern, die U19-Nationaltrainer Guido Streichsbier damals nominierte, sind nur fünf in der zweiten Jahreshälfte geboren. Rieckmann, der seinen Geburtstag am 1. August feiert, ist einer von ihnen. Der Grund für diese Unwucht nennt sich „Relative Age Effect“ (RAE): Weil im Nachwuchsbereich schon kleine körperliche Unterschiede große Leistungsvorteile mit sich bringen, zehren die früh im Jahr geborenen Spieler oftmals von ihrer überlegenen Physis. Rieckmann gehört also zu den wenigen Talenten seines Jahrgangs, deren Veranlagung die Monate wettmacht, die sie später geboren wurden.

Dabei ist der Verteidiger keinesfalls ein körperlicher Frühentwickler: Auch bei der U23 merkt man, dass Rieckmann zwar ein geschickter Zweikämpfer, aber in Sachen Athletik doch noch ein durchschnittlicher A-Jugendlicher ist. Überdurchschnittlich ausgeprägt sind hingegen Rieckmanns Spielverständnis, seine Ruhe am Ball und sein Aufbauspiel. Vereinzelte Patzer wie beim 1:1 gegen Weiche Flensburg gehören zum Lernprozess. Der wiederum dürfte Rieckmann noch nicht in dieser Saison, voraussichtlich auch noch nicht im Jahr darauf in die Bundesliga führen – danach ist dem Youngster aber absolut zuzutrauen, Werders Defensive zu bereichern.

David Philipp

Noch heute zahlt es sich aus, dass Werder zu Beginn des Jahrtausends unter Thomas Schaaf eine goldene Ära erleben durfte. Denn: Viele Spieler aus dem Norden Deutschlands, die vor dem Sprung in den Profi-Bereich stehen, sind mit Idolen wie Johan Micoud oder Diego großgeworden. Das gilt auch für den 18 Jahre alten David Philipp. Aus der Jugend des HEBC Hamburg, Ex-Klub von Werder-Legende Thomas Wolter, ging es für Philipp 2014 statt zu St. Pauli oder zum HSV in die U15 des SV Werder, wo der Offensiv-Allrounder einige Monate unter Florian Kohfeldt trainierte, ehe dieser als Assistent von Viktor Skripnik zur Bundesliga-Mannschaft beordert wurde.

Unter den Bremer Top-Talenten gehört Philipp noch zu den unbekannteren Namen. Im Januar durfte die Nachwuchshoffnung erstmalig mit der Profi-Mannschaft in ein Trainingslager reisen – der Lohn für starke Leistungen, die Philipp allerdings nicht wie Rieckmann oder Mbom in der U23, sondern noch auf A-Juniorenlevel zeigte. Dort kommt Philipp nach 20 Saisonspielen im offensiven Mittelfeld auf 15 Treffer und 15 Assists. Herausragende Werte – dass derlei Statistiken wenig bedeuten müssen, haben allerdings in der Vergangenheit bereits hochgelobte Talente wie Donis Avdijaj oder Federico Palacios gezeigt, die im Junioren-Bereich teils mehr als ein Tor pro Spiel erzielen, sich aber nicht nachhaltig in der Bundesliga etablieren konnten.

Zumindest eine gewisse Bodenständigkeit dürfte Philipp auf dem Pfad in den Profifußball helfen: Im Halbfinale der U17-Saison 2016/2017 avancierte der beidfüßig starke Offensivmann zu einem international gefragten Talent, Bezahlsender Sky berichtete gar von einem Interesse des FC Liverpool. Der Grund: In Hin- und Rückspiel gegen Borussia Dortmund war Philipp an allen vier Bremer Toren beteiligt, traf im Hinspiel per Freistoß, erzielte im Rückspiel einen Doppelpack und legte einen weiteren Treffer auf. Dennoch entschied sich Philipp dazu, einen langfristigen Vertrag bei Werder zu unterzeichnen.

Am wohlsten fühlt sich Philipp im Zentrum des Offensivspiels seiner Mannschaft, ist dort für überraschende Aktionen zuständig – ob im Dribbling, mit kreativen Pässen oder eigenen Abschlüssen. Mit seiner Vielseitigkeit gibt Philipp eine hervorragende hängende Spitze ab, perspektivisch könnte sich der Angreifer auch zu einem unberechenbaren Spielmacher entwickeln. Dafür muss Philipp allerdings noch konstanter und präsenter werden: Noch nimmt sich der zuletzt auf Abruf für die U19-Nationalmannschaft nominierte Allrounder ein paar zu viele Auszeiten in seinem Spiel und ist eher auf die letzte oder vorletzte Aktion vor dem Tor fokussiert. Auch Philipp hat noch Zeit, sich zu entwickeln: Für die nächste Saison scheint eine Mischung aus Spielpraxis bei der U23 und weiteren Trainingslager-Stippvisiten bei den Profis am wahrscheinlichsten.

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