Leihspieler Zander im MEIN-WERDER-Interview „Ich traue mir die Bundesliga zu“

Werders Leihspieler Luca Zander spricht im MEIN-WERDER-Interview über seine erste Saison beim FC St. Pauli, die Konkurrenzsituation in Bremen, sein Verhältnis zu Florian Kohfeldt und seine Pläne.
24.05.2018, 14:22
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
„Ich traue mir die Bundesliga zu“
Von Felix Frank

Nach Startschwierigkeiten sind Sie relativ schnell Stammspieler bei St. Pauli geworden, bestritten 16 Spiele in Folge über 90 Minute. Wie bewerten Sie Ihre erste Saison in Hamburg?

Es war ein Auf und Ab. Am Anfang war es auf jeden Fall schwierig, das ist aber auch ein Stück weit normal, ich musste mich erst mal an ein neues Team und eine neue Umgebung gewöhnen. Ich bin quasi das erste Mal richtig weg gewesen von zu Hause. Das hat dann aber dank der Mannschaft sehr gut funktioniert, ich habe meine Spiele gemacht und das bringt mich voran.

Seit Mitte Februar haben Sie auch aufgrund von diversen Verletzungen dann aber gar nicht mehr gespielt.

Das war eine Verknüpfung von unglücklichen Situationen. Angefangen hat es mit einem Schlag auf den Hinterkopf. Dann kamen noch eine Grippe und ein Muskelfaserriss hinzu. Das hat mich ein bisschen zurückgeworfen, bringt mich aber letztendlich nicht aus der Spur, weil ich ganz genau weiß, was ich kann. Jetzt heißt es für mich, wieder anzugreifen, die nächste Welle nach oben zu erwischen.

Vor dem Wechsel nach Hamburg haben Sie meist mit Werders U23 in der dritten Liga gespielt. Es hatte nicht den Eindruck, dass Sie lange brauchten, um sich an das Niveau in der zweiten Liga zu gewöhnen.

Ich habe ja auch bei Werder über mehrere Jahre immer am Profi-Training teilgenommen. Demnach hatte ich schon auf höherem Niveau Erfahrung, auch wenn das nur im Training war. Aber es stimmt schon, dass man sich relativ schnell an das Niveau anpasst.

Wie ist Ihr Zwischenfazit: War die Ausleihe zu St. Pauli die richtige Entscheidung?

Ja, auf jeden Fall!

Warum?

Weil es mich persönlich und sportlich jetzt schon geprägt hat. Es bringt einen voran, einen Schritt zur Seite zu gehen, mal nicht bei dem Ausbildungsverein zu spielen, sondern auch mal der Neue in der Mannschaft zu sein.

Welche Auswirkungen hätte ein Abstieg mit St. Pauli in die dritte Liga auf die Ausleihe gehabt?

Darüber müssen wir uns ja zum Glück keine Gedanken machen. Ich habe immer zu allen Parteien gesagt, dass ich erst darüber reden möchte, wenn es entschieden ist, weil ich ein Spieler von St. Pauli bin. Ich identifiziere mich hundertprozentig mit dem Verein.

Wann waren Sie das letzte Mal in Bremen?

Normalerweise bin ich diesem Jahr im Zwei-Wochen-Rhythmus immer für ein, zwei Tage in Bremen gewesen, um Familie und Freunde zu besuchen und den Kontakt aufrecht zu erhalten. Aber jetzt ist das erste Mal, wo ich vier Wochen am Stück nicht mehr in Bremen war.

Zu wem von den Werder-Spielern haben Sie denn aktuell Kontakt?

Sowohl mit Zetti (Michael Zetterer, Anm. d. Red.) habe ich ab und zu Kontakt als auch mit Jesper (Verlaat) und noch ein paar anderen Spielern aus der zweiten Mannschaft. Mit Rafael Kazior telefoniere ich ab und zu mal. Er kommt ja aus Hamburg und hat hier und da einen Tipp, wo man in Hamburg hingehen kann.

Und wie sehen Sie die Entwicklung der Profis unter Florian Kohfeldt?

Sehr positiv, wie alle anderen auch. Ich habe schon lange mit Flo (Florian Kohfeldt war Zanders Coach bei Werders U23, Anm. d. Red.) zusammengearbeitet. Man erkennt das wieder, was ich von ihm schon gewohnt war, was er immer schon probiert hat, mit allen Mannschaften umzusetzen. Seinen Stempel kann man sehr gut erkennen.

Was zeichnet diesen Stempel aus?

Die hohe Bereitschaft, die Taktik einzuhalten, die er von seinen Spielern einfordert. Man sieht, dass jeder auf dem Platz weiß, was zu tun ist.

Im Sommer 2019 werden Sie zu Werder zurückkehren. Wie sieht Ihr Plan danach aus?

Ich kann da überhaupt keine Vorhersagen treffen. In einem Jahr kann im Fußballgeschäft wirklich alles passieren. Die vertragliche Situation ist klar, aber wie es dann am Ende aussieht – ob Werder mich will, ob St. Pauli mich will, ob ein anderer Verein mich will –, das sind so viele Ungewissheiten.

Könnten Sie sich denn vorstellen, auch über 2019 hinaus bei St. Pauli zu bleiben?

Der Vertrag ist auf jeden Fall so, dass ich nach 2019 noch ein Jahr in Bremen habe. Inwiefern das aber dann zum Tragen kommt, ist eine andere Geschichte und das kann ich jetzt noch nicht beantworten.

Die Bundesliga soll es irgendwann aber schon sein, oder?

Jeder hat mal angefangen und wollte Bundesliga spielen. Ich traue mir das auf jeden Fall zu. Der Weg dorthin ist aber nicht immer gerade. Man muss auch ab zu mal eine Seitenstraße benutzen.

Bei Werder ist die Konkurrenz auf der rechten Abwehrseite mit Theodor Gebre Selassie ziemlich groß. Inwiefern haben Sie das auch im Blick?

Konkurrenz-Situationen werden oft so negativ dargestellt. Ich denke, dass man an einer Konkurrenzsituation viel mehr wächst, als dass man daran zerbricht. Wenn man einen guten Mitspieler auf seiner Position hat, sollte man das immer als Ansporn sehen, selber noch besser zu werden.

Wie sieht denn der Austausch mit Werder aus?

Wenn besondere Vorkommnisse sind, haben wir Kontakt. Es ist aber nicht so, dass wir alle zwei Wochen telefonieren. Als ich verletzt war, hatte ich ein Telefonat mit Frank Baumann.

Worüber haben Sie gesprochen?

Nichts Besonderes, das waren ein paar aufbauende Worte.

Und wann haben Sie das letzte Mal mit Kohfeldt telefoniert?

Am Anfang der Saison, da war er noch bei der U23. Wir haben ein bisschen länger gesprochen, wie es bei mir und wie es bei der U23 aussieht.

Das liegt ja schon ein bisschen zurück.

Ich glaube, das ist bewusst so, weil er genau weiß, was für ein Typ ich bin. Ich bin jemand, der sich hundertprozentig mit der aktuellen Aufgabe identifiziert – und das ist aktuell eben die bei St. Pauli. Und deswegen tut das auch nicht not, dass er mich alle zwei Wochen anruft.

Das Gespräch führte Felix Frank.

Zur Person:

Luca Zander wurde in Weyhe geboren und durchlief sämtliche Nachwuchsmannschaft bei Werder. Für die Bremer absolvierte der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler bislang zwei Bundesliga-Spiele, meist kam er bei der U23 zum Einsatz. Im vergangenen Sommer wurde Zander für zwei Jahre an den FC St. Pauli verliehen. In der abgelaufenen Saison schaffte der 22-Jährige mit den Hamburgern den Zweitliga-Klassenerhalt. Bei Werder hat der Rechtsverteidiger noch einen Vertrag bis 2020.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+